# taz.de -- Ungleiche Vermögen in Ost und West: Ostbeauftragte für Umverteilung per Erbschaftssteuer
> Die Vermögen sind in Ostdeutschland statistisch nur halb so groß wie im
> Westen. Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser bringt die Idee des
> Grunderbes wieder ins Gespräch.
(IMG) Bild: Umverteilung zum Greifen nah, dank Elisabeth Kaiser
dpa | Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit fordert die Ostbeauftragte
Elisabeth Kaiser (SPD) eine stärkere finanzielle Umverteilung zwischen den
Bundesländern mit Hilfe der Erbschaftssteuer. Hintergrund ist [1][die sehr
ungleiche Vermögensverteilung zwischen Ost und West] und die Wahrnehmung
vieler Menschen in einer Umfrage, dass Aufstiegschancen nicht von Leistung
und Fleiß, sondern von Vermögen und Beziehungen abhängen.
„Deshalb müssen wir auch über die Erbschaftssteuer reden“, schrieb Kaiser
in der Rheinischen Post kurz vor der Vorstellung ihres Jahresberichts. „Ich
finde, wir sollten Ausnahmen und Privilegierungen bei sehr großen
Vermögensübertragungen überprüfen und dabei den föderalen Mechanismus
mitdenken. Wenn eine gerechtere Besteuerung großer Erbschaften zusätzliche
Einnahmen schafft, dürfen nicht allein die Länder davon profitieren, wo das
Erbschaftssteueraufkommen besonders hoch ist.“
## Lohnt Leistung?
Die SPD-Politikerin verwies auf die Statistik: „Das durchschnittliche
Netto-Gesamtvermögen je Haushalt lag 2023 in Ostdeutschland bei 125.500
Euro, in Westdeutschland bei 257.100 Euro. Beim Immobilienvermögen waren es
97.800 Euro gegenüber 214.500 Euro.“ Sie schloss daraus: „Unterschiedliche
Wirtschafts- und Eigentumsordnungen und die Umbrüche nach 1990 wirken bis
heute nach.“
Kaiser brachte das in Verbindung mit Umfrageergebnissen des sogenannten
Deutschland-Monitors für ihren Jahresbericht als Ostbeauftragte. Demnach
sagen 95 Prozent der Menschen, Leistung und Fleiß sollten für
gesellschaftlichen Aufstieg zählen, 91 Prozent nennen Bildung und
Ausbildung.
Doch in der Wirklichkeit gelten aus Sicht der meisten andere Maßstäbe: So
sagen 80 Prozent, tatsächlich sei Vermögen für den Aufstieg entscheidend,
genauso viele sehen Beziehungen als ausschlaggebend, 72 Prozent nennen die
soziale Herkunft. Leistung und Fleiß nennen 69 Prozent als tatsächlich
wichtige Faktoren. „26 Prozentpunkte liegen zwischen Anspruch und
wahrgenommener Wirklichkeit“, schrieb Kaiser in dem Zeitungsbeitrag.
## Kaiser: „Nicht zweimal verlieren“
Den Zusammenhang zu ihrem Vorstoß für eine [2][Umverteilung per
Erbschaftssteuer] erläuterte sie so: Länder finanzierten Schulen,
Hochschulen und Infrastruktur und schüfen so Bedingungen für
wirtschaftliche Entwicklung. „Wer wenig erbt, darf nicht zweimal verlieren:
beim privaten Vermögen und bei den öffentlichen Möglichkeiten seines
Landes“, schrieb Kaiser.
Zwischen den Bundesländern gibt es bereits einen Mechanismus zur
Umverteilung, den Länderfinanzausgleich. Dieser soll Unterschiede der
Finanzkraft annähernd ausgleichen, damit alle Länder ihren Aufgaben
nachkommen können. Finanzstarke Bundesländer tragen bei, finanzschwache
Länder profitieren. Alle ostdeutschen Länder zählen zu den Empfängern.
