# taz.de -- Fußball, tanken, wählen in Deutschland: Wenn der Bundestrainer Journalismus nicht versteht
       
       > Jürgen Klopp zeigt sich enttäuscht von den Medien, die den
       > Nationalmannschaftskader leakten. Er ist nicht der Einzige, der Druck
       > ausübt.
       
 (IMG) Bild: Heilsbringer Jürgen Klopp
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: CDU-Vorsitz umstritten.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: SPD zieht nach.
       
       taz: Dieser Tage wird viel über die Zukunft des Bundeskanzlers gesprochen.
       Wie zukunftsfähig geht er an das Thema [1][der steigenden Benzinpreise
       ran?] 
       
       Küppersbusch: Wenn PolitikerInnen, mit starrem Blick auf den nächsten
       Wahltermin, sich für jeden Quatsch bezuständigen, hie Linderung, da
       Maßnahme und überall Wirken verheißen, dann doch lieber gleich „Damit das
       Wetter wieder deutsch wird – CDU“. Okay, Wetter, schlechtes Thema, sehen
       viele eher bei den Grünen und andere bei den rechten Klimaleugnern.
       Jedenfalls muss die Politik sich nicht wundern, Schuld an allem Scheiß zu
       sein, wenn sie überall rumtrötet, sie könne da was. Den Spritpreis macht
       der Rohstoff, der Krieg, die Lieferkette, die Habgier der Händler unterwegs
       und langfristig kommen noch seine Umweltkosten obendrauf. Die Politik kann
       da extrem wenig, und dann gern auch noch das Falsche, und tut sie es doch,
       befördert sie den Politikverdruss und entlastet: den Krieg, die Händler,
       die Profiteure.
       
       taz: [2][Jürgen Klopp] hat den Kader für die deutsche
       Fußballnationalmannschaft der Männer vorgestellt. Führt jetzt noch ein Weg
       daran vorbei, dass er auch das Amt des Bundespräsidenten übernimmt? 
       
       Küppersbusch: Klopp findet „es arm, seinen Lebensunterhalt damit zu
       verdienen, Dinge früher rauszuhauen“, und mahnt die so geschmähten
       JournalistInnen, „es geht nun auch um euch, wie Ihr damit umgeht“. An
       dieser vordemokratischen Idee von freien Medien scheiterte schon
       Bundespräsident Horst Köhler. Und Klopps notorische Anmaßung, Medien hätten
       gefälligst seinen Zwecken zu dienen, zeigt, dass er im autoritär tickenden
       Fußballgeschäft gut aufgehoben ist. Sein Ziel, „die Fahne zurückzuholen“,
       „Nationalstolz nicht den falschen Leuten zu überlassen“ oder lieber gleich
       von „positivem Patriotismus“ zu sprechen, klingt ehrenwert. Und
       offensichtlich ist die schöne Zeit vorbei, in der man vaterländischen
       Taumel im Stadion sicherheitsverwahren konnte. Fußball hat einst geholfen,
       dieses Land zu mögen. Umgekehrt ist giftig. Der Schiri läuft zur
       Review-Zone und guckt, ob zwischen tollem Sport und dem Erfolg
       Nationalisten im Abseits stehen.
       
       taz: RTL streicht 500 Stellen. Befinden sich die privaten Medien „mit dem
       Rücken an der Wand“ im Duopol zwischen Big Tech und Öffentlich-Rechtlichen,
       wie [3][Wolfram Weimer] in einer internen Konferenz vergangene Woche im
       Konrad-Adenauer-Haus sagte? 
       
