# taz.de -- Autorin über vererbte Bauernhöfe: „Da gibt es großes Konfliktpotenzial“
       
       > Miriam V. Lesch hat ein Theaterstück über den Umgang mit einem geerbten
       > Bauernhof geschrieben. Am Samstag wird es in Oldenburg uraufgeführt.
       
 (IMG) Bild: Bauern, Bäuerinnen, Erben und Tiere: Szene aus dem Stück „Ein Stück Land“ im Oldenburgischen Staatstheater
       
       taz: Frau Lesch, ist der Bauernhof noch ein Sehnsuchtsort? 
       
       Miriam V. Lesch: Ich denke schon. Es gibt noch das idyllische Bild vom
       Bauernhof, das man in jedem Bilderbuch findet. Mich hat interessiert zu
       fragen, was davon stimmt und wo die Bruchlinien sind und keine einheitliche
       Erzählung mehr davon ausgeht. Aber aus einer städtischen Perspektive gibt
       es schon nach wie vor viel Projektion und Romantisierung.
       
       taz: In Ihrem Stück „Ein Stück Land“ erben drei Geschwister einen Bauernhof
       und müssen entscheiden, was sie damit anfangen. Wie haben Sie für das Stück
       recherchiert? 
       
       Lesch: Zuerst gab es eine große Literaturrecherche zu
       naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Themen rund um
       Landwirtschaft. Außerdem habe ich Gespräche geführt mit Bauern und
       Bäuerinnen und viele Interviews gelesen. Und ich komme selbst aus dem
       ländlichen Raum in Österreich und habe private Bezugspunkte zu dem Thema.
       
       taz: Was haben Sie von den Bauern und Bäuerinnen erfahren? 
       
       Lesch: Aufgefallen ist mir die Verantwortung, die alle spüren für ihren Hof
       und die Verbundenheit, die sie mit ihrem Land haben. Auffällig ist auch die
       viele Arbeit, die damit einhergeht. In Österreich weiß man, dass Landwirte
       und Landwirtinnen zu einer Berufsgruppe mit sehr hohen psychischen
       Belastungen gehören. Sie haben das Gefühl, dass das von den Städtern oft
       nicht wahrgenommen wird. Die Diskrepanz in den Wahrnehmungen hat mich
       interessiert.
       
       taz: Früher gab es eine weit verbreitete Haltung unter Landwirt*innen, die
       hieß: „Was man erbt, das hält man.“ Wie ist das heute? 
       
       Lesch: Es gibt viele Probleme mit Hofnachfolgen. Es gibt großes
       Konfliktpotenzial zwischen den Generationen, weil die Nachfolgegeneration
       vielleicht etwas anders machen will. Abgesehen davon ist es oft so, dass
       den Hof niemand mehr nehmen will, weil das Leben zu hart ist – es bedeutet,
       sieben Tage die Woche zu arbeiten und kaum, vielleicht auch nie Urlaub zu
       machen.
       
       taz: Die drei Geschwister in Ihrem Stück haben unterschiedliche Ideen zum
       Umgang mit dem geerbten Hof. Eine ist, aus dem Hof ein Urlaubsdomizil zu
       machen, eine andere, die Fläche als [1][Renaturierungsgebiet für Moore] zu
       nutzen. Die dritte Idee ist, weiterzumachen mit der Landwirtschaft. Setzt
       sich eine Idee durch? 
       
       Lesch: Für mich persönlich nicht. Es gibt in dem Stück nicht die eine
       richtige Position. Ich fand an dem Thema faszinierend, dass man einerseits
       immer die globale Perspektive mitdenken muss, weil Entscheidungen, die man
       landwirtschaftlich in Mitteleuropa trifft, über den globalen Markt auch
       [2][Auswirkungen auf anderen Kontinenten] haben können. Zugleich kann man
       immer nur mit dem Blick auf den einen Hof entscheiden, was im Einzelfall
       Sinn macht.
       
       taz: Der Markt, in dem sich Landwirt*innen bewegen, ist [3][hart und
       durchökonomisiert]. Wie viel Spielraum bleibt da überhaupt noch, mit der
       Landschaft umzugehen? 
       
       Lesch: Sehr wenig. Die Frage ist, wie viel Spielraum wir als Gesellschaft
       noch zugestehen. Der Eingriff der Menschen in das Land ist ein wichtiger
       Akt der Zivilisation gewesen, er hat die Landschaft verändert, macht aber
       auch etwas mit uns. Es ist eine wechselseitige Beziehung.
       
       taz: In Ihrem Stück gibt es auch Tiere, die sprechen. Was sagen die dazu? 
       
       Lesch: Die Nutztiere erzählen vor allem von der jahrtausendelangen
       Geschichte von Domestikation. In Mitteleuropa sieht man diese Tiere ja kaum
       noch im öffentlichen Raum, viele sind in Fabrikhallen eingesperrt. Ich war
       vor drei Jahren in Albanien, da sieht man noch überall Ziegen, Schafe oder
       Kühe an den Straßen. Ich wollte diese Tiere auf die Bühne holen und ihnen
       auch eine Sprechposition geben.
       
       24 Sep 2026
       
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