# taz.de -- Funkloch: Weimer spricht, aber antwortet nicht
> Wolfram Weimer wird zum 3. Oktober eine Rede halten. Republikanischer
> wäre, er ließe sich herab, Rechenschaft über seine kruden Äußerungen
> abzulegen.
(IMG) Bild: Wolfram Weimer ist ein Mann des Wortes, aus Sicht seiner Kritiker*innen sind das meistens die Falschen
In Bad Homburg vor der Höh’ steigt die Spannung. Kultur- und
Medienstaatsminister Wolfram Weimer wird hier zur nächsten Festrede
erwartet. Er spricht am 3. Oktober beim [1][Festakt zum Tag der Deutschen
Einheit]. Das Thema lässt Schlimmes erwarten, es lautet „Denk ich an
Deutschland“.
Was wird er wohl diesmal als Denkanstoß liefern, nachdem er bei der letzten
Festrede bei der [2][Konrad-Adenauer-Stiftung] die Privatisierung des ZDF
und die Zerschlagung der ARD forderte? Bad Homburg war die
Lieblings-Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. Ruft der lupenreine
Demokrat Weimer hier vielleicht mal fix die Monarchie wieder aus?
Auf die Adenauer-Vorschläge zu den „Restmedien für Rentner“, so Weimers
liebevolle Umschreibung für ARD und ZDF, lässt sich der
Medienstaatsminister gerade nicht so gerne ansprechen. Die waren für ein
internes Publikum, basta, heißt es aus dem Büro des [3][Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).]
Wir fassen mal zusammen. Da hält ein Mitglied der Bundesregierung mit
Kabinettsrang eine Rede mit kruden Vorschlägen zum öffentlich-rechtlichen
Rundfunk. Also einem Bereich, für den der Bund gar nicht zuständig ist und
den die AfD am liebsten sofort abschaffen würde. Jegliche Fragen dazu oder
zu den Reaktionen darauf werden nicht beantwortet, weil es eine interne
Rede war. So sieht also Transparenz und Rechenschaftspflicht à la BKM aus.
## Lob der Anstalten
An wen erinnert das doch gleich? Demnächst mehr dazu auf Weimer Social.
Bis dahin seien hier ausdrücklich die Anstalten gelobt! Großartig, wie die
komplette ARD den von Weimer zum Abschuss freigegebenen kleinen Sendern
Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk beisprang.
Das hoodiehafte „Der hat sie doch nicht alle, Digga!“ des ARD‑Vorsitzenden
Florian Hager wird noch lange in Erinnerung bleiben, genauso die ironische
Frage „Im Ernst?“ von WDR-Intendantin Katrin Vernau, das knappe
„Lächerlich!“ von SWR-Chef Kai Gniffke oder das schon leicht oktoberfestige
„Ja mei, der Weimer!“ von BR-Intendantin Katja Wildermuth.
Selbst das ZDF gab seine immerwährende medienpolitische Konzilianz auf.
„Was soll das, Herr Kulturstaatsminister? Sie sind Staatsminister für
Kultur und Medien und nicht dagegen“, so ZDF-Intendant Norbert Himmler.
## Selbstverteidigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?
Äh, stopp. War natürlich ganz anders. KeinE Intendant* hat sich öffentlich
gemeldet, nicht mal die von RB oder SR. Nur den dem ZDF untergeschobenen
Satz gibt es wirklich. Allerdings nicht aus dem Mund von Himmler, sondern
von Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.
Mit der Selbstverteidigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist es also
weiterhin nicht weit her. Aber mit seiner Schweigespirale macht auch Weimer
alles andere als Bella Figura.
Und so bekommt der bemerkenswerte Vorschlag der taz, statt des ZDF doch
einfach Weimer zu privatisieren, tieferen Sinn. Der BKM will ja nach einer
Legislatur ohnehin nicht weitermachen. Bis dahin hat er die Lizenz zum
Unruhestiften, verschiebt den Diskurs nach rechts und nach ihm die
Sintflut. Ob ihm die Rentner von Bad Homburg, die bestimmt alle noch ARD
und ZDF gucken, das danken?
21 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.erloeserkirche-badhomburg.de/media/Gemeinde/Erlodechex(776)serkirche%203%20Oktober%202026.pdf
(DIR) [2] /Weimers-Plaene-fuer-den-OeRR/!6213620
(DIR) [3] https://kulturstaatsminister.de/
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
## TAGS
(DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
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