# taz.de -- Galeria-Pleite in Berlin: Die Zeit nach dem Warenhaus
       
       > Das schleichende Ende von Galeria löst nur noch wenig Empörung aus. Die
       > Stadt bereitet sich längst auf eine Zeit danach vor – mal mehr, mal
       > weniger gut.
       
 (IMG) Bild: Soziales oder Profite? Der ehemalige Karstadt am Leopoldplatz ist schon seit zwei Jahren geschlossen
       
       Es ist wenig geblieben von der Aufregung, die die Pleite von Deutschlands
       größtem Warenhauskonzern einmal ausgelöst hat. [1][Als Galeria am Freitag
       das mittlerweile vierte Insolvenzverfahren in sechs Jahren verkündete], gab
       es kaum Reaktionen aus der Politik. 2020 sah das noch anders aus, da
       kämpften Senat und Bund noch um jede einzelne Filiale, mit
       Millionenkrediten und zweifelhaften städtebaulichen Deals.
       
       Wichtiger als die Frage, ob der dauerkriselnde Warenhauskonzern überhaupt
       noch gerettet werden kann, ist, was mit den Standorten passiert, wenn
       Galeria endgültig seine Pforten schließt. Immer noch sechs Filialen
       betreibt der aus Galeria-Kaufhof und Karstadt fusionierte Warenhauskonzern
       heute noch in Berlin.
       
       Das Musterbeispiel: Galeria am Alexanderplatz. Einst galt die Filiale als
       bundesweit zweitumsatzstärkster Standort in Deutschland hinter München.
       Doch im Zuge der Sanierung des Konzerns kündigten die neuen Eigentümer, die
       US-Investmentgesellschaft NRDC und der deutsche Unternehmer Bernd Beetz im
       Juli an, die Profitabilität von 33 der bundesweit 87 Filialen überprüfen zu
       wollen. In Berlin stand die Filiale am Alex zusammen mit den Standorten am
       Ku'damm, am Hermannplatz und in Spandau auf der Abschussliste.
       
       Bereits im April klagte die Immobilieneigentümerin Commerz Real über
       ausbleibende und unregelmäßige Mietzahlungen. Für die Immobilientochter der
       Commerzbank ist Galeria vor allem ein Risiko, das einer profitablen
       Entwicklung der Immobilie im Wege steht. Um Leerstand zu vermeiden, muss
       die Commerz Real Galeria bei den Mieten entgegenkommen.
       
       ## Schreckenszenario Leerstand
       
       Für den Bezirk hingegen wäre der Leerstand eines fünfgeschössigen
       Warenhauses an einem zentralen Ort wie dem Alexanderplatz ein
       städtebauliches Fiasko. Schließlich gilt Publikumsverkehr als wirksames
       Mittel gegen Verwahrlosung.
       
       Ein Szenario, das der Senat möglichst vermeiden möchte. Das weiß auch die
       Commerz Real und bot dem Senat an, auf den Flächen des Warenhauses die
       Zentral- und Landesbibliothek einziehen zu lassen (ZLB). [2][Laut einem am
       17. September zwischen Senat und Commerz Real unterzeichneten
       Absichterklärung soll die ZLB ab 2030 in das Gebäude des Warenhauses
       einziehen können.] Angestrebt wird, dass die Immobilie ins Eigentum des
       Landes übergeht.
       
       Auch eine mögliche Schließung der Galeria-Filiale ändert an den ZLB-Plänen
       nichts. „Wir haben uns auf ein solches Szenario vorbereitet“, sagte ein
       Commerz Real Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel.
       
       Die Entscheidung des scheidenden Senats sehen auch die Grünen positiv: „Der
       Alexanderplatz hat größere Chancen mit der ZLB. Das ist ein ganz anderer
       Magnet als das Warenhaus“, sagte stadtentwicklungspolitischer Sprecher
       Julian Schwarze zur taz.
       
