# taz.de -- Proteste von „Rheinmetall entwaffnen“: Kampfansage an den „deutschen Imperialismus“
       
       > In Köln und Hamburg wollen sich Aktivist:innen Aufrüstung und Krieg
       > widersetzen. Letztes Jahr ging die Polizei rechtswidrig gegen die
       > Proteste vor.
       
 (IMG) Bild: „Rheinmetall entwaffnen“: Auch in Berlin kam es 2025 zu Protesten gegen den Rüstungskonzern
       
       Mit zwei Massenaktionen will das linke antimilitaristische Bündnis
       „Rheinmetall entwaffnen“ im September gegen die Aufrüstung in Deutschland
       und weltweit protestieren. Kommende Woche, vom 1. bis zum 6. September,
       [1][veranstaltet das Bündnis in Köln ein Protestcamp im Inneren Grüngürtel
       am Fuß des Fernsehturms]. Vom 24. bis zum 26. September wollen die
       Aktivist:innen sich dann in Hamburg dem Nato-Übungsmanöver „Red Storm
       Charly“ widersetzen.
       
       Seit einiger Zeit schon steht Rheinmetall im Fokus linker
       Aktivist:innen – weil der Konzern zu den größten Profiteur:innen
       der sogenannten „Zeitenwende“ gehört sowie wegen Vorwürfen, Waffen des
       Unternehmens würden auch von der israelischen Armee in Gaza eingesetzt.
       Bereits am Freitag blockierten Aktivist:innen der Gruppe „Peacefully
       Against Genocide“ das Rheinmetall-Werk in Bonn. Die Gruppe ist von
       ehemaligen Aktivist:innen der Letzten Generation gegründet worden und
       blockiert regelmäßig Rheinmetall-Standorte, [2][zuletzt etwa immer wieder
       ein neues Rheinmetall-Werk in Berlin].
       
       Kommende Woche wird es dem Protestbündnis „Rheinmetall entwaffnen“ noch
       einmal grundsätzlicher um die neue deutsche Militärstärke gehen. Sprecher
       Luca Hirsch sprach gegenüber der taz von einem „neuen deutschen
       Imperialismus“, gegen den Widerstand zu leisten sei. Er verwies dabei auf
       Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr solle die
       [3][„stärkste konventionelle Armee Europas“] werden.
       
       Das sei nicht mehr mit dem Argument der Verteidigungsfähigkeit gegenüber
       Russland zu erklären, so Hirsch: „Offensichtlich will man strukturell
       angriffsfähig sein, um auf dem globalen Schachbrett mitzumischen.“
       
       ## Blockaden, Banner, Sabotage
       
       Auf dem Camp selbst sind zahlreiche Workshops geplant, in denen [4][etwa
       über Kriegsdienstverweigerung] informiert werden soll. Zum Campauftakt, dem
       Antikriegstag am kommenden Dienstag, findet in Köln zudem eine gemeinsame
       Demonstration mit lokalen Gruppen statt. Über den Verlauf der Woche ist
       dann mit dezentralen Aktionen des zivilen Ungehorsam gegen militärische
       Orte in der Umgebung zu rechnen – also etwa mit Blockaden, Banneraktionen
       oder auch Sabotage. Am 6. September ist eine große Abschlussdemo geplant.
       
       Bereits vergangenes Jahr fand das Camp in Köln statt. Die Rückkehr hat für
       die Aktivist:innen zum einen wohl praktische Gründe: Rund um Köln haben
       zahlreiche Waffenkonzerne ihre Sitze. [5][Neben Rheinmetall] selbst, das
       den Hauptsitz in Düsseldorf hat, ist da zum Beispiel das Unternehmen
       Dynamit Nobel Defence in Burbach, das einem israelischen Waffenkonzern
       gehört und Panzerfäuste herstellt. Zudem hat das Verteidigungsministerium
       einen seiner Hauptsitze im benachbarten Bonn. Auch mehrere Kasernen
       befinden sich in der Umgebung.
       
       Die Rückkehr nach Köln ist aber wohl auch als Seitenhieb in Richtung
       Polizei zu verstehen, die das Camp vergangenes Jahr zunächst verbieten
       wollte – [6][damit aber vor Gericht scheiterte]. Auf der Abschlussdemo
       [7][kesselten die Beamt:innen dann hunderte Demonstrierende auf brutale
       Weise ein und hielten sie bis zu 12 Stunden lang fest]. Die Rede war im
       Anschluss von über 100 verletzten Demonstrierenden. Gegen das Vorgehen ist
       aktuell noch eine Klage am Kölner Verwaltungsgericht anhängig.
       
       In Verfahren gegen einzelne Aktivist:innen wurde das polizeiliche
       Handeln bereits als rechtswidrig eingeschätzt, sagte Rechtsanwältin Anna
       Busl zur taz. Der taz liegt ein entsprechendes Urteil vom Amtsgericht Köln
       vor. In diesem wird bemängelt, dass die Beamt:innen bereits gegen 20 Uhr
       Dixie-Klos und Wasser heranschafften, um sich auf einen langen Kessel
       vorzubereiten.
       
       ## Erst das Klo, dann die Genehmigung
       
       Den richterlichen Notdienst zur juristischen Absegnung der Maßnahme habe
       die Polizei aber erst viel später zu erreichen versucht; zu einem
       Zeitpunkt, von dem die Polizist:innen laut dem Gericht wussten, dass
       die Stelle nicht mehr besetzt war. Dieses Jahr gab es noch keine Versuche,
       das Camp zu verbieten.
       
       In Hamburg ein paar Wochen später soll dann ein Übungsmanöver der
       Bundeswehr gestört werden, mit dem eine großangelegte Truppenverlegung an
       die Nato-Ostflanke geprobt werden soll – unter Beteiligung von
       Organisationen wie Polizei und THW, aber auch von Krankenhäusern und
       privaten Unternehmen. Bereits im September vergangenen Jahres hatte [8][das
       kleinere Manöver „Red Storm Bravo“] in Hamburg für Diskussionen gesorgt.
       
       Man sehe in dem Manöver eine „riesige Propagandashow“, kritisiert
       „Rheinmetall entwaffnen“-Sprecher Hirsch. Einem großen Teil der Bevölkerung
       machten solche Kriegsvorbereitungen Sorgen. Dass eine [9][Abschreckung
       Russlands auch notwendig ist], bezweifelt er: „Russland ist eine Atommacht.
       Es gibt kein Szenario, in dem eine deutsche Aufrüstung das Kriegsrisiko
       senkt“, sagt er. Stattdessen führe die Aufrüstung nur zu Kürzungspolitik
       und der Aufgabe von Klimazielen. Man wolle deshalb in Hamburg zeigen, „dass
       die Stadt kriegsuntauglich ist“, sagt der Aktivist.
       
       29 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org/post/2026/05/28/rheinmetall-entwaffnen-aufruf-2026/
 (DIR) [2] /Aktionstage-gegen-Ruestungsfirma/!6194684
 (DIR) [3] /Pistorius-nennt-strategische-Grundlagen/!6172995
 (DIR) [4] /Wehrplicht-in-Deutschland/!6198846
 (DIR) [5] /Rheinmetall/!t5019279
 (DIR) [6] /Entscheidung-des-Oberverwaltungsgerichts/!6106352
 (DIR) [7] /Gewalt-bei-Demo-gegen-Aufruestung-in-Koeln/!6110832
 (DIR) [8] /Nato-Manoever-in-Hamburg/!6111676
 (DIR) [9] /Streitgespraech-ueber-Aufruestung/!6190054
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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