# taz.de -- Melonis Pläne für Schulen: Minderheitsverwirrung in Italien
> Italiens Regierungschefin Meloni will den Anteil ausländischer Kinder in
> Schulklassen begrenzen. Umgesehen hat sie sich an den Schulen wohl nicht.
(IMG) Bild: Wer lernt mit wem? Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will weniger Kinder mit Migrationshintergrund in Schulklassen
[1][Giorgia Meloni] zieht jetzt gegen Diskriminierung zu Felde – nämlich
gegen die angebliche Diskriminierung italienischer Kids in den Schulen des
Landes. „Es geht nicht an, dass sich in einer italienischen Klasse die
italienischen Kinder in die Ecke gedrängt sehen, weil sie zur Minderheit
geworden sind“, tönte sie am Sonntag in Rom, in ihrer Rede auf dem Fest der
Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d’Italia (FdI).
Den Worten will die postfaschistische Regierungschefin umgehend Taten
folgen lassen. Voraussichtlich am Donnerstag soll der Ministerrat ein
Gesetzesdekret verabschieden, das einen Deckel für den Anteil ausländischer
Schüler*innen in den Klassen einführt. Außerdem sollen Burkas und Niqabs
in den Schulen verboten werden. Zudem sollen die Eltern ausländischer
Kinder, die sich wegen Sprachproblemen schwer tun in der Schule, ihrerseits
zur Teilnahme an Italienischkursen verdonnert werden.
Wenigstens einen unmittelbaren Erfolg kann Meloni mit diesem
„Integrations“-Vorstoß verbuchen. Sie hatte die Aufmacher aller
TV-Nachrichtensendungen, am Montag dann die Schlagzeilen aller
Tageszeitungen für sich. Da konnte man allerdings zum Beispiel auch das
Interview mit einer Schulleiterin aus Rom lesen, an deren Schule ein hoher
Anteil der Kids ausländisch ist und aus islamischen Ländern stammt. Die
Direktorin bemerkte, „noch nie“ habe sie Schülerinnen mit Burka oder Niqab
gehabt.
Realer ist das Problem der Zusammensetzung der Klassen. Von rund 8
Millionen Schüler*innen im Land haben 930.000 Kids ausschließlich einen
ausländischen Pass. Zwei Drittel von ihnen sind allerdings in Italien
geboren und aufgewachsen, viele von ihnen sind vom Kindergarten an im
italienischen Schulsystem. Hätte Giorgia Meloni sich ernsthaft mit deren
Situation beschäftigen wollen, so hätte sie zum Beispiel die Scuola
Pisacane im stark migrantisch geprägten römischen Stadtviertel Torpignatara
besuchen können.
## Meloni schielt auf ihre Konkurrenz vom äußersten rechten Rand
Kinder aus rund 20 Nationen besuchen dort Kindergarten und Grundschule.
Über die Deckelung des Ausländeranteils redet niemand, im Gegenteil: Die
Schule ist auch bei italienischen Eltern mittlerweile hochbegehrt. Kids mit
Schwierigkeiten in Italienisch werden intensiv betreut, über alle Grenzen
hinweg ist der Schulalltag als internationales Zusammenleben organisiert,
im Zusammenspiel zwischen Lehrerkollegium und Elternverein.
Um die Stärkung solcher Realitäten geht es der rechten Regierungschefin
jedoch gar nicht. Sie hat mit Blick auf die im Jahr 2027 anstehenden Wahlen
ein ganz anderes Problem: die harte Konkurrenz, die ihrer Koalition am
rechten Rand mit der Gründung der neuen Partei [2][Futuro Nazionale (FN –
Nationale Zukunft) des Ex-Fallschirmjägergenerals Roberto Vannacci]
entstanden ist.
„Weichgespült“ sei die Meloni-Rechte, behauptet der in Europa mit der AfD
verbündete General, der zum Umgang mit Migrant*innen tagein, tagaus das
Rezept Remigration predigt. Seine erst im Februar gegründete Partei hat er
damit auf mittlerweile 8 Prozent geführt, auf Kosten vor allem der rechten
Regierungsparteien. Matteo Salvinis fremdenfeindliche Lega ist auf 5
Prozent eingebrochen, aber auch Melonis FdI, die in besseren Zeiten bei 30
Prozent lag, kommt gegenwärtig nur noch auf 25–26 Prozent.
Die Reaktionen bleiben nicht aus. Auf der jedes Jahr im September
abgehaltenen Großkundgebung [3][der Lega] im norditalienischen Pontida war
letzten Sonntag das Motto: „Non passa lo straniero“, „Der Ausländer kommt
nicht durch“, eine Zeile aus einem Soldatenlied des Ersten Weltkriegs.
Da kann Meloni mit ihrem Kampf für die angeblich in die Ecke gedrängten
italienischen Schüler*innen nicht fehlen. Kein einziges Wort hatte sie
in ihrer Rede jedoch für einen Vorfall, der letzte Woche Italien
erschütterte. Da hatte ein uritalienischer 13-Jähriger, der sich in
gewaltverherrlichenden suprematistischen Webforen herumtrieb, im
Klassenraum seine Lehrerin mit einem Messer attackiert. Gerettet wurde sie
durch einen kongolesischen Klassenkameraden des Täters.
21 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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