# taz.de -- Jens Spahn, BSW, AfD, J.D. Vance: Der Trost, dass die Union niemand Besseren findet als Spahn
> Nach dem Leihmutterschaftsskandal kehrt Jens Spahn zurück – in den
> Haushaltsausschuss. Und der US-Vizepräsident hat kein Problem mit der
> Apokalypse.
(IMG) Bild: Für Jens Spahn führt der Weg wieder nach oben
Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?
Friedrich Küppersbusch: Ein Gefühl der Ohnmacht.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Jetzt können wir damit umgehen.
taz: Jens Spahns politische Karriere ist nach der Leihmutterschaftsdebatte
doch nicht vorbei: Er soll jetzt Mitglied des Haushaltsausschusses werden.
Ist Spahn der Richtige, um mit Steuergeldern umzugehen?
Küppersbusch: Fast will man getröstet sein, dass die Springer-Union-Fronde,
die für schwarzbraune Koalitionen agitiert, immer wieder keinen seriöseren
Kandidaten findet als Den-kann-man-sich-Spahn. Künftig wird er also im
Haushaltsausschuss nicht nur als geladener Zeuge sein Masken-Fiasko
vernebeln. Sondern als ordentliches Mitglied Spahn die Darlegungen des
heftig belasteten Zeugen Spahn überzeugend finden. Da geht es um mindestens
2,3 Mrd. Euro Streitsumme, neben seinen privaten, eher akrobatischen
Einlagen im Bereich Immobilienfinanzierung. Hätte man den ungeeignetesten
Haushälter gesucht, wäre Spahn eine Top-3-Position sicher. Spahn vermag
nicht mehr zu enttäuschen und abstoßender muss man die namenlosen
Parteifreunde finden, die sehr klar sagen, was sie vom Wählerpack halten,
wenn sie ihn immer wieder promoten.
taz: In Thüringen löst sich das BSW weiter auf, nachdem Parteichefin
Wagenknecht angekündigt hatte, das BSW werde den AfD-Spitzenkandidaten in
Sachsen-Anhalt, [1][Ulrich Siegmund], im dritten Wahlgang nicht daran
hindern, Ministerpräsident zu werden. Gründet sich jetzt endgültig die
AFDBSW?
Küppersbusch: Diese Trümmertruppe kann sich gleich in „Sahrology“
umbenennen, oder in „die Wüste Sahara“. Historischer Nebenwiderspruch: Die
Nazis bekamen die Macht 1933, weil die bürgerliche Mitte – Zentrum, Bayern,
Staatspartei, weitere – sie ihnen auslieferten. Hochleistungsspinner links
und rechts, die sich schnell auf die Zerstörung der Demokratie einigen
konnten, gab’s damals wie heute. Nützliche Idioten beim allgemeinen
Versagen der staatstragenden Klasse. Und das ist doch das Gemeinste, was
man über Wagenknecht sagen kann: In dieser Funktion ist sie komplett egal
und austauschbar.
taz: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) berät mit EU-Kollegen
über Abschiebezentren außerhalb der EU. Sind die inzwischen mehrheitsfähig
in Europa?
Küppersbusch: Nach EuGH-Gutachten sind „return hubs“ möglich, wenn dort das
Völkerrecht geachtet, Menschenrechtsstandards eingehalten, die Opfer nicht
isoliert, sie anwaltlich vertreten werden und ihre Angehörigen und Behörden
erreichen können. Ach blöd, denkt Dobrindt, dann können wir sie auch hier
lassen. Und womöglich ist das deutlich mehr, als manche EU-Partner ihren
Asylbewerbern angedeihen lassen. Dobrindts Chef Merz schafft derzeit kein
Interview, ohne ihre erbaulichen Erfolge im Abschotten und Wegschicken zu
feiern. Die tatsächlich gutteils auf die unschuldig dreinschauenden Grünen,
FDP, Ampel zurückgehen. Jedenfalls ist er entweder enorm erfolgreich oder
braucht auch noch „Abschiebezentren“ im Ausland. Beides zusammen ist
Quatsch, bzw. AfD.
taz: Das Glücksgefühle Festival hatte die Band Alphaville erst aus- und
dann wieder eingeladen. Geht es hier vor allem um Feigheit, um Mut zum
Protest oder doch wieder nur um Kommerz?
Küppersbusch: Warum nicht alles? Alphaville trat nun nicht auf, dafür wurde
ihr Signature-Song „Big in Japan“ von anderen Acts wie Nura, Ski Aggu und
Tom Gregory zitiert. Das war die schnellste Kanonisierung eines Liedes als
politisches Statement, die die Band sich wünschen konnte. Sangesbruder
Andreas Galabier, der auftreten durfte, bekam für seine Textfindung, die
hier und da unromantisch nach Wehrmachtsstiefel duftet, ordentlich
Kollegenschelte. Das Ganze war schlau gemanaged und in die Öffentlichkeit
lanciert; zudem wurde zuviel Parteibuch-Vertonung vermieden. Der Act reicht
nun von links bis sagenwirmal „liberale Christdemokaten klatschen mit“ –
well done.
taz: US-Vizepräsident JD Vance glaubt an die biblische Apokalypse und
schließt nicht aus, dass die Endzeit bereits begonnen hat. Gewinnt Trump
damit die Midterms?
Küppersbusch: Vances religiöse Esoterik mag bei den US-Evangelikalen
verfangen, „hinterm Horizont gibt’s Eiter“ oder so, jedenfalls mögen die
deshalb glauben, die Kriegsverbrechen gegen Iran seien moderne Kreuzzüge
zur Befreiung Israels und zur endlichen Wiederkehr des Herrn. Ja, schon,
aber Spritpreis. Ich hoffe, das zieht mehr.
taz: Merz muss Wahlen gewinnen, Putin kann missliebige Kandidaten einfach
aus dem Fenster werfen. Außerdem hat er auch noch Atomwaffen. Sollten wir
etwas feiger sein im Verhältnis zu Russland?
Küppersbusch: Wir Deutsche hatten in den jüngsten 120 Jahren Stress mit dem
zaristischen, dem bürgerlich-monarchischen, dem leninistischen, dem
stalinistischen und nun also dem putinistischen Russland. Interessant, dass
es in keinem dieser Fälle an uns lag.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Einsnull zu Hause gegen Viktoria Köln, sechster
Tabellenplatz, eine Déjà-vu-Saison bahnt sich an.
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und genoss den Sonntag bis
18 Uhr.
Fragen: Selina Hellfritsch, waam
6 Sep 2026
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