# taz.de -- Steigende Rüstungsausgaben: Union fürchtet „Goldgräberstimmung“
       
       > Die Union sorgt sich im Bundestag um Geldverschwendung bei
       > Rüstungsausgaben. Der Verteidigungsminister verweist auf den Kapitalismus
       > als Problem.
       
 (IMG) Bild: Boris Pistorius verteidigt die Rüstungsausgaben und verweist auf das Wesen des Kapitalismus als eine Ursache der Preissteigerungen
       
       Die historisch hohen Rüstungsausgaben in Deutschland nähren auch in der
       Union Zweifel am sinnvollen Einsatz dieses Geldes. Bei der Befragung von
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Bundestag äußerte der
       Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verteidigung in der Unionsfraktion, Thomas
       Erndl (CSU), die Sorge, dass der Bund Rüstungsgüter zu „überteuerten
       Preisen“ einkaufe. „Wenn wir so viel Geld über den Haushalt bereitstellen,
       [1][dann entsteht vielleicht eine Art Goldgräberstimmung] in der
       Verteidigungsindustrie“, sagte Erndl an Pistorius gewandt.
       
       In den kommenden Wochen berät der Bundestag über den Verteidigungsetat für
       2027. [2][Der Entwurf sieht für das kommende Jahr] Ausgaben von etwa 140
       Milliarden Euro vor. Davon sollen knapp 110 Milliarden Euro aus dem
       Kernhaushalt stammen, hinzu kommen 25 Milliarden Euro aus dem 2022
       geschaffenen Sonderschuldentopf für die Bundeswehr. Damit sollen die
       Verteidigungsausgaben [3][von etwa 108 Milliarden Euro aus dem laufenden
       Jahr] noch einmal um 30 Prozent steigen.
       
       „Mit welchen Mitteln stellen wir sicher, dass wir nicht zu überhöhten
       Preisen einkaufen und letztendlich das Geld nicht effizient ausgeben?“,
       wollte Erndl in diesem Kontext von Pistorius wissen. In seiner Antwort
       räumte der Verteidigungsminister ein, mit Preissteigerungen bei den
       Rüstungsausgaben konfrontiert zu sein – wie er damit umgehen will, ließ er
       offen.
       
       Pistorius hatte im vergangenen Jahr selbst von Goldgräberstimmung
       gesprochen. „Sie wissen, dass es verschiedene Ursachen für diese
       Preissteigerungen gibt“, sagte er nun im Bundestag. „Die eine ist die, die
       dem Wesen des Kapitalismus innewohnt.“ Es gebe eine weltweit gestiegene
       Nachfrage nach Rüstungsgütern, die sich auf die Preise auswirke, so der
       Minister. Ein anderer Grund liege in dem „noch nicht im vollen Tempo
       laufenden“ Ausbau der Produktionskapazitäten.
       
       ## Kontrolle mit Lücken
       
       Braucht es also weltweit nur eine noch größere Waffenproduktion, um die
       Preise zu drücken? Diesen Gedanken führte der Verteidigungsminister nicht
       weiter aus. Er sprach stattdessen davon, dass es in seinem Haus stetige
       Kontrollen gebe, um zu verhindern, dass Hersteller etwa durch Verzögerungen
       in der Lieferkette die Preise nach oben treiben. Außerdem arbeite man mit
       dem Parlament und dem Verteidigungsausschuss eng zusammen, um auch so eine
       Kontrolle zu ermöglichen.
       
       In der Vergangenheit hatten sich jedoch die Haushälter im Bundestag immer
       wieder deutlich darüber beschwert, [4][dass die Preissteigerungen bei den
       Beschaffungsprojekten kaum noch nachvollziehbar seien.] Ein prominentes
       Beispiel waren hierfür zuletzt Tankcontainer, die auch für die Aufstellung
       der neuen Bundeswehr-Brigade in Litauen gebraucht werden: Hier hatte sich
       der Anschaffungspreis offenbar ohne Grund von 142.000 Euro auf 291.000 Euro
       pro Stück aufs Doppelte verteuert. Gebraucht wurden laut Bundeswehr etwa
       1.000 dieser Container – bis der Haushaltsausschuss wegen der
       Kostenexplosion auf die Bremse trat.
       
       Doch nicht immer läuft es so: [5][Laut jüngsten Recherchen des ARD-Magazins
       „Kontraste“] kaufte die Bundeswehr in der Vergangenheit 35 Löschfahrzeuge
       für den Einsatz auf Flughäfen. Trotz der hohen bestellten Stückzahl sei der
       Kaufpreis pro Fahrzeug um etwa 800.000 Euro höher gewesen als bei ähnlichen
       Fahrzeugen desselben Herstellers für zivile Flughäfen. Der Linken-Politiker
       Ulrich Thoden wollte von Pistorius wissen, wie in diesem Fall die
       Preissteigerungen zustande gekommen seien – der Verteidigungsminister
       versprach, die Antwort nachzuliefern.
       
       23 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ruestungsunternehmen-auf-der-ILA/!6186806
 (DIR) [2] https://table.media/assets/documents/brh-bericht_nach__88_absatz_2_bho_-_information_uber_die_entwicklung_des_einzelplans_14__bundesministerium_der_verteidigung__fur_die_beratungen_zum_bundeshaushalt_2027.pdf
 (DIR) [3] /Verteidigungshaushalt/!6132766
 (DIR) [4] /Bundeswehr-auf-Shoppingtour/!6187396
 (DIR) [5] https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/20260917_2145/ruestungsrausch-kauft-deutschland-zu-teuer-ein.html
       
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