# taz.de -- Debatte über Rapper Macklemore: Finale Schwundstufe von Protest
> Überall grassieren Texte über Ed Sheerans geskippten
> Aufwärmprogrammkünstler Macklemore. Dabei propagiert der seit Jahren
> deutlich Antisemitismus.
(IMG) Bild: Gaza-Stadt: Laut Inschrift ist Palästina die vorderste Front der arabischen Welt. Ein Mural daneben verherrlicht Macklemore
Wer das Geschwurbel von Sahra Wagenknecht und Teilen der Berliner
Linkspartei zum Thema Israel braucht, kommt an Macklemore sicher nicht
vorbei. Denn der US-Künstler ist schon seit rund 15 Jahren auf die Rolle
des Antisemiten abonniert.
Immer wieder drückt er seine tiefe Verachtung gegen Israel in Songs und
Ansagen bei Konzerten aus. Er benutzt dafür [1][klar judenfeindliche
Stereotype], wie sie bereits die Nazis in Propagandafilmen und Karikaturen
in den 1930ern verwendet haben. Darüber hat [2][mein Kollege Alexander
Diehl 2025] bereits ein kritisches Interview geführt. Alles, was zu diesem
traurigen Fall gesagt werden musste, wurde damals gesagt.
Die überbordende aktuelle Berichterstattung darüber steht jedenfalls in
keinem Verhältnis zur untergeordneten künstlerischen Bedeutung von
Macklemore und des Auslösers.
Der Weichspül-Brite Ed Sheeran kippte Macklemore aus dem Vorprogramm eines
Konzerts in den USA. Das ist, wenn man ernsthaft an die Sache herangeht,
nicht mehr als ein öder PR-Gag aus einer Stadionrock-Parallelwelt. Denn die
grauenvolle musikalische Heimsuchung, der moralische und ästhetische
Bankrott, die aus Macklemores trister Inszenierung als Rapper dringen,
haben [3][mit HipHop als glaubwürdiger Protestmusik] nichts zu tun.
Macklemores tendenziöse Haltung ist nur das Symbol für eine ganz andere,
weit schlimmere Krise: die der US-Linken. Die hat es auch in der zweiten
Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident bisher nicht vermocht, das Land
auch nur halbwegs zu organisieren und im täglichen, auch zermürbenden
Widerstand gegen den erratischen Staatenlenker und seine Fremdenpolizei ICE
zu einen.
Wo sind die erinnerungswürdigen Aktionen, die großen Tourneen gegen Trump
und die bizarre MAGA-Welt? [4][Wo bleibt die landesweite Solidarität mit
HaitianerInnen und allen anderen Migrantengruppen, die ohne Rechtslage von
ICE-Schergen festgenommen und illegal aus den USA zum Beispiel wahllos in
die Zentralafrikanische Republik ausgeschafft werden?]
Es ist fast so, als liefere der Nahostkonflikt die willkommene Ablenkung
von den hausgemachten Problemen. Dr. Freud, bitte übernehmen Sie! Wie bei
vielen anderen KünstlerInnen, so ist das „Free Palestine“ auch bei
Macklemore nur noch die finale Schwundstufe von Protest, eine folgenlose
Parole.
Nur mühsam maskiert sie die Machtlosigkeit und Resignation im eigenen Land.
Niemandem im Westjordanland geht es besser, wenn Macklemore wieder auf der
Bühne skandiert. Und niemand wird von einseitigen Texten über ihn schlauer.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/interview-deichbtand-macklemore-antisemitismus-100.html
(DIR) [2] /Antisemitismus-Experte-ueber-Rapper/!6101138
(DIR) [3] /Nahostdiskurs-und-Berliner-Wahlkampf/!6210375
(DIR) [4] https://forbiddenstories.org/the-office-of-remigration-america-first-and-its-overseas-negotiations/
## AUTOREN
(DIR) Julian Weber
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