# taz.de -- Maßnahmen nach Anschlag auf CSD: Repression und ein bisschen Prävention
> Die Bundesregierung legt einen Zehn-Punkte-Plan gegen islamistischen
> Terror vor. Er beinhaltet vor allem höhere Strafen, mehr Fußfesseln und
> Überwachung.
(IMG) Bild: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig wollen Maßnahmen gegen islamistischen Terror einbringen
Engere Überwachung, mehr Fußfesseln, höhere Strafen: Die Bundesregierung
will nach dem Anschlag auf den Berliner CSD künftig härter gegen
islamistischen Terror vorgehen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
(CSU) verwies bei der Vorstellung eines Zehn-Punkte-Plans am Mittwoch im
Kanzleramt noch einmal auf den [1][islamistischen Terrorakt vom 25. Juli].
Damals war Abdul B. „mit einem Fahrzeug auf Menschenjagd gegangen“.
B. verletzte dabei 31 Menschen und ging anschließend mit einer Machete auf
Passanten los. Er tötete eine Frau. Am Tag danach wurde B. von der Polizei
in einer Kleingartenanlage gestellt und erschossen. Man habe anschließend
deutlich gemacht, so Dobrindt, „dass wir gegen islamistischen Terror
stärkere Maßnahmen ergreifen wollen“.
Der 21-jährige Täter war den Behörden [2][bereits als Gefährder bekannt]
und erst im Mai 2025 vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Jugendstrafe einem
Jahr und zehn Monaten wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden
Straftat verurteilt worden. Er war in den Libanon gereist, um sich dem IS
anzuschließen, soll zudem IS-Propaganda verbreitet haben. Das Gericht hatte
ihn auch dazu verurteilt, im Rahmen einer Vorbewährung an einem
sechsmonatigen Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen. Davon sollte
abhängen, ob die Jugendstrafe vollstreckt oder zur Bewährung ausgesetzt
werde.
Die im Kabinett beschlossenen Maßnahmen zielen im Wesentlichen auf stärkere
Repression: Täter, die eindeutig als Gefährder eingestuft seien, sollten
stärker überwacht werden, häufiger Fußfesseln bekommen. Ebenso soll es
höhere Strafen für Messerangriffe geben. Zudem soll es künftig möglich
sein, dass auch Landesbehörden Daten wie IP-Adressen künftig länger
speichern können. Der 10-Punkte-Plan soll nächste Woche in den Bundestag
eingebracht werden.
## Strafverschärfungen für Propaganda und Terrorfinanzierung
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte bei der Vorstellung des Plans:
„Islamistischer Terrorismus bleibt die Gefahr für unser Zusammenleben.“
Terroristen lehnten die „Achtung der Person, gleiche Freiheit für alle
Menschen und auch gleiche Würde“ ab, so Hubig. Nach dem Gedenkgottesdienst
in Folge des Anschlags und einer anschließenden Tatbegehung habe man
gemeinsam beschlossen, politische Konsequenzen zu ziehen.
Die Maßnahmen gingen auch mit Strafverschärfungen einher: So solle künftig
das Verbreiten von Propagandamitteln für den „Islamischen Staat“ konsequent
bestraft werden können. Dafür werde man den Straftatbestand des Verwendens
von Kennzeichen terroristischer Organisationen ausweiten. Zudem sollen auch
Spendensammlungen für terroristische Zwecke bestraft werden können. Bei
Gerichtsentscheidungen über Bewährungen sollen künftig die
Sicherheitsinteressen der Bevölkerung stärker berücksichtigt werden, so
Hubig.
Eine direkte Lehre aus dem CSD-Anschlag dürfte zudem sein, dass der
Austausch zwischen Sicherheitsbehörden und der Justiz bei Gefährdern
verbessert wird – gerade bei Bewährungsentscheidungen. Daneben bleibe
Präventionsarbeit zentral, um Jugendliche von ihrem Weg in den Extremismus
abzubringen, so Hubig. Deswegen wolle man zudem Extremismusprävention
stärken und Programme ausbauen.
## Aufklärung gefordert
Der grüne Innenpolitiker Marcel Emmerich forderte weniger „vorschnelle
Antworten“ und Ankündigungen, sondern stattdessen konsequentere Aufklärung:
„Der Innenminister muss endlich erklären, warum die Tat nicht verhindert
werden konnte, obwohl der Täter den Behörden bekannt war, als
Hochrisikoperson galt und überwacht wurde.“ Die offenen Fragen gehörten in
einen Untersuchungsausschuss in Berlin.
Auch Clara Bünger von der Linken kritisierte: „Jetzt reflexhaft das
Strafrecht zu verschärfen, führt nicht zu mehr Sicherheit.“ Die Vorschläge
zum Ausbau von Prävention seien zudem wenig glaubhaft angesichts der
bevorstehenden Kürzungen in dem Bereich.
Jamuna Oehlmann von der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter
Extremismus (BAG Relex) begrüßte grundsätzlich, dass Prävention und
Deradikalisierung Teil des Maßnahmenpakets sind. Sie stellte allerdings ein
Ungleichgewicht zugunsten von Strafrecht, Kontrolle und Gefahrenabwehr
fest: „Das kann notwendig sein, setzt aber überwiegend dort an, wo
Radikalisierung bereits weit fortgeschritten ist.“
Zivilgesellschaftliche Prävention setze früher an und erreiche Menschen,
Familien und Communities, bevor sie überhaupt zum Fall für
Sicherheitsbehörden werden, so Oehlmann. Auch begrüße man Ansätze zu
digitaler Prävention und die Einbindung muslimischer Akteure, sagte
Oehlmann: „Wer nah an den Lebenswelten junger Menschen arbeitet, erkennt
neue Radikalisierungstrends früh und kann Prävention entsprechend
weiterentwickeln.“
16 Sep 2026
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