# taz.de -- EU-Plan für Social Media: Eltern sollen Kontakte von Teenagern vorher freigeben
> Die EU-Kommission legt einen Gesetzentwurf vor, der Tech-Firmen zu mehr
> Jugendschutz verpflichten will. Doch Haken bleiben.
(IMG) Bild: Mädchen tippen auf ihren Handys: Bald nun noch ein „Mini-Account“ bei Social Media?
„Diese Technik“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am
Donnerstag in Straßburg, „wurde nicht mit der Sicherheit von Kindern im
Kopf entwickelt.“ Deshalb sei es „nun Zeit zu handeln“. Mit „dieser
Technik“ meinte von der Leyen Social-Media-Plattformen und mit „handeln“
den Gesetzentwurf [1][EU Kids Act], den sie gemeinsam mit Vize-Präsidentin
Henna Virkkunen vorstellte.
Auf 99 Seiten macht der Gesetzentwurf einen Vorschlag, wie Plattformen wie
Tiktok oder Instagram, das wie Facebook zum Meta-Konzern gehört, [2][zu
mehr Jugendschutz verpflichtet werden] sollen. Die Kernpunkte waren bereits
am Mittwoch bekannt geworden: keine Accounts für Unter-13-Jährige,
eingeschränkter Zugang bis 15 Jahre. Wie genau dieses „safety by design“ –
also die jugendfreien Accounts – aussehen sollen, konkretisierte Virkkunen
so: Eltern sollten „Mini-Konten“ für ihre Kinder verwalten. Die Eltern
müssen die Kontakte vorher freigeben, und die Dienste müssen eine
Zeitbegrenzung von maximal einer Stunde pro Tag einbauen.
„Wir setzen die Eltern wieder auf den Fahrersitz“, sagte von der Leyen,
aber gleichzeitig nehme man sie aus der Verantwortung. Denn den „Kampf
gegen die Algorithmen können sie nicht gewinnen“. Verantwortung übernehmen
sollen deshalb nun die Tech-Firmen – und zwar grundsätzlich für alle
Accounts von Minderjährigen bis 18 Jahre. Endlos-Scrolling,
Geolokalisierung, Kamera- und Mikrofonzugriff sollen standardmäßig
deaktiviert sein. Direkte Nachrichten von fremden Accounts sollen nicht
mehr möglich sein. KI-Chatbots und -Begleiter müssen deaktiviert sein.
Erst wenn diese und weitere Kriterien erfüllt seien, bekämen Minderjährige
Zugang. Virkkunen betonte, dass die EU mit dem Digital Services Act bereits
ein Gesetz zur Durchsetzung dieser Regeln gegenüber den Plattformen habe.
In Zukunft solle die Kommission Untersuchungen binnen 90 Tagen abschließen,
sollte es einen Verdacht auf Regelverstöße geben. Das soll der Kids Act
„ergänzend“ regeln.
## Problem Altersüberprüfung
Kritikpunkt bleibt allerdings, dass mit einer Umsetzung der Pläne eine
Altersüberprüfung für alle Nutzer*innen notwendig würde. „Das ist eine
Maßnahme, die die Informationsfreiheit und die Meinungsfreiheit in ihrem
Kern betreffen würde“, kritisiert Stephan Dreyer, der am Leibniz-Institut
für Medienforschung forscht, laut Science Media Center. Wenn nur bestimmte
Einzelfunktionen aus Jugendschutzsicht das Problem seien, rechtfertige das
nicht eine Altersgrenze für das Gesamtangebot.
Dreyer warnt davor, die „grundrechtlichen Anforderungen an eine
zuverlässige, datenschutzsensible und breit akzeptierte Altersüberprüfung
für alle Bürgerinnen und Bürger“ zu unterschätzen. Aufgrund zahlreicher
Probleme mit entsprechenden Nachweisverfahren hatten sich bereits im März
IT-Forscher:innen in einem [3][offenen Brief] gegen den Einsatz solcher
Technologien ausgesprochen.
Noch sensibler wird es für Eltern, die einen geschützten Account für ihre
Kinder anlegen wollen. Die Plattformen sollen nämlich sicherstellen, dass
hier auch tatsächlich eine sorgeberechtigte Person für das entsprechende
Kind einen Account erstellt. Zwar soll dem Gesetzentwurf zufolge zunächst
auch eine Selbsterklärung ausreichen, die Plattform sollte dann einen
„angemessenen Aufwand“ betreiben, um sicherzustellen, dass diese
Selbsterklärung korrekt ist. Vorgesehen ist jedoch auch die Option eines
Zugriffs auf staatliche Daten der Mitgliedsländer.
Nach der Vorstellung des Gesetzentwurfs geht dieser nun ans EU-Parlament
und die Mitgliedstaaten. CDU-Bildungsministerin Karin Prien hat bereits
eine „Übergangslösung“ für Deutschland angekündigt. Ihr zufolge liegt der
Entwurf „sehr genau auf der Linie, die wir auch in Deutschland nach vorne
bringen wollen“.
17 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://ec.europa.eu/newsroom/dae/redirection/document/132530
(DIR) [2] /Kinder-ueber-Social-Media-Verbote/!6157695
(DIR) [3] https://csa-scientist-open-letter.org/ageverif-Feb2026
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
(DIR) Anna Klöpper
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