# taz.de -- Linke will Kiezkantine: Kein Champagner für alle
> Im Kreuzberger Spumante testet die Linke vor der Abgeordnetenhauswahl die
> Kiezkantine. Essen gibt es für 3 Euro – aber nur so lange der Vorrat
> reicht.
(IMG) Bild: Elif Eralp will mehr Kiezkantinen wie das Sozialrestaurant in der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg
Am Samstag standen Wirsingrouladen auf dem Speiseplan, Sonntag
Spinatknödelchen mit Salbeibutter, Montag Feta Saganaki mit Reis und am
Dienstag Manti. Doch am Dienstag um 13 Uhr sind die türkischen Teigtaschen
bereits ausverkauft. „Essen ist alle“, verkündet eine handgeschriebene
Notiz am roten Türrahmen des Spumante in Kreuzberg. Eigentlich sollte es in
der [1][Pilot-Kiezkantine] in der Woche vor der Abgeordnetenhauswahl
täglich von 12 bis 15 Uhr eine warme Mahlzeit für 3 Euro geben. Aber: „Alle
finden es so toll, dass das Essen jeden Tag früher ausgeht“, berichtet eine
Mitarbeiterin.
Das „Familienunternehmen seit 2023“ in der Reichenberger Straße ist sonst
für seine frittierten Calamaris und Pommes bekannt – und das Highlight
(nach dem Maggi-Ei): Sekt aus dem Hahn. Im Kiezkantinenmenü ist der
allerdings nicht enthalten. Champagner für alle würde wohl selbst unter
einer Regierenden Bürgermeisterin Elif Eralp Utopie bleiben.
Finanziert wird die Pilot-Kiezkantine im Spumante von der Linkspartei.
Sollte Spitzenkandidatin Eralp Bürgermeisterin werden, will die Partei das
Konzept langfristig auf ganz Berlin ausweiten. Bereits Ende August hatte
die Partei eine Woche lang eine Pilot-Kiezkantine auf dem Zickenplatz
aufgebaut, wo Eralp höchstpersönlich Kartoffelpüree mit roter Schürze
verteilte.
Das Konzept der Linke sieht so aus: [2][In jedem Bezirk soll eine
öffentlich finanzierte Kiezkantine aufgebaut werden], die täglich warme,
gesunde Mahlzeiten anbietet, von denen die günstigste immer 3 Euro kostet.
Dafür sollen bestehende Kantinenangebote ausgebaut und auch neue eröffnet
werden, etwa in öffentlichen Verwaltungen oder Stadtteilzentren. Das
langfristige Ziel ist der Aufbau eines landeseigenen Betriebs. Der Fokus
liegt auf den 24 Berliner Großsiedlungen, in denen besonders viele
Rentner*innen und Menschen mit geringem Einkommen wohnen, etwa
Siedlungen in Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf oder Südneukölln.
Finanziert werden soll der Aufbau und Betrieb von zunächst 20 Kiezkantinen
mit 19 Millionen Euro pro Jahr.
## Kantinen gegen die Einsamkeit
[3][Die Kiezkantinen sollen gleich zwei Probleme angehen: die gestiegenen
Lebensmittelpreise und die grassierende Einsamkeit.] Im gehypten Spumante,
in dem im Sommer kaum Plätze zu ergattern sind, vor lauter Negroni
schlürfenden Kreuzberger Yuppies, kommt zur Kiezkantine ein sehr gemischtes
Publikum, erzählt Helene Gottwald. Sie betreibt das Spumante gemeinsam mit
ihrer Schwester. Einige Familien und ältere Menschen seien direkt um 12 Uhr
da, es kämen viele Nachbar*innen und Linken-Genoss*innen. An einem Tisch
döst ein Mann mit olivgrüner Che-Guevara-Mütze und „Palestine“-Schal, an
einem anderen trinken zwei Mädels Limonade.
Wer nach 13 Uhr kommt, geht leer aus. Immerhin gibt es in der Nähe genug
Alternativen, um für wenig Geld satt zu werden. Bei Bilgisaray in der
Oranienstraße gibt es jeden Dienstag ab 17 Uhr Küfa, beim [4][Heilen Haus]
in der Waldemarstraße jeden Mittag die „Küche für alle“. Private Küfas
können Lücken füllen, doch die Berliner Linke findet: Essen soll zumindest
teilweise entprivatisiert und zur öffentlichen Daseinsvorsorge werden.
16 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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Eralp.