# taz.de -- Rechte Netzwerke: Die internationale Rechte trifft sich in Chile
       
       > Beim Foro Madrid in Santiago beschwören die Rechten Kast, Milei und Co
       > eine neue Ära – währenddessen bröckelt in Chile die Unterstützung für
       > Kast.
       
 (IMG) Bild: Chiles Präsident José Antonio Kast bei seiner Begrüßungsrede zum Foro Madrid am 3. September
       
       „Chile ist ein großes Land, eine Nation offener Türen, die den Dialog sucht
       und zeigt, wie eine erfolgreiche Nation zum Leuchtturm für andere werden
       kann.“ Mit diesen Worten schloss José Antonio Kast in der Hauptstadt
       Santiago das Foro Madrid. Ein Treffen, dessen Teilnehmer:innen genau
       das Gegenteil von Dialog propagieren. [1][Der argentinische Präsident
       Javier Milei] sprach von einer „globalen Schlacht zwischen Gut und Böse“.
       
       Organisiert wird das Treffen von der Fundación Disenso, einer Stiftung, die
       überwiegend von der [2][rechtsextremen spanischen Partei Vox] finanziert
       wird. Kast gehörte 2020 zu den ersten Unterzeichner:innen der
       sogenannten Carta de Madrid. Es handelt sich um eine Art Gründungsmanifest,
       in dem der „Vormarsch des Kommunismus“ als Bedrohung deklariert wird. Das
       Foro Madrid soll ein rechtsextremer Gegenentwurf zum linken Foro de São
       Paulo und der Grupo de Puebla darstellen.
       
       Das Motto des Treffens: „Eine neue Ära für Iberoamerika“. Mit Iberoamerika
       sind die iberische Halbinsel und die lateinamerikanischen Länder gemeint.
       Iberoamerika sei „der Kontinent der Hoffnung, die mit dem Aufstieg Javier
       Mileis begann“, sagte der Generalsekretär der Vox Partei, Ignacio Garriga,
       bei der Eröffnung des Treffens. Der Vox-Politiker José María Figaredo hatte
       in der Vergangenheit zur „Jagd“ auf Migrant:innen in der spanischen
       Exklave Ceuta aufgerufen. Nun spricht er in einem Panel gemeinsam mit der
       österreichischen FPÖ-Politikerin Barbara Kolm über „verarmenden
       Sozialismus“ und „regulatorischen Globalismus“.
       
       Milei begrüßte Kast als „mi amigo“ und lobte Chile als Vorbild, während er
       gleichzeitig den Militärputsch von Augusto Pinochet rechtfertigte. Nach dem
       „Sturz des Kommunisten Allende“ habe Chile vierzig Jahre Stabilität erlebt,
       bevor es „in die Farce des Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ verfallen sei.
       Den sozialen Aufstand von 2019 bezeichnete er als „Welle linker Gewalt“ und
       nannte als Grund dafür, dass die Rechte in Chile den „Kampf der Ideen“
       vernachlässigt habe.
       
       ## Eine Warnung an sich selbst
       
       Der Termin des Treffens ist kein Zufall. Er fällt auf den Jahrestag des
       Verfassungsreferendums vom 4. September 2022, bei dem sich die
       Chilen:innen gegen einen progressiven Verfassungsentwurf entschieden.
       Die Redner:innen des Foro de Madrid feiern das Ergebnis. Bei einem Panel
       mit dem Titel „Der chilenische Wendepunkt – Wiederherstellung von Freiheit
       und Souveränität“ loben Vertreter:innen verschiedener rechter Parteien
       die Verfassung aus Diktaturzeiten und sprechen sich für eine breite rechte
       Front aus, um die Rückkehr linker Ideen zu verhindern.
       
       Auch die US-amerikanische Heritage Foundation war beim Foro de Madrid durch
       ihren Präsidenten Kevin Roberts sowie die Analysten Mike González und
       Andrés Martínez-Fernández prominent vertreten. Die Stiftung entwarf das
       „Project 2025“, ein ultrarechtes Regierungsprogramm, das unter anderem die
       Macht des US-Präsidenten ausweiten, Schwangerschaftsabbrüche einschränken
       und Migration kriminalisieren soll.
       
       Kast grüßt bei seiner Abschlussrede seine alten Freund:innen, etwa die
       ungarische Fidesz-Politikerin und Orbán-Verbündete Kinga Gál und den
       Vox-Politiker Santiago Abascal. Aber er tritt nicht mehr als
       Oppositionsführer auf, sondern als Präsident mit einer schwachen Basis.
       Politiker:innen rechter Zentrumsparteien wie Evópoli und Renovación
       Nacional kritisierten ihn für seine Teilnahme am Foro de Madrid. [3][Einer
       aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Cadem zufolge sind Kasts
       Zustimmungswerte auf einen historischen Tiefpunkt von 34 Prozent gefallen.]
       
       Überschattet wird das Treffen außerdem von Vorwürfen gegen den
       Wahlkampfberater Fernando Cerimedo, der derzeit in Bolivien wegen eines
       versuchten Femizids in Untersuchungshaft sitzt und möglicherweise
       Verbindungen zu Kast pflegte und im Wahlkampf um das Verfassungsreferendum
       2022 mit Bot-Fabriken Einfluss nahm.
       
       Kasts Worte wirken fast wie eine Warnung an sich selbst: „Wenn wir die
       Dinge in diesen drei Jahren nicht richtig machen, dann könnte die Linke
       zurückkommen“.
       
       4 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sophia Boddenberg
       
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