# taz.de -- Wahlen in Berlin, Israel und den USA: „Ich mache mir wirklich Sorgen um Eralp“
       
       > Wie wirkt sich die Berichterstattung nach der Berlinwahl auf Elif Eralp
       > aus? Und was treiben die Machthaber Putin, Nethanjahu und Trump?
       
 (IMG) Bild: Unser Kolumnist ist besorgt, welche Zukunft hat Eralp in der Politik?
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Steinmeier kommt langsam in Form.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Vielleicht reicht das noch, um die Latte für seine Nachfolge
       höher zu legen.
       
       taz: In den sozialen Netzwerken machen sich Nutzer:innen über die
       Mainstream-Berichterstattung zu Elif Eralp und der Linken in Berlin lustig.
       Lachen Sie mit? 
       
       Küppersbusch: Jetzt mache ich mir wirklich [1][Sorgen um Eralp.] Säulen
       unseres Gemeinwohls wie die Grünen Kretschmann, Fücks, Sager, Bütikofer
       begannen ihren Weg bei der verfassungsfeindlichen Kadertruppe „KBW“. In der
       Hochblüte ihrer Karrieren machten gerade diese Figuren durch eine
       auffallend zäpfchenförmige Darbietung ihrer politischen Anliegen Eindruck;
       man muss gar befürchten, dass die Herkunft aus linken Sekten als
       Tumormarker für größte Anpassungsfähigkeit nach rechts zu lesen ist. Das
       darf Eralp nicht passieren.
       
       taz: „[2][Verhinderte Flugzeug-Katastrophe landet in Israels Wahlkampf]“
       stand als Titel über einem unserer Artikel. Haben Sie dazu Ergänzungen? 
       
       Küppersbusch: Naja, „Fliegender Reichstagsbrand“ wäre geschmackloser
       gewesen. Aber nicht unbedingt falscher. Noch während die Piloten
       abwechselnd Russen, Ukrainer, Omani, Inder waren, dschihadistisch,
       islamistisch oder geradeaus psychopathisch – feierte Netanjahu sich bereits
       für kompetentes Zugucken. Und lenkte so von dem Vorwurf ab, ernsthafte
       Warnungen vor dem Hamas-Terror am 7. Oktober 2023 ignoriert, verschlafen,
       weggewischt zu haben. Der deutsche Bundestagswahlkampf 2025 war von
       terroristischen Anschlägen überschattet, die mal islamistisch, mal
       antiislamistisch gedeutet wurden und emotional dröhnten, bevor sie ganz
       aufgeklärt waren. Im Ergebnis zahlte das auf Rechtsextreme ein. Wünschen
       wir Israel mehr Glück.
       
       taz: Und weil wir dabei sind: „[3][Muss die Wahl in Sachsen-Anhalt
       wiederholt werden?“,] titelten wir. Muss sie? Sollte sie? 
       
       Küppersbusch: Klar, bis das Ergebnis stimmt. Nein, es geht um die rein
       rechtstaatliche Frage, ob die Landtagsfraktion die AfD – „Bürgerdialoge“ zu
       Unrecht bezuschusst oder finanziert hat. Und ob die deshalb unrechtmäßigen
       Veranstaltungen Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Übrigens hat auch die
       AfD-Bundestagsfraktion in 2026 bis zur Wahl mindestens 13 „Bürgerdialoge“
       in Sachsen-Anhalt bezahlt, die in der Diskussion noch gar nicht aufgetaucht
       sind. Macht zusammen an die 30 Veranstaltungen, die wenig mit
       „Öffentlichkeitsarbeit der Fraktionen“ zu tun haben – nur das wäre legal –
       und viel mit Ulrichsiegmundverherrlichung – das wäre illegale Parteispende.
       In einem kleinen Bundesland mögen 30 Massenveranstaltungen schon als
       „mandatsrelevant“ bewertet werden. Denn am Ende entscheidet die Frage, ob
       die Manipulation Einfluss auf das Wahlergebnis hatte. Sonst muss nur die
       Kohle zurückgezahlt werden und alles ist wieder gut. Beziehungsweise
       schlecht. Ich hab’ dazu leider nur Kirchentagsgesäusel im Angebot: Der
       Rechtsstaat geht vor. Auch, wenn die AfD bei Neuwahlen noch besser ankäme
       oder ohne Neuwahlen mit Lügen durchkommt.
       
       taz: Wie blicken Sie auf die Midterm-Wahlen in den USA? Zeichnet sich ein
       Trend ab oder hat er sich gar schon verfestigt? 
       
       Küppersbusch: Die Trump-Wahlsiege begannen stets mit dem schönen Satz „Die
       Democrats liegen in den Umfragen klar vorne“. Fragt mich nicht. Inzwischen
       geht es um vier Parteien in zweien: die Trumpisten, die untergehenden
       Republicans, die Establishment-Democrats und die
       Mamdani-OcasioCortez-Linken. Amerika wählt zwischen dem Fortbestand seines
       politischen Systems und seiner Zerstörung. Bizarr daran ist, dass das nur
       wenige bizarr finden.
       
       taz: Wladimir Putin hat sich beim Waldai-Diskussionsforum in Moskau zum
       Krieg gegen die Ukraine und zum Verhältnis zur Nato geäußert. War was
       Friedensstiftendes dabei? 
       
       Küppersbusch: Putin hat mal wieder einen „entscheidenden Wendepunkt“
       entdeckt, hinter dem eine „ungebremste Eskalation“ beginne, die er dem
       Westen und der Westen spornstreichs dafür ihm unterstellt. Nein, nichts
       Neues. Dass Kanzler Merz plötzlich als Pop-up-Kumpel von Selensky in Kiew
       auftaucht, darf man als Antwort lesen: Die militärische Unterstützung der
       Ukraine geht weiter. Im Zweiklang mit Wadephuls und Lawrows Treffen zum
       Zeichen der Nutzlosigkeit von Treffen wird ein Akkord daraus: der Ukraine
       militärisch helfen – und politisch. Hat ja nur 5 Jahre gedauert, bis die
       Deutschen mal auf die Idee kommen.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Testspiel bei Arminia Bielefeld ohne Fans, offenbar sind die
       noch gefährlicher als die Mannschaft und durften nicht ins Stadion. 2 zu 2.
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und Herbstmeister.
       
       Fragen: waam
       
       4 Oct 2026
       
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