# taz.de -- Amnesty-Bericht zu Iran: 87 Architekten von Mord, Gewalt und Folter
       
       > Amnesty International macht publik, wer 2022 in Iran die Proteste
       > niederschlug. Die Bezichtigten sind teils bekannte Gesichter des
       > Islamischen Regimes.
       
 (IMG) Bild: Demonstration gegen die gewaltsame Niederschlagung der Proteste im Iran im Januar in Berlin
       
       Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International macht in einem am
       Mittwoch publizierten Bericht 87 Personen als Hauptverdächtige der
       Niederschlagung der [1][„Frau, Leben, Freiheit“-Proteste im Jahr 2022]
       namhaft. Die Liste reicht von hohen Amtsträgern bis zu
       Lokalverantwortlichen. Und sie sei keineswegs vollständig, ergänzte die
       Menschenrechtsorganisation sogleich.
       
       Der über 1.000 Seiten lange Bericht „Architekten der Gräueltaten“ ordnet
       das gewaltsame Niederschlagen der Proteste vor nunmehr vier Jahren als
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Mindestens 377 von den iranischen
       Sicherheitskräften getötete Menschen, darunter 56 Kinder und Minderjährige,
       werden im Bericht thematisiert. Außerdem tausende Fälle von Folter und
       sexueller Gewalt, Festnahmen und Verfolgungen sowie des
       Verschwindenlassens.
       
       Die Generalsekretärin von [2][Amnesty International] Deutschland, Julia
       Duchrow, sprach von einer „staatlich angeordneten und orchestrierten
       Strategie“, um die Zivilbevölkerung durch massive Repression und tödliche
       Gewalt zu unterdrücken und mundtot zu machen. Amnesty fordert nun die
       Aufnahme von Ermittlungen durch Behörden der internationalen Gemeinschaft,
       gleich der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in Syrien und der
       Ukraine.
       
       2022 markiere außerdem nicht das Ende der Gewalt, erklärte Amnesty. Die
       schematische Unterdrückung laufe bis in die Gegenwart weiter – ein Beispiel
       sei [3][die brutale Niederschlagung der Demonstrationen am 8. und 9. Januar
       2026.] 
       
       ## Augenzeug:innen, geleaktes Material, Gerichtsurteile
       
       Der nun veröffentlichte Bericht sei die umfassendste Recherche in der
       Geschichte von Amnesty International, so die Organisation. 270
       Augenzeug:innen, darunter Angehörige der Opfer,
       Menschenrechtsaktivist:innen, Journalist:innen und medizinisches
       Personal wurden angehört. Man habe außerdem über 2.000 Videoaufnahmen sowie
       geleakte staatliche Dokumente, offizielle Aussagen, Gerichtsurteile und
       forensische Unterlagen ausgewertet.
       
       Unter den Opfern zählt Amnesty überproportional Menschen der belutschischen
       [4][und kurdischen Minderheiten.] Während sie maximal zwischen 5 und 15
       Prozent der iranischen Bevölkerung darstellen sollten, nähmen sie 62
       Prozent aller von der Organisation dokumentierten Opfer ein.
       
       ## Einige der mutmaßlichen Täter sind tot oder sanktioniert
       
       Als Beschuldigte genannt werden unter anderem Einsatzkräfte der islamischen
       Revolutionsgarden (IRGC) und des Polizeikommandos der Islamischen Republik
       Iran (Faraja), die unter anderem bewusst und immer wieder mit Schusswaffen
       in die Menschenmengen gezielt hätten.
       
       Von den 87 namentlich erwähnten Personen auf der Liste von Amnesty wurden
       sechs bei gezielten Angriffen der USA und Israels getötet. Darunter sind
       das ehemalige iranische Oberhaupt [5][Ajatollah Ali Chamenei], der einstige
       Generalstabschef des iranischen Militärs Mohammad Bagheri und der ehemalige
       IRGC-Generalkommandant Hussein Salami.
       
       [6][Unter den restlichen 81 Personen] unterstehen viele bereits
       internationalen Sanktionen, etwa Ahmad Wahidi, seit März 2026 Befehlshaber
       der IRGC, oder Seyyed Majid Mirahmadi, der bis 2024 stellvertretender
       iranischer Innenminister für Staatssicherheit und Polizei war.
       
       Auch der ehemalige iranische Polizeichef Hossein Ashtari und der Ex-Chef
       der polizeilichen Sondereinheiten Hassan Karami werden genannt sowie die
       beiden IRGC-Kommandanten für die kurdisch besiedelten Teile des Irans,
       Mohammad Taqi Osanloo und Majid Arjmandfar, und der IRGC-Kommandant
       Mohammad Nazar Azimi für die Provinzen Kermanscha, Hamadan and Ilam.
       
       In zahlreichen Fällen hätte ihre Ausübung von Gewalt sogar zur Beförderung
       von Mitgliedern des Regimes geführt, so Amnesty International. Die
       Menschenrechtsorganisation gibt außerdem an, dass das iranische Regime die
       von den USA und Israel geführten Angriffe, die Ende Februar 2026 begonnen
       hatten, [7][als Deckmantel nutze, um noch schärfer gegen die eigene
       Bevölkerung vorzugehen.]
       
       16 Sep 2026
       
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