# taz.de -- EU-Mittel für Ungarn: In Budapest klingelt die Kasse
> Die EU-Kommission gibt 4,2 Milliarden Euro aus dem EU-Kohäsionsfonds
> frei. Damit würden die Reformbemühungen der neuen Regierung gewürdigt,
> heißt es.
(IMG) Bild: Begrüßung unter Freund*innen: Die EU-Kommission wird die eingefrorenen Milliarden für Ungarn freigeben
Es ist ein Erfolg für den neuen proeuropäischen ungarischen Regierungschef
Péter Magyar: Die EU-Kommission hat am Mittwoch in Brüssel entschieden, 4,2
Milliarden Euro aus dem EU-Kohäsionsfonds freizugeben. Das Geld lag bisher
wegen zahlreicher Rechtsstaats-Verstöße unter Magyars Amtsvorgänger Viktor
Orbán auf Eis. Vor einer Auszahlung müssen allerdings noch die EU-Staaten
zustimmen.
Im Wahlkampf hatte Magyar versprochen, die eingefrorenen EU-Gelder schnell
nach Ungarn zurückzuholen und damit die Wirtschaft zu beleben. Zunächst sah
es nach einer „Mission impossible“ aus, denn ein Teil der Mittel war schon
verfallen, zudem gab es enge Fristen. [1][Dennoch kündigte
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits im Mai die Freigabe von
16,4 Milliarden Euro an].
[2][„Ungarn hat wichtige Schritte unternommen, um die Rechtsstaatlichkeit
zu stärken und die finanziellen Interessen der EU zu schützen“, erklärte
von der Leyen nun]. Ihre Behörde sei zu dem Schluss gekommen, dass Ungarn
die zahlreichen Mängel bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, bei der
Korruptionsbekämpfung, dem Risiko von Interessenkonflikten und der
Strafverfolgung behoben habe.
Deshalb soll jetzt die erste Tranche freigegeben werden. Außerdem soll
Ungarn wieder Zugang zu den begehrten Studien- und
Forschungs-Austauschprogrammen Erasmus+ und Horizont Europa erhalten. Die
Entscheidung kommt überraschend schnell. Die neue ungarische Regierung
hatte der EU-Kommission erst am 9. September 2026 die geforderten Reformen
und „Abhilfemaßnahmen“ mitgeteilt.
## Reise nach Budapest
Im Europaparlament werden daher Zweifel laut. Brüssel habe nicht genug Zeit
gehabt, um die Maßnahmen zu prüfen, heißt es. Außerdem müssten die Reformen
erst noch in die Praxis umgesetzt werden, bevor wieder EU-Geld fließen
könne. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, wollen mehrere deutsche
Europaabgeordnete Anfang Oktober nach Budapest reisen und die Umsetzung
prüfen.
Es sei noch unklar, „wie gut die Reformen in der Praxis funktionieren
werden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel Freund, der die
Rechtsstaatsverstöße unter Orbán angeprangert hatte. Es sei „naiv“ zu
glauben, dass „das korrupte System, das Orbán über Jahre aufgebaut hat“,
nach vier Monaten „verschwunden“ sei. Er habe von der Kommission „mehr
Gründlichkeit“ erwartet, so Freund.
Derweil drängt Magyar darauf, dass Brüssel bald auch das restliche EU-Geld
auszahlt. Ein großer Betrag steht noch aus: 10 Milliarden Euro aus dem
Corona-Aufbaufonds. Allerdings ist umstritten, ob Ungarn die von der EU
gesetzte Frist noch einhalten kann. Offiziell endete diese Deadline schon
am 31. August – drei Wochen später ist immer noch keine Entscheidung
gefallen.
23 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ungarns-Premier-auf-EU-Besuch/!6182888
(DIR) [2] /Restauration-der-ungarischen-Demokratie/!6200827
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) Peter Magyar
(DIR) Reformen
(DIR) Europäische Union
(DIR) Europäische Kommission
(DIR) Ungarn
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Brüssel und Budapest: Es geht um Geld, viel Geld
Nach dem Sturz Orbáns gehen Reformen in Ungarn nur schleppend weiter.
Abgeordnete des Europäischen Parlaments kommen kaum an Informationen.
(DIR) Buch über den Sturz Orbáns in Ungarn: Ein Meisterstück politischer Kommunikation
In seinem Buch „Der Sturz Orbáns“ rekonstruiert der ungarische
Politikberater Gergő Papp minutiös, wie es zu Péter Magyars Wahltriumph im
April 2026 kam.
(DIR) „Befreiung von der Mafia“: Magyar räumt mit der Brechstange auf
Ungarns neuer Premier will mit dem Maßnahmenpaket „Fegefeuer“ das
Orbán-System zerschlagen. Doch für die Art seines Vorgehens erntet er
Kritik.
(DIR) Verfassungsänderung in Ungarn: Magyar erhöht Hürden für Orbán-Comeback
Die Amtszeit des Ministerpräsidenten wird auf acht Jahre begrenzt, was
rückwirkend für Viktor Orbán gilt wie künftig für Amtsinhaber Péter Magyar.