       Küppersbusch: Medien sind Ländersache, und wenn jemand keine Ahnung hat von
       einem Thema, das ihn auch nichts angeht, schnippt zuverlässig Weimer mit
       den Fingern. RTL hat voriges Jahr schonmal 600 Stellen gestrichen, die
       Berlusconi-Gruppe Pro7/Sat1 430, und außer Wolfram Weimer kenne ich
       niemanden, der glaubt, junge Leute, Streaming-Nutzer, digital natives –
       würden plötzlich mit der Omi „Sommerhaus der Stars“ gucken, wenn er einfach
       die anderen Programme abschafft. Lineares Fernsehen insgesamt ist
       Sterbebegleitung in Pixeln. Spätestens morgen werden nur noch
       Öffentlich-Rechtliche Nachrichten, Regionales, ein paar teure
       Lagerfeuer-Produktionen zeigen können, weil sich das kommerziell noch nie
       rentiert hat und nie mehr wird. Relevant sind heute Streamer und auf allen
       Kanälen distribuierte Inhalte, und davon sind RTL und Pro7 noch einen Hauch
       weiter entfernt als ARD und ZDF eh schon. Wollte Weimer etwas Kluges sagen,
       das die ÖRR auch massiv nerven würde, forderte er eine gemeinsame Mediathek
       öffentlicher und kommerzieller Anbieter. Keine Angst, macht er nicht, dafür
       wäre er nämlich zuständig.
       
       taz: Der „Monat der Demokratie“ geht langsam zu Ende. Und die Demokratien
       auch langsam? 
       
       Küppersbusch: Je nach Strenge der Untersuchung werden mal 80, mal auch nur
       noch gute 20 Staaten als „volle Demokratien“ einsortiert. Mit dem Ende des
       „Ostblocks“ in den 90ern begann ein „Demokratisierungsfrühling“, seit den
       2010ern mehren sich „Autokratisierungstendenzen“. Übrigens finden die
       Studien mehr „freie Marktwirtschaften“ als „volle Demokratien“. Vulgo: Alle
       Demokratien sind Marktwirtschaften, längst nicht alle Marktwirtschaften
       demokratisch. Keine Ahnung, ob Demokratie ohne Marktwirtschaft ginge. Oder
       wer die Studien finanziert hat. Das ist nun mal Marktwirtschaft.
       
       taz: Vom kanadischen Premierminister Carney ist der Satz überliefert, dass
       „middle powers“, die sich vom Verhandlungstisch fernhielten, am Ende auf
       der Speisekarte landeten. Hat sein Aufenthalt in Brüssel diesen Spruch
       konkreter gemacht? 
       
       Küppersbusch: Die EU führt derzeit 19 teils sehr unterschiedliche
       Assoziierungsabkommen von Ukraine bis, neuer Vorschlag, Kanada. Da sind
       auch Chile, Nordmazedonien und Ägypten dabei. Kanada finde ich schon mit am
       nettesten. Wennʼs eh schon egal ist, wer noch mitmacht.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Um diese Frage kompetent beantworten zu können, schicke ich
       jetzt die Kolumne zur taz und gucke dann das Spiel.
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und arbeitet in Köln.
       Klingt paradox.
       
       Fragen: waam, alec
       
       20 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neuer-Tankrabatt/!6214691
 (DIR) [2] /Juergen-Klopp/!t5008265
 (DIR) [3] /Weimers-Plaene-fuer-den-OeRR/!6213620
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Jürgen Klopp
 (DIR) GNS
 (DIR) Friedrich Merz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlen, SPD, KI, Raketen: Wär doch cool, wenn Deutschland Demokratie könnte
       
       Union und SPD sollten mal eigene Inhalte haben, um geil rüberzukommen. Und
       die KI wird uns nicht töten, solange sie uns als Stromsklaven braucht.
       
 (DIR) Jens Spahn, BSW, AfD, J.D. Vance: Der Trost, dass die Union niemand Besseren findet als Spahn
       
       Nach dem Leihmutterschaftsskandal kehrt Jens Spahn zurück – in den
       Haushaltsausschuss. Und der US-Vizepräsident hat kein Problem mit der
       Apokalypse.
       
 (DIR) Mieten, Kabinettsklausur, Social Media: Ein Nietendeckel tut's auch
       
       Die Bauministerin mag Mietendeckel nicht, Merz träumt von KI-Deutschland
       und Migrant:innen streiken in Magdeburg. Und Meta soll Milliarden
       zahlen.