# taz.de -- US-Zwischenwahlen in Alaska: Kandidatin zwischen Lachs und Öl
> Mary Peltola will als erste Indigene in den US-Senat einziehen. Dabei
> vertritt sie Ansichten, die in ihrer Partei für Unmut sorgen könnten.
(IMG) Bild: Mary Peltola will als erste Indigene in den Senat
Im November zeigt sich, ob Donald Trumps Republikaner ihre Mehrheit im
Senat von Washington verteidigen. Diesmal könnte auch [1][Alaska] eine
entscheidende Rolle spielen. Dort fordert die Demokratin Mary Peltola den
republikanischen Amtsinhaber Dan Sullivan heraus.
Peltola hatte 2022 bei einer Sonderwahl für Alaskas einzigen Sitz im
Repräsentantenhaus unter anderem die frühere Gouverneurin Sarah Palin
geschlagen. Nun versucht sie, erstmals einen Senatssitz für die Demokraten
in dem republikanisch geprägten Bundesstaat zu gewinnen.
Peltolas Wahl wäre in mehrfacher Hinsicht eine Sensation. Alaska gilt als
solide republikanisch. Seit 1960 wählte der Staat bei
Präsidentschaftswahlen nur ein einziges Mal blau. Auch im Senat dominieren
seit Jahrzehnten die Republikaner. Den Senatssitz, den Peltola anstrebt,
gewann nur ein einziges Mal eine Demokratin oder ein Demokrat, 2008. Noch
bedeutsamer wäre Peltolas Wahl für die indigene Bevölkerung Alaskas. Seit
Alaska 1959 Bundesstaat wurde, wäre Peltola die erste indigene Senatorin in
Washington. Dabei sind rund 20 Prozent der Wähler in Alaska indigener
Herkunft.
Peltola, deren Vater weiß ist, trägt ihre indigene Identität mit Stolz.
[2][Als sie 2022 bereits ins Abgeordnetenhaus einzog], trug sie bei ihrer
Vereidigung die traditionellen Stiefel ihres Volkes, der Yu’pik, und einen
Ohrring in Form eines Lachses. Die Bedrohung der Lachsbestände ist für sie
eines der wichtigsten politischen Themen. Für die traditionelle Lebensweise
der indigenen Nationen Alaskas ist der Lachs entscheidend. Mit dem Thema
befasst sie sich, seit sie Ende der 90er Jahre in das Repräsentantenhaus
von Alaska gewählt wurde. Dort galt sie als Teil der „Busch-Fraktion“, also
jener Politiker, die sich um die Belange der Menschen im schier endlosen
Hinterland Alaskas kümmern.
## Täglich gab es Elchfleisch bei den Eltern zu essen
Die Betonung ihrer indigenen Identität wirkt glaubwürdig. Peltola wuchs in
dem 500-Seelen-Ort Kwethluk am Kuskokwim-Fluss auf, rund 700 Kilometer
nordwestlich von Anchorage. Elchfleisch und Seehund gehörten in ihrem
Elternhaus zur täglichen Kost. Die Sommer verbrachte sie auf dem Fluss. Sie
half Lachsfischern, die Fische auszunehmen, zu trocknen und zu räuchern.
Jugendfreunde bezeichnen sie als selbstbewusst und robust. „Sie hat nicht
auf die Männer gewartet, um das Boot anzudocken, sie hat es selbst
gemacht.“
Während des Colleges trat sie mit einem Kopfschmuck aus Wolfsfell in
traditionellen Tanzdisziplinen bei der Eskimo-Indianer-Olympiade an und
wurde Zweite. Als Staatssenatorin engagierte sie sich neben
Fischereirechten und Artenschutz auch für Probleme in den Reservaten wie
Alkoholmissbrauch und Jugendschwangerschaften.
Ihre Bodenständigkeit und ihre Verbundenheit mit dem Land und der Natur
machen sie für viele Alaskaner wählbar. Sie kann ein Wasserflugzeug fliegen
und geht auf Elchjagd. Im Wahlkampf fährt sie bisweilen selbst mit einem
Vierradantrieb in Dörfer, zu denen keine Straße führt. Die nationalen
Medien meidet sie.
Zugleich vertritt sie Positionen, die manchen demokratischen Parteifreunden
gegen den Strich gehen. Sie kennt die Bedeutung der [3][Öl- und Gasbranche
für Alaska] und steht ihr offen gegenüber. Gleichzeitig setzt sie sich für
Natur- und Artenschutz ein. Man sagt ihr nach, sie könne zwischen beiden
Welten wandeln: zwischen der indigenen und der weißen, der
ländlich-entlegenen und der urbanen, der kommerziellen Fischer und der
Subsistenzfischer, zwischen Washington und Anchorage. Das ist gewiss eine
Fähigkeit, die ihr im zutiefst polarisierten Washington zugutekommt.
27 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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