       ## Geplatze Träume am Hermannplatz
       
       Anders sieht es am Hermannplatz aus. [3][Dort wollte die ehemalige
       Galeria-Eigentümerin Signa die Nachkriegsimmobilie durch einen
       monumentalen, dem Original aus den 1920er Jahren nachempfundenen
       Art-Decó-Bau ersetzen]. Doch die Signa-Pleite machte den Plänen 2024 einen
       Strich durch die Rechnung. Der Senat hält nach wie vor an den umstrittenen
       Planungen fest, doch es findet sich kein Investor, der sie umsetzen will.
       
       Die ehemalige Karstadt-Filiale dümpelt derweil vor sich hin. Die
       Verkaufsfläche wurde über die Jahre immer weiter verkleinert und durch
       Einzelhändler wie Lidl ersetzt. Einen Plan für die Zeit nach Galeria gibt
       es im Gegensatz zum Alexanderplatz nicht. Dabei gilt auch der Hermannplatz
       als sozialer Brennpunkt. Die Schließung des Warenhauses würde auch den
       übrigen Einzelhandel am Platz in Mitleidenschaft ziehen. „Warenhäuser sind
       klassisch die besten Nachbarn“, sagt Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer
       des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.
       
       „Es wäre an der Zeit, sich Konzepte für Zwischennutzungen zu überlegen“,
       schlägt Grünen-Politiker Schwarze vor. Als Vorbild nennt er die ehemalige
       Globetrotter-Filiale im Steglitzer Kreisel. Dort bespielt das
       Künstlerkollektiv „Zeit ist Knapp“ die Flächen des ehemaligen
       Outdoor-Ladens mit Rollerdisco und Kunstausstellungen. Langfristig müsse
       man sich überlegen, was an dem Standort tatsächlich gebraucht wird, sagt
       Schwarze.
       
       ## Kein Platz am Leo
       
       Wie so ein Prozess aussehen kann, zeigt sich an der ehemaligen
       Karstadt-Filiale am Leopoldplatz, die schon Anfang 2024 ihre Pforten
       schloss. Seitdem steht das Gebäude – bis auf einen Lidl im Erdgeschoss –
       leer.
       
       Ideen, was stattdessen in das Gebäude ziehen könnte, gab es schon viele.
       Der Bezirk Mitte war vor allem an Raum für soziale Angebote interessiert,
       um die Crack-Problematik auf dem Leopoldplatz in den Griff zu bekommen. Das
       „Karstadt Netzwerk Leo“, ein Bündnis aus lokalen Initiativen, fordert
       bezahlbare oder kostenlose Flächen für soziale, kulturelle und
       zivilgesellschaftliche Arbeit.
       
       Doch mit der Eigentümerin, der Versicherungskammer Bayern, ist kaum eine
       dieser Ideen umsetzbar. Nach dem aufwendigen Umbau sollen lediglich 5
       Prozent der Flächen für zivilgesellschaftliche Nutzung zur Verfügung
       gestellt werden. Der Rest ist ein Nutzungsmix aus Gewerbe, Büros,
       Einzelhandel und hochpreisigem Wohnen.
       
       ## Hoffnung Warenhaus
       
       Nils Busch-Petersen plädiert dafür, das Konzept „Warenhaus“ nicht zu früh
       totzusagen. „Es gibt weltweit erfolgreiche Warenhauskonzepte“, sagt
       Busch-Petersen, auch die Galerie-Filiale in Tegel „laufe super“. Grund für
       die Probleme Galerias sei vor allem das gedrückte Konsumklima, das noch
       unter dem Niveau von 2019 liege. „Der gesamte Handel leidet darunter“, sagt
       Busch-Petersen.
       
       Leiden müssen unterdessen auch die rund 1.200 Galeria-Beschäftigten in
       Berlin. Eine Erklärung, ob sie im Oktober ihre ohnehin schon deutlich
       niedrigeren Löhne ausgezahlt bekommen, haben sie laut Verdi von der
       Geschäftsführung noch nicht bekommen.
       
       5 Oct 2026
       
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