## Ziel: Gleiche Bildungschancen
Im ZDF-„Morgenmagazin“ ergänzte Kaiser: „Wir müssen die großen Vermögen
oder eben auch die Erbschaften stärker besteuern, damit wir letztendlich
auch da mehr Geld im System haben, damit die Ausgangsvoraussetzungen für
Chancengleichheit einfach gegeben werden können.“ Menschen erwarteten zu
Recht, dass sie durch Anstrengung, aber auch durch gute Bildung erfolgreich
sein könnten. Das brauche Voraussetzungen.
„Wenn ich dafür sorge, dass wir sozusagen die gleichen Bildungschancen
haben, dass wir gut ausgestattete Kitas und Schulen haben, dass ich dann
auch unabhängig vom Elternhaus überhaupt die Chance erst habe, eine gute
Ausbildung und Bildung zu erfahren“, sagte sie. Damit und mit einem guten
Einkommen gelinge es dann, ein Vermögen aufzubauen. Wichtig seien dafür
auch bessere Löhne in Ostdeutschland und eine starke Tarifbindung.
## Hilft ein Grunderbe?
Im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) brachte Kaiser auch erneut ein
„Grunderbe“ ins Gespräch, für das schon ihr Amtsvorgänger Carsten Schneider
geworben hatte. Nach seinem Vorschlag sollte der Staat jedem 18-Jährigen
20.000 Euro als Startkapital auszahlen. Doch folgte keine Umsetzung. Kaiser
sagte dem RND: „Ein Grunderbe, zum Beispiel, kann jungen Menschen
unabhängig vom Elternhaus eigenes Startkapital geben. Und wir müssen
darüber sprechen, wie große Erbschaften künftig gerechter besteuert
werden.“
Hier bezog sich Kaiser auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach
95 Prozent des Gesamtwerts der steuerlich berücksichtigten
Vermögensübertragungen durch Erbschaft oder Schenkung auf die westlichen
Bundesländer entfielen. Auf die ostdeutschen Bundesländer mit einem
Bevölkerungsanteil von 19 Prozent entfielen demnach nur 5 Prozent. Dies
zeige, wie unterschiedlich [3][die materiellen Ausgangsbedingungen] in Ost
und West noch immer seien, sagte Kaiser.
30 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ost-West-Gefaelle/!6191158
(DIR) [2] /Steuergerechtigkeit-Mehr-Erbschaftsteuer-Einnahmen-aber-auch-mehr-Ausnahmen/!6207411
(DIR) [3] /Arzt-ueber-Sparen-bei-der-Gesundheit/!6187307
## TAGS
(DIR) Deutsche Einheit
(DIR) Tag der Deutschen Einheit
(DIR) Bremen
(DIR) Vermögen
(DIR) Erbschaftsteuer
(DIR) GNS
(DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Tag der Deutschen Einheit: Mit Placebos gegen die fortgesetzte Teilung
Zum Einheitsfeiertag liefert die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser jede Menge
Empathie und Statistiken. Das ist verdienstvoll, auch wenn Lücken bleiben.
(DIR) Lohnlücke zwischen Ost und West: DGB fordert mehr Tarifbindung in Ostdeutschland
Jahrzehnte nach der deutschen Einheit sind Löhne im Osten immer noch
schlechter als im Westen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert ein
unzureichendes Bundesgesetz.
(DIR) Funkloch: Weimer spricht, aber antwortet nicht
Wolfram Weimer wird zum 3. Oktober eine Rede halten. Republikanischer wäre,
er ließe sich herab, Rechenschaft über seine kruden Äußerungen abzulegen.
(DIR) Anstehende Einheitsfeier in Bremen: Einheitsbrei und -feierei, für jeden ist etwas dabei
Die Bremer CDU schürt Angst vor linken Anschlägen zum 3. Oktober. Die
gibt’s wirklich, doch alle Seiten nutzen den Tag für ein bisschen
Aufmerksamkeit.