# taz.de -- Marokkos Ministerpräsidentin: Eine Premiere für Marokko
> Fatima Ezzahra El Mansouri war bereits die erste Frau an der Spitze des
> Gemeinderats von Marrakesch. Nun wird sie Marokkos erste
> Regierungschefin.
(IMG) Bild: Fatima Ezzahra El Mansouri bei einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei PAM im marokkanischen Tanger
Fatima Ezzahra El Mansouri wird die [1][erste Regierungschefin Marokkos].
Nach der Tunesierin Najla Bouden Romdhane ist sie damit die zweite Frau in
dieser Position in der arabischen Welt. Im liberalen Tunis war die
Ernennung Romdhanes 2021 angesichts der vielen Frauen in leitenden
Positionen im öffentlichen Leben unaufgeregt aufgenommen worden. Auch El
Mansouri hat als Bürgermeisterin von Marrakesch und Ministerin für Planung
und Städtebau bereits Kompetenz und Führungsstärke bewiesen.
Doch dass El Mansouri nun eines der wichtigsten Staatsämter nach dem König
und seinem Beraterstab übernimmt, kratzt an den noch immer sehr
patriarchalischen Werten der marokkanischen Gesellschaft.
In der Touristenmetropole Marrakesch stand sie als erste Frau an der Spitze
des Gemeinderates. Dort setzte sie den von Mohammed VI. bei seinem
Amtsantritt 1999 ausgerufenen Modernisierungskurs knallhart um.
Armenviertel, sogenannte Bidonvilles, wurden für baufällig erklärt, die
Bewohner wurden entschädigt und umgesiedelt.
Es entstanden Einkaufspassagen und Wohnungen nach den Wünschen
internationaler Käufer und reicher Marokkaner. Die Modernisierung im
Eiltempo machte Marrakesch zu einer gut geölten Tourismusmaschine, die gut
betuchte Besucher aus den Golfstaaten ebenso anzieht wie Backpacker auf der
Suche nach dem Flair des Orients. Für ihr effektives Arbeiten war El
Mansouri schon während ihres Studiums bekannt, berichten ehemalige
Kommilitonen.
Auf Planungs- und Immobilienrecht hatte sie sich schon an der Uni in Rabat
spezialisiert. Auch ihr Entschluss, der PAM, der Partei für „Authentizität
und Modernität“, in der Gründungsphase beizutreten, war nur folgerichtig.
Die wirtschaftsliberale PAM war 2008 von Fouad El Himma, [2][einem engen
Berater des Königs], als Bollwerk gegen die damals immer populärer
werdenden Islamisten gestartet worden.
Denn die Islamisten hatten die zunehmende Abkopplung großer Teile der
Bevölkerung vom Wirtschafts- und Bauboom geschickt für sich genutzt. Die
redegewandte und locker auftretende El Mansouri ist schon in ihrer
Erscheinung ein Gegenmodell zu den Islamisten, die in der abgehängten
Provinz gesellschaftlich oft noch den Ton angeben. „Ich bin gläubige
Muslimin, aber strikt gegen die Ideologie der Muslimbrüder. Ich werde
Islamisten in Marokko nicht akzeptieren“, sagte El Mansouri kürzlich in
einem Interview. Eine Kampfansage an die bis 2021 mitregierenden
Konservativen der PJD, die nach dem Normalisierungsabkommen mit Israel 90
Prozent ihrer Sitze verloren hatten, nun aber wieder zu den stärksten
Oppositionskräften im Parlament gehören.
Englisch lernte El Mansouri in New York, wo sie, wie auch in Montpellier,
ein Diplom erwarb. Nach Marrakesch lockte sie internationale Investoren,
Konferenzen der Weltbank und große Konzerne. Eine Erfolgsstory ganz nach
dem Gusto des „Makhzen“, dem öffentlich selten in Erscheinung tretenden
Zirkel um Mohammed VI. Dort werden die ganz wichtigen Entscheidungen
getroffen und der Regierung zur Umsetzung weitergereicht.
Viele liberale Marokkanerinnen feiern ihre Ernennung zur Regierungschefin.
„Dieser historische Moment für alle marokkanischen Frauen erfüllt mich mit
großem Stolz“, sagt Fatima Ezzahra El Mansouri nach dem Treffen mit
Mohammed VI. sichtlich berührt in die Kameras. Viele hoffen, dass [3][die
konservative marokkanische Gesellschaft] mit El Mansouri offener für Frauen
in Führungspositionen wird. Auch eine Reform des seit 2004 geltenden
Familienrechts fällt in ihre Amtszeit.
30 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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