# taz.de -- Steigende Benzinpreise: Findet endlich den passenden Deckel!
       
       > Der Kanzler kündigt Entlastungen für die Verbraucher:innen an der
       > Zapfsäule an. Bisher konnte die Regierung sich zu keinen Maßnahmen
       > durchringen.
       
 (IMG) Bild: Schöner tanken? Merz macht Hoffnung, dass er zum Spritpreisdeckel greifen könnte
       
       Die Spritpreise steigen und steigen. Die Superbenzinsorte E10 war im
       bundesweiten Durchschnitt vom Montag teurer als je zuvor, der Dieselpreis
       lag knapp unter dem historischen Höchstwert. Nun hat Bundeskanzler
       Friedrich Merz, der nach den verlorenen Wahlen in Sachsen-Anhalt und vor
       den anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern [1][seine Felle
       davonschwimmen sieht], Entlastungen angekündigt. Wie genau die aussehen
       sollen, ließ er am Dienstag noch offen – nährte damit aber immerhin die
       Hoffnung, dass die Bundesregierung diesmal zu anderen, mithin sinnvolleren
       Werkzeugen greifen will. Zum Beispiel: zum Spritpreisdeckel.
       
       Schuld an den hohen Preisen ist vor allem der Krieg gegen Iran, den die USA
       und Israel angezettelt haben. Wichtige Transportrouten für Rohöl sind
       nahezu dicht, teilweise seit Monaten. Das Öl auf dem Weltmarkt ist
       verknappt und wird immer teurer. Schuld an den hohen Preisen in Deutschland
       ist aber auch die [2][Gier der Mineralölkonzerne, Profit aus der Krise zu
       schlagen]. Sie treiben die Spritpreise in die Höhe, mit viel mehr Schwung
       als nötig, und kassieren allesamt zusätzliche Milliardengewinne – auf
       Kosten der Verbraucher:innen.
       
       Ein Spritpreisdeckel würde beides bändigen: die Kosten für
       Verbraucher:innen und die Übergewinne der Ölkonzerne. Außerdem hätte er
       den Vorteil, dass der Staat kaum Geld für die Einführung aufwenden müsste.
       Ein solcher Preisdeckel ist in den Regierungsparteien bereits Thema,
       SPD-Fraktionsvize Armand Zorn wirbt zum Beispiel für ein Modell nach
       belgischem Vorbild: Dort berechnet der Staat für jeden Werktag einen
       maximalen Verkaufspreis für Benzin und Diesel im Einzel- und Großhandel,
       abhängig vom Rohölpreis und den Kosten für Raffinerie, Transport, Lagerung
       und Vertrieb.
       
       Nur: Bisher haben sich die Unionsvertreter:innen beharrlich gegen
       einen Spritpreisdeckel gesträubt, besonders Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche, die für die Einführung zuständig wäre. Ob das vage
       Versprechen des Kanzlers daran nun etwas ändert? Mal sehen.
       
       Falls sich die Bundesregierung nicht auf einen Deckel einigen kann, liegen
       aber auch noch andere gute Vorschläge auf dem Tisch: Die EU diskutiert noch
       in dieser Woche über eine [3][Übergewinnsteuer]. Ein Tempolimit könnte den
       Spritverbrauch drosseln und damit nicht nur die Tankkosten, sondern auch
       klimaschädliche Emissionen senken. Oder der Bund könnte autofreie Tage
       einführen, wie in der Ölkrise 1973. Oder ÖPNV-Tickets vergünstigen. Oder
       das Klimageld auszahlen, das die Ampelregierung mal angekündigt hatte. Das
       Problem aber bleibt: Bisher wollen CDU und CSU all das nicht.
       
       15 Sep 2026
       
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