# taz.de -- Brandanschlag auf Synagoge: Wuppertaler Polizei geht von Alleintäter aus
> Nach dem Attentat auf die jüdische Gemeinde wird in Wuppertal mit
> Mahnwachen gegen Antisemitismus demonstriert. Solidarität von Kirchen und
> Ditib.
(IMG) Bild: Spurensicherung der Polizei nach dem Brandanschlag auf die neue Synagoge in Wuppertal
Am Morgen nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal gehen die
Ermittlungsbehörden weiter von einem Einzeltäter aus. Verdächtig sei ein
37-Jähriger mit afghanischer Staatsbürgerschaft, bestätigte Niklas
Rademacher, Sprecher der Wuppertaler Polizei, am Freitagmorgen der taz.
Sein Aufenthaltsstatus werde gerade vom Staatsschutz, also der für
politisch motivierte Kriminalität zuständigen Abteilung der Polizei,
ermittelt. Vermutlich halte sich der Mann „mindestens seit 2014“ in
Deutschland auf – aus diesem Jahr sei ein „Polizeikontakt“ aktenkundig.
Der 37-Jährige soll am frühen Donnerstagnachmittag, drei Tage vor dem
höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, gegen 14.02 Uhr eine „brennbare
Flüssigkeit“ auf den Treppenstufen der Synagoge im Wuppertaler Stadtteil
Barmen [1][„ausgebreitet und angezündet“] haben. Um welchen Brennstoff es
sich genau gehandelt habe, untersuche gerade ein Sachverständiger, so
Polizeisprecher Rademacher.
Derzeit scheine es so, als habe der Verdächtige die Flüssigkeit „in einer
Tüte oder einem Plastikbehälter“ transportiert, in Richtung des
Gotteshauses geworfen, danach ausgeschüttet und in Brand gesetzt. Gelöscht
wurden die Flammen von Mitarbeiter:innen der Synagoge. Möglich war
dies offenbar, da es am Anschlagsort kaum brennbares Material gibt. „Dort
ist alles aus Stein“, sagte Rademacher.
Der Verdächtige sei „unmittelbar nach Tatbegehung“ festgenommen worden, so
der Polizeisprecher – die Wuppertaler Synagoge wird wie viele andere aus
Angst vor Anschlägen rund um die Uhr von Polizist:innen bewacht. Am
Tatort versammelten sich am Donnerstagabend Dutzende Menschen zu einer
spontanen Mahnwache. Weitere Solidaritätsaktionen sind geplant.
## Breite Solidarität
Die muslimische Ditib-Gemeinde in Wuppertal-Elberfeld erklärte in sozialen
Netzwerken, der Anschlag sei „ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben
in unserer Stadt“. Die dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan
direkt unterstellte Organisation stehe „solidarisch an der Seite der
jüdischen Gemeinde“, hieß es etwa bei Facebook: „Wir dürfen nicht zulassen,
dass Hass, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus oder religiöse
Feindseligkeit unsere Gesellschaft spalten.“
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, nannte
es unsäglich, „dass mitten unter uns antisemitische Gewalt und Anschläge
stattfinden“. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott,
erklärte sich solidarisch und mahnte, der Schutz jüdischer Gemeinden in
Nordrhein-Westfalen müsse „weiterhin mit aller Konsequenz“ sichergestellt
werden. Auch Politiker:innen von CDU und Grünen zeigten sich bestürzt.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster,
hatte schon [2][am Donnerstag in einer ersten Reaktion] erklärt, er sei
„zutiefst verstört“ von der „Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal
diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt“ habe. Von
Unrechtsbewusstsein oder Scham fehle jede Spur, so Schuster: „Dieses
Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf
die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.“
Der Zentralratsvorsitzende erklärte, der Zeitpunkt des Anschlags drei Tage
vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur sei „nicht zufällig gewählt“. Schuster
erinnerte „an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in
Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019.“ In Wuppertal hatte es bereits
2014 einen Brandanschlag auf die Synagoge gegeben. Dabei hatten drei aus
Palästina stammende Männer stark alkoholisiert sechs Molotowcocktails
[3][auf das Gotteshaus geworfen]. Alle drei wurden zu Bewährungsstrafen
verurteilt, was damals zu starker Kritik führte.
Und im knapp 40 Kilometer entfernten Bochum hatte ein Mann im November 2023
einen Brandsatz auf die Hildegardis-Schule geworfen, die unmittelbar an die
dortige Synagoge grenzt. Hinter der Anschlagsplanung habe „eine staatliche
iranische Stelle“ gestanden, hielt das Oberlandesgericht Düsseldorf fest,
das den Täter, einen 36-jährigen Deutsch-Iraner, wegen schwerer
Brandstiftung [4][zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte].
Zentralratspräsident Schuster mahnte angesichts der Anschlagskette, in drei
Tagen beginne der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. „Alle Synagogen
werden voll sein“, so Schuster – und die deutschen Sicherheitsbehörden
stünden in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten:
„Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu
leben“, erklärte der Zentralratspräsident. Auch in Wuppertal soll der
Schutz der Synagoge rund um Jom Kippur noch einmal verstärkt werden.
18 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11811/6354304
(DIR) [2] https://www.zentralratderjuden.de/presseerklaerungen/pressestatement-zum-brandanschlag-auf-das-gebaeude-der-synagoge-in-wuppertal-17-09-2026/
(DIR) [3] https://nrwe.justiz.nrw.de/lgs/wuppertal/ag_wuppertal/j2015/84_Ls_50_Js_156_14_22_14_Urteil_20150205.html
(DIR) [4] https://www.olg-duesseldorf.nrw.de/behoerde/presse/Archiv/Pressemitteilungen_aus_2023/20231219_PM_Urteil-Anschlag-Synagoge/index.php
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
## TAGS
(DIR) Antisemitismus
(DIR) Anschlag
(DIR) Synagoge
(DIR) Wuppertal
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Antisemitischer Anschlag: Brandanschlag auf Synagoge in Wuppertal
In Wuppertal hat es einen Brandanschlag auf die dortige Synagoge gegeben.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist besorgt.
(DIR) Attentat auf Moschee in San Diego: Nur radikaler Universalismus kann den Hass bekämpfen
Selbst bei Attentaten solidarisieren sich viele selektiv – je nachdem,
welche Gruppe betroffen ist. Dabei gibt es einen gemeinsamen Nenner:
Ignoranz.
(DIR) Terrorakt gegen Juden: Antisemitische Messerattacke in London
Die Opfer überleben einen Angriff, der die Debatte über Antisemitismus
verstärkt. Die proiranische Gruppe Hayi reklamiert die Tat für sich.