# taz.de -- Schule unter Rechten: Das Klassenzimmer im Dienste des Kulturkampfes
> Wie geht es in Sachsen-Anhalt bildungspolitisch weiter? Es lohnt ein
> Blick nach Spanien, in die Regionen, wo die rechtsextreme Vox mitregiert.
(IMG) Bild: Grundschulkinder in der Provinz Valencia – die Partei Vox greift direkt in den Schulalltag der Kinder ein
Bildung ist in Spanien Ländersache, also der autonomen Regionen. 17 hat
Spanien. In 4 davon regiert die rechtsextreme Vox als Juniorpartner in
Koalition mit der rechten Partido Popular (PP). Und in Valencia
unterstützen die Neofranquisten die Minderheitsregierung der PP. Das hat
seinen Preis. Vox nutzt diese Stellung für ihren Kampf um kulturelle
Hegemonie. Was wäre da besser geeignet als die Bildungspolitik?
Allen voran geht es gegen Migranten und vor allem gegen islamische
Migranten. Wo Vox mitregiert, wird es künftig nur nicht spezielle Menüs für
„Schüler mit einem ärztlichen Attest über die Unverträglichkeit spezieller
Lebensmittel“ bei der Schulspeisung geben, so ein Erlass aus Valencia, der
so ähnlich auch in den anderen Regionen beschlossen wurde. Das heißt ganz
konkret, [1][ein Mittagstisch halal] ist für muslimische Schüler und
Schülerinnen nicht mehr auf dem Speiseplan. Wenn die Familien damit ein
Problem haben, hilft nur noch der Griff zur Tupperdose.
Doch damit nicht genug. Dort, wo seit Jahren vor allem für
marokkanischstämmige Schüler und Schülerinnen Arabischunterricht sowie
Klassen über die Kultur des Herkunftslands erteilt wird, hat Vox
durchgesetzt, dass diese Klassen gestrichen werden. Der Unterricht basierte
auf einem Abkommen zwischen Spanien und Marokko. Die marokkanische
Regierung übernahm die Kosten für die LehrerInnen und die Schulen stellten
– außerhalb der normalen Unterrichtszeiten – Räumlichkeiten zur Verfügung.
Das ist nun Geschichte. Wo das Programm weitergeht, müssen andere Räume
außerhalb öffentlicher Einrichtungen gefunden werden.
„Es geht darum, eine Bildung anzubieten, die es ihnen erlaubt, ihre
Identität zu wahren, ihre Kultur zu leben und gleichzeitig die des
Aufnahmelandes zu respektieren und Vertrauen in sich selbst und ihre
Zukunft zu haben“, heißt es im [2][Abkommen Spaniens mit Marokko]. Und
genau das ist der extremen Rechten, die von der „Remigration“ von bis zu 8
Millionen Menschen träumt, ein Dorn im Auge.
Tausende SchülerInnen sind vom Ende dieses Programms betroffen. 5 Regionen
haben den Arabischunterricht mittlerweile gestrichen, darunter auch die
Hauptstadtregion Madrid, wo die PP mit absoluter Mehrheit regiert und
versucht, Vox Wählerstimmen abzujagen, indem sie die Ideologie der
Rechtsextremen übernimmt. Die Begründung dort: es lasse sich nicht
überprüfen, was den Kindern beigebracht werde.
## Eltern-PIN
Kontrolle über die Inhalte, auch hier setzt Vox an. Bevor sie mitregierte,
forderte sie einen sogenannten „Eltern-PIN“. So nannte die Partei ihr
Ansinnen, den Familien das Recht einzuräumen, ihre Kinder aus dem
Unterricht zu nehmen, wenn dort Themen wie Gleichstellung oder Toleranz
gegenüber sexuellen Minderheiten oder die Aufarbeitung des Faschismus auf
dem Programm standen.
Jetzt gehen die Neofranquisten einen Schritt weiter. Sie wollen in Valencia
den Unterricht in der Regionalsprache einschränken und haben die
„ideologische Neutralität“ in einer geplanten Bildungsreform
festgeschrieben. Im Unterricht und in außerschulischen Veranstaltungen soll
die Schulleitung überwachen, was dort zur Sprache kommt, um die
„Indoktrinierung der Kinder“ zu verhindern. Die Schulbehörde soll das Recht
haben, Inspektoren in den Unterricht zu schicken und Kinder und Lehrer zu
befragen. Es können dann „Sofortmaßnahmen“ ergriffen und
Disziplinarverfahren eröffnet werden.
„Dieses Gesetz pervertiert eindeutig den Geist dessen, was eine
Schulaufsicht sein soll“, protestiert die [3][Gewerkschaft STEPV], die im
valencianischen Bildungswesen die Mehrheit stellt, in einer schriftlichen
Erklärung. Das würde Lehrfreiheit verletzen und zu einer „Hexenjagd“
führen. Die Schulaufsicht, die eigentlich die Schulleitung unterstützen
soll, werde zur „unterdrückenden und zensierenden Instanz“.
STEPV beklagt, dass der Gesetzestext von ideologischer Neutralität spreche,
ohne zu erklären, was damit gemeint ist. „Das bedeutet, dass alles, was der
valencianischen Regierung missfällt, unter den Verdacht geraten kann, gegen
diese vermeintliche ideologische Neutralität zu verstoßen“, so die
Gewerkschaft. Die Themenliste der Kampagne zur „Eltern-PIN“ lässt Schlimmes
vermuten. „Es ist durchaus möglich, dass selbst Unterricht über die Gründe
des Klimawandels als Indoktrinierung angesehen wird“, befürchtet STEPV.
23 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/halal-essen-wann-ist-ein-produkt-halal-12283
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Marokkanisch-spanische_Beziehungen
(DIR) [3] https://www.developmentaid.org/organizations/view/460709/stepv-intersindical-valenciana
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Bildungspolitik
(DIR) VOX
(DIR) Spanien
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ceuta-Krise: Spanische Regierung gibt Dokumente frei
Sicherheitsbehörden warnten wohl vor einem Ansturm auf die Exklave Ceuta.
Die spanische Regierung und Opposition interpretieren dies verschieden.
(DIR) Rechte Netzwerke: Die internationale Rechte trifft sich in Chile
Beim Foro Madrid in Santiago beschwören die Rechten Kast, Milei und Co eine
neue Ära – währenddessen bröckelt in Chile die Unterstützung für Kast.
(DIR) Ansturm auf Ceuta: Spaniens Regierungschef Sánchez bleibt Antworten schuldig
Der spanische Ministerpräsident hat sich den Fragen der Opposition zum
Ansturm auf Ceuta im Juli gestellt. Die rechten Parteien trieben den
Sozialisten dabei vor sich her.