# taz.de -- Kiezkantinen in Berlin: Her mit dem veganen Essen
> Die Linkspartei in Berlin will 20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem
> Essen aufbauen. Das wäre öffentliche Daseinsvorsorge und Einsatz für
> Klimaschutz.
(IMG) Bild: Sieht aus wie ein normaler Bagel, schmeckt wie ein normaler Bagel und ist ein veganer Bagel
Ernährung ist politisch: Sie betrifft Gesundheit, Klimaschutz und diverse
Gerechtigkeitsfragen vom Umgang mit Tieren bis zur steigenden
Ernährungsarmut. Doch viele Politiker:innen meiden das Thema. Das ist
auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen: Wenn
Weidel schreit, sie lasse sich ihr Schnitzel nicht wegnehmen oder Söder
gegen ein Fleischverbot kämpft, das niemand fordert, soll Essen als
Ausdruck individueller Freiheit erscheinen.
Aber das ist ein Mythos. Was wir essen, bestimmen nicht allein persönliche
Vorlieben. Zugang, Angebot, Preise prägen unsere Entscheidungen – die
Forschung spricht von „Ernährungsumgebungen“. Politik gestaltet sie längst
– und könnte sie so umgestalten, dass gutes Essen für alle leichter wird.
Ein besonders spannender Vorschlag kommt von der Berliner Linkspartei im
aktuellen Wahlkampf: Sie will 20 Kiezkantinen aufbauen, die staatlich
geförderte Mahlzeiten servieren. Das würde Ernährung teilweise
entprivatisieren und als öffentliche Daseinsvorsorge behandeln.
Kiezkantinen könnten Ernährungsarmut und Einsamkeit bekämpfen sowie
Gesundheit, Klimaschutz und Gerechtigkeit stärken.
Entscheidend ist allerdings ihre Ausgestaltