# taz.de -- UN-Untersuchung zum Irankrieg: UN-Mission wirft den USA Kriegsverbrechen vor
       
       > Die USA haben eine Schule und eine Sportstätte bombardiert. Teheran hat
       > Proteste systematisch niedergeschlagen. Das Weiße Haus weist die Vorwürfe
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Fotogalerie mit Bildern der getöteten Kinder vor dem zerstörten Schulgebäude in Minab. Bei dem US-Angriff starben 168 Menschen
       
       Reuters | Eine UN-Untersuchungskommission wirft den USA mögliche
       Kriegsverbrechen im Iran und der Führung in Teheran Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit vor. Es gebe hinreichende Gründe für die Annahme, dass die
       USA für zwei [1][Militärschläge gegen eine Schule und eine Sportstätte im
       Iran] im Februar verantwortlich seien, teilte die unabhängige UN-Mission
       für den Iran mit. Diese Angriffe seien Kriegsverbrechen.
       
       Zudem hätten die iranischen Behörden bei der gewaltsamen
       [2][Niederschlagung von regierungskritischen Protesten ab Ende Dezember]
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, heißt es in dem Bericht, der
       am Montag dem UN-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegt werden soll. Die
       Vertretung des Iran in Genf reagierte zunächst nicht auf Anfragen der
       Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Regierung wies die Anschuldigungen
       bereits am Donnerstag zurück.
       
       Das Weiße Haus reagierte mit scharfer Kritik. Das UN-Gremium habe „nichts
       für die Menschenrechte erreicht“, erklärte Sprecherin Anna Kelly. Der Iran
       sei die einzige ‌Partei in dem aktuellen Konflikt, die Kriegsverbrechen
       begangen habe. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu
       dem Bericht einer externen Organisation ab. „Unsere Untersuchung dauert an,
       und wir haben im Moment nichts anzukündigen“, teilte das Pentagon mit.
       
       ## Welche Bedeutung UN-Missionen haben
       
       Die UN-Missionen sind Untersuchungsgremien und keine Justizbehörden. Ihre
       Erkenntnisse können jedoch in strafrechtliche Ermittlungen nationaler
       Gerichte oder internationaler Tribunale wie den Internationalen
       Strafgerichtshof einfließen. Der Bericht der UN-Mission untersucht das
       Vorgehen der USA in dem [3][seit Februar andauernden Irankrieg] sowie die
       Reaktion der Regierung in Teheran auf die landesweiten Unruhen.
       
       Den UN-Experten zufolge gibt es hinreichende Gründe für die Annahme, dass
       US-Streitkräfte für einen Angriff auf die Schajareh-Tayyebeh-Grundschule in
       der südiranischen Stadt Minab verantwortlich seien. Nach iranischen Angaben
       wurden dabei mehr als 160 Menschen getötet, etwa 120 davon Schulkinder.
       Dies sei ein rücksichtsloser Angriff auf Zivilisten und zivile
       Infrastruktur, was nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen
       darstelle. Die Schule lag dem Bericht zufolge neben einem Marinestützpunkt
       der Islamischen Revolutionsgarde. Die UN-Experten fanden jedoch keine
       Beweise dafür, dass die Schule für militärische Zwecke genutzt wurde.
       
       Dass die ‌USA die entsprechenden [4][Informationen in ihren Zieldatenbanken
       nicht aktualisierten und nicht überprüften], ob es sich bei dem Gebäude um
       ein militärisches Ziel handelte, ging demnach über bloße Fahrlässigkeit
       hinaus. „Vielmehr richteten die USA die Angriffe gegen das Schulgebäude,
       obwohl sie sich des erheblichen Risikos bewusst waren, ein ziviles Objekt
       zu treffen, und nahmen dabei rücksichtslos in Kauf, dass dies geschehen
       könnte“, hieß es in dem Bericht.
       
       ## Untersuchungstext des Pentagon steht aus
       
       US-Präsident ⁠Donald Trump hatte im Juni unter Berufung auf eine
       Untersuchung erklärt, niemand habe im Februar absichtlich eine
       Mädchenschule im Iran angegriffen. Kurz nach dem Angriff selbst
       beschuldigte Trump den Iran des Bombardements der Bildungseinrichtung. Das
       Pentagon hat die Untersuchung inzwischen auf eine höhere Ebene verlagert,
       jedoch noch keine vorläufigen Ergebnisse veröffentlicht.
       
       Zu einem ähnlichen Schluss kam die Kommission bei einem Angriff auf ein
       Sportzentrum in Lamerd, bei dem 22 Zivilisten getötet oder ‌verletzt
       wurden. Das US-Zentralkommando ‌hatte im März erklärt, die US-Streitkräfte
       hätten an dem betreffenden Tag keine Angriffe gegen Lamerd geflogen.
       US-Vertreter hatten in der Vergangenheit erklärt, Militäreinsätze stünden
       ⁠im Einklang mit dem Völkerrecht.
       
       ## UN: Iran geht systematisch gegen Zivilisten vor
       
       Mit Blick auf die Menschenrechtsverletzungen im Iran stellte die UN-Mission
       fest, dass die dortigen Behörden bei den Protesten ab Ende Dezember
       systematisch gegen Zivilisten vorgegangen seien. Dazu zählten rechtswidrige
       Tötungen, Folter, willkürliche Verhaftungen und das Verschwindenlassen von
       Personen. Menschenrechtsgruppen zufolge sind bei der folgenschwersten
       ‌Niederschlagung von Protesten seit der Islamischen Revolution 1979 auch
       unbeteiligte Passanten getötet worden.
       
       Teheran macht von den USA ‌und Israel unterstützte „Terroristen“ und
       Aufständische für die Unruhen verantwortlich. Die UN-Kommission konnte die
       Opferzahlen nicht unabhängig überprüfen, geht jedoch davon aus, dass die
       tatsächliche Zahl der Opfer weit über den offiziellen Angaben von 3.038
       Toten und 25.000 Verletzten liegt. Die Reaktion der Regierung,
       einschließlich der Abschaltung ‌des Internets und der Anwendung der
       Todesstrafe, stelle eine erhebliche Eskalation bei der Unterdrückung
       ⁠Andersdenkender dar.
       
       Der Iran hat Vorwürfe systematischer Menschenrechtsverletzungen stets
       zurückgewiesen.
       
       18 Sep 2026
       
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