# taz.de -- Gedenken an Jina Mahsa Amini: Du bleibst eine von uns
       
       > Vor vier Jahren starb Jina Mahsa Amini in einem Gefängnis in Teheran. Sie
       > hatte nichts verbrochen, nur ihr Kopftuch nicht „ordnungsgemäß“ getragen.
       
 (IMG) Bild: Weltweite Solidarität wie hier in Australien 2022 nach dem Mord an Jina Mahsa Amini in einem Teheraner Gefängnis
       
       Vor vier Jahren, am 16. September 2022, war Jina Mahsa Amini tot. Drei Tage
       vorher war sie von der sogenannten Sittenpolizei in Teheran festgenommen
       worden, weil sie ihren Hidschab angeblich nicht vorschriftsgemäß trug.
       [1][Ihr Tod wurde zum Beginn von „Frau, Leben, Freiheit“]. Heute sollte es
       weniger um die Bewegung gehen, sondern einzig um Jina. Um eine 22 Jahre
       alte Frau, die mit ihrem Bruder durch Teheran lief und nie wieder nach
       Hause kam. Um eine Frau, die jede von uns hätte sein können.
       
       Jina, du warst nicht einfach nur wie eine von uns. Du warst eine von uns.
       Was deinen Tod für viele iranische Frauen bis heute so unerträglich macht,
       ist seine erschreckende Alltäglichkeit. Du hast an diesem Tag nicht
       protestiert. Du hattest keine Waffe. Du hast niemanden angegriffen. Du
       hattest ein bisschen von deinen Haaren gezeigt. Das war alles.
       
       Wer nicht im Iran aufgewachsen ist, fragt sich vielleicht, was ein paar
       Zentimeter mehr Haar bedeuteten. Für uns waren sie oft eine Sprache des
       Ungehorsams. Je wütender und verzweifelter wir wurden, desto weiter
       rutschte das Kopftuch nach hinten. Es sagte: Das ist nicht meine
       Entscheidung. Ihr zwingt mich dazu. Ich selbst habe mein Kopftuch genauso
       getragen. Meine Mutter bat mich oft, es weiter nach vorne zu ziehen, weil
       sie Angst um mich hatte. Auch ich bin mit meiner Familie nach Teheran
       gereist. [2][Auch ich hätte festgenommen werden können]. Auch ich hätte
       diejenige sein können, die nicht wieder nach Hause kommt.
       
       Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich dich, Jina, bis heute nicht
       loslassen kann. Wir kennen [3][dich heute als Symbol]. Aber du hättest viel
       mehr sein sollen. Du hättest älter werden, Menschen lieben, Fehler machen,
       reisen, streiten und deine Meinung hundertmal ändern dürfen. Jina bedeutet
       Leben. Vier Jahre später sollten wir uns nicht nur daran erinnern, was dein
       Tod ausgelöst hat, sondern auch an das gewöhnliche, unbekannte Leben, das
       dir genommen wurde.
       
       16 Sep 2026
       
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