# taz.de -- Hohe Spritpreise: Finger weg von der Mehrwertsteuer
> Es gibt einfache Arten, Menschen zu entlasten. So könnte die
> Einkommensteuer für Geringverdiener gesenkt und Armen ein Fixbetrag
> gezahlt werden.
(IMG) Bild: Lasst die Mehrwertsteuer auf den toten Sauriern
Das „Konzept“ aus dem Jahr 2020 sollte allen Entscheidern eine Warnung
sein. Damals senkte die Große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel und
Finanzminister Olaf Scholz für sechs Monate die Umsatzsteuer – gemeinhin
[1][Mehrwertsteuer] genannt. Wohlgemerkt: die Umsatzsteuer, die jedes
Unternehmen bei jeder einzelnen Buchung mit sich führt. Der Schritt
erfolgte auch noch mit extrem kurzem Vorlauf, sodass viele Abrechnungen neu
erstellt werden mussten. Vielsagend hatte es zuvor im Gesetzentwurf
geheißen: Der „Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft“ könne „in der Kürze
der Zeit nicht beziffert werden“.
Auf die Idee, ein solches Gesetz zu machen, kann nur kommen, wer im Alltag
nicht mit der Umsatzsteuer vertraut ist. Firmen fluchten, weil ihre IT die
neuen Steuersätze so kurzfristig gar nicht abbilden konnte. Am Ende war die
Steuersenkung ein Projekt, das vor allem durch hohe Transaktionskosten in
Erinnerung blieb. Und natürlich durch ein Loch im Haushalt.
Dass jetzt angesichts der [2][gestiegenen Spritpreise] Pläne kursieren,
abermals an der Umsatzsteuer zu drehen – etwa von [3][Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche und dem Unions-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Frei –,
zeugt von geringer Lernfähigkeit.] Denn die Bundesregierung hätte
elegantere Möglichkeiten, um die Bürger steuerlich zu entlasten. Und zwar
solche, die nicht die Buchhaltungen von Unternehmen aufmischen.
Will die Bundesregierung zum Beispiel Geringverdiener entlasten, kann sie
einfach die Einkommensteuer im gewünschten Lohnbereich anpassen. Die
Wirtschaft hat keine Umstellungskosten, die Bürger haben keinen
zusätzlichen Aufwand. Und doch führt es dazu, dass Geringverdiener mehr
Geld zur Verfügung haben. Oder der Staat überweist jedem Bürger oder
zumindest Teilen der Bevölkerung nach definierten Sozialkriterien einen
Fixbetrag. So würden auch jene profitieren, die trotz Arbeit so wenig
verdienen, dass sie erst gar keine Steuern zahlen. All das ist klüger, als
wieder an der Umsatzsteuer herumzudoktern.
17 Sep 2026
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