# taz.de -- Absichtserklärung für ZLB am Alex: Vielleicht einen Schritt weiter
> Das Land Berlin und die Commerz Real haben eine Absichtserklärung
> unterzeichnet, die beiden Standorte der ZLB im Kaufhof am Alex
> zusammenzuführen.
(IMG) Bild: Ein Standort der Zentral- und Landesbibliothek Berlin: die Amerika-Gedenkbibliothek macht Eigenwerbung bezüglich Publikumszahlen
Ist das ein cleverer Schachzug, um kurz vor dem Ende der am Sonntag
abgewählten schwarz-roten Koalition Fakten zu schaffen? Oder nur eine
Luftnummer? Ende letzter Woche haben das Land Berlin und die Commerz Real
eine gemeinsame Absichtserklärung – einen sogenannten Letter of Intent –
„zur möglichen Zusammenführung der beiden Standorte der Zentral- und
Landesbibliothek Berlin (ZLB) am Alexanderplatz“ unterzeichnet.
Mit der Erklärung erhalten „beide Seiten ausreichend Zeit für die weiteren
Verhandlungen über die für die ZLB vorgesehenen Flächen im Bestandsgebäude
Alexanderplatz 9“, wo sich Galeria Kaufhof und das in den Himmel gewachsene
Bürohochhaus befinden. Die Commerz Real ist Eigentümerin des Gebäudes und
Immobilientochter der Commerzbank-Gruppe.
Es gab in den letzten Monaten zwei [1][Rücktritte] von
Kultursenator:innen und [2][immer wieder Zweifel an den Plänen des
Senats]. Offiziell hielt dieser jedoch an der Hoffnung fest, dass die ZLB
eines Tages an den Alex ziehen würde. Jetzt bekennen sich beide Seiten
grundsätzlich zu einem Nutzungskonzept, „das eine Antwort auf die
kulturpolitische Herausforderung bietet, nach vielen Jahren eine
zukunftsfähige, infrastrukturelle Lösung für die ZLB zu schaffen“. Durch
die Ansiedlung wären zudem positive Effekte auf die Entwicklung des
Alexanderplatzes zu erwarten. Der Senat rechnet in der ZLB mit mehr als
einer Million Besucher:innen pro Jahr.
Die bisherigen Planungen sehen rund 42.680 Quadratmeter Nettoraumfläche für
die ZLB vor. Auf 14.220 Quadratmetern soll das Bestandsgebäude weiterhin
als Warenhaus mit Einzelhandel und Gastronomie genutzt werden.
## „Einen wichtigen Schritt näher“
An „eine langfristige Lösung“ glaubt Stefan Evers, Noch-Bürgermeister und
Kultursenator: „Die ZLB am Alexanderplatz bietet die Chance, Berlinerinnen
und Berliner an einem zentralen, hervorragend erreichbaren Ort
zusammenzuführen und zugleich dringend notwendige Impulse für den Alex in
Berlins Mitte zu setzen.“ Diesem Ziel sei man nun einen Schritt näher
gekommen.
Es geht natürlich auch ums Geld. Evers ist ja auch Noch-Finanzsenator. Das
Land Berlin würde jahrzehntelang Miete für die ZLB zahlen, es war
zwischenzeitlich schon von 20 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Naturgemäß
freut das Mario Schüttauf, Geschäftsführer der Commerz Real
Investmentgesellschaft. Ziel sei es, „den gesamten Gebäudekomplex zu einer
lebendigen Mischung aus Arbeit, Kultur und Shopping zu machen und
gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt zu
leisten“. Mit der ZLB könne das gelingen.
Die ZLB begrüßt die [3][Absichtserklärung], die „geteilten und maroden
Bibliotheksgebäude der ZLB“ an einem „zentralen, funktionalen Standort am
Alexanderplatz 9“ zusammenzuführen. „Die Absichtserklärung bringt
Hoffnung“, frohlockt Jonas Fansa, Direktor der ZLB. „So, wie es jetzt ist,
kann es mit unserer Zentral- und Landesbibliothek nicht weitergehen –
Kinder, Jugendliche und Erwachsene verdienen eine funktionierende
Bibliothek an einem zentralen Ort und mit ausreichend Platz.“
Fansa rührt die Werbetrommel: „Das Gebäude am Alexanderplatz 9 ist die
Lösung.“ Eine öffentliche Bibliothek könnte den Alex beleben. Rund 2.000
Arbeitsplätze, Aufenthaltsflächen für Familien und Kinder, Kreativräume,
ein sicherer Lernort für Jugendliche und ein Begegnungsraum für die ganze
Stadt – all das könnte hier entstehen. „Ein schöneres Projekt“, kommentiert
der ZLB-Direktor, „kann man einer neuen Regierung kaum vor die Füße legen.“
Noch im Oktober 2026 beabsichtigen der erst mal weiterarbeitende Senat
unter Federführung von Steffen Evers und die Commerz Real Verhandlungen zu
den „wesentlichen“ wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu
führen. 2030 könnte Umzug sein, so der RBB. Endgültig wird aber erst die
neue Landesregierung entscheiden. Die Grünen sprachen sich bereits für den
Vorschlag aus, auch die Linke unterstützt die Idee.
22 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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