# taz.de -- Christian Specht kandidiert für die BVV: „Die Leute müssen mit leichter Sprache sprechen“
       
       > Behindertenaktivist Christian Specht kommt vermutlich für die Grünen ins
       > Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksparlament. Er bringt einige Erfahrungen
       > mit.
       
 (IMG) Bild: Christian Specht bei seinem Einzug in die BVV im vorigen Novenber
       
       taz: Christian, du kandidierst auf einem ziemlich sicheren Listenplatz bei
       den Grünen für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV)
       Friedrichshain-Kreuzberg. Wie findest du das? 
       
       Christian Specht: Ich bin ja schon in der BVV gewesen, weil ich nachgerückt
       war im letzten Jahr für eine Person, die weggezogen ist. Und ich war ganz
       früher auch schon mal da.
       
       taz: Ach so? 
       
       Specht: Ich bin ja politisch aktiv geworden durch eine Frau von der PDS,
       die in der BVV war. Die hat mich mal gefragt, ob ich als Bürgervertreter in
       den Schulausschuss will. Aber das hat mir nicht so gut gefallen, ich kam
       auch mit manchen Leuten von der PDS nicht so gut klar. Dann habe ich mich
       zurückgezogen und war ein bisschen enttäuscht. Dann haben sie mich später
       gefragt, ob ich Bürgerdeputierter im Behindertenbeirat werden will.
       
       taz: Wie war das? 
       
       Specht: Na ja, es gab eine Person, die hat mich unterstützt. Da waren auch
       andere, die Unterstützung hatten oder Assistenz, aber das gibt manchmal
       trotzdem Probleme. Manche haben nicht so viel Zeit teilzunehmen, weil die
       werden vom Fahrdienst abgeholt, der wartet dann. Das ist für die Leute dann
       blöd, wenn die nicht so lange teilnehmen können. Aber jetzt die BVV ist
       noch anders.
       
       taz: Wieso? 
       
       Specht: Manchmal geht es um Sachen, die verstehe ich überhaupt nicht. Dann
       denke ich, das muss ich auch mal verändern. Ich bin dafür, die Leute müssen
       mit leichter Sprache sprechen. Manchmal reden die nicht in leichter
       Sprache, und wenn man dann nicht Bescheid sagt, sind die Sachen schwer zu
       verstehen.
       
       taz: Du hast aber doch eine Assistentin. 
       
       Specht: Ja, die Julia übersetzt mir auch und fragt: Hast du das verstanden?
       Aber es ist trotzdem schwierig – auch das Gerät für die Abstimmungen, so
       mit Knopf. Damals war das noch alles anders. Damals hat man so Stimmkarten
       gehabt. Heute gibt es diese Geräte. Da muss man auf einen Knopf drücken und
       kann damit abstimmen.
       
       taz: Aber wenn die Assistentin dir übersetzt, verstehst du die Sachen dann? 
       
       Specht: Ja, manchmal verstehe ich es dann. Was ich gut finde, sie malt mir
       auch immer Zettel mit Bildern drauf. Dann kann ich erkennen, um welche
       Themen das geht.
       
       taz: Was waren denn so Themen in der letzten BVV, die dir wichtig waren? 
       
       Specht: Einmal ging es um den Zaun um den Görli. Da habe ich auch ein Bild
       gemalt und eine Anfrage gestellt und gefragt: Wie ist das, wenn der Zaun
       abgeschlossen ist? Wie sieht es aus mit Leuten, die im Rollstuhl oder mit
       Kinderwagen sind, haben die eine Möglichkeit rauszukommen, gibt es für sie
       Ausgänge?
       
       taz: Hast du eine Antwort bekommen? 
       
       Specht: Ja, habe ich. Es gibt Ausgänge, da haben die drauf geachtet.
       
       taz: Was möchtest du in der nächsten BVV machen?
       
       Specht: Ich habe mir überlegt, nicht mehr in so viele Ausschüsse zu gehen.
       Wenn ich in einen reingehe, möchte ich in Kultur gehen. Die anderen
       Ausschüsse sind alle total schwer.
       
       taz: Was macht man im Kulturausschuss?
       
       Specht: Über Kultur reden, was so ansteht im Bezirk, Veranstaltungen und
       so.
       
       taz: Du gehst ja für die Grünen in die BVV. 
       
       Specht: Ja, aber als Parteiloser.
       
       taz: Aber du findest sie schon gut, oder? 
       
       Specht: Na ja, ich bin da reingekommen, weil sich ein paar Grüne dafür
       eingesetzt haben. Wenn die PDS mich gefragt hätte, die Linke oder auch die
       SPD …
       
       taz: Hättest du das auch mit denen gemacht? 
       
       Specht: Ja. Aber die SPD macht das nicht, glaube ich.
       
       taz: Einen Menschen mit Beeinträchtigung in die BVV mitnehmen? 
       
       Specht: Nein, ich glaube nicht.
       
       taz: Aber die Linken schon? 
       
       Specht: Ja, die haben auch einen mit drin, der sitzt im Rollstuhl. Aber da
       gibt es ein Problem am Rathaus in Kreuzberg mit dem Fahrstuhl. Mittlerweile
       sind zwei Fahrstühle kaputt, nicht mehr in Betrieb. Das ist für den von der
       Linken blöd.
       
       taz: Und für dich? 
       
       Specht: Ich brauche auch einen Aufzug, auf der Treppe kriege ich eine
       Panikattacke. Aber es gibt noch einen Aufzug, da muss man rausgehen und in
       den anderen Eingang rein. Der Aufzug ist total klein, da geht der Rollstuhl
       von dem anderen nicht rein.
       
       taz: Das Rathaus ist also nicht behindertengerecht? 
       
       Specht: Nein, ich habe aber mal gehört, die wollen das ändern.
       
       17 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Memarnia
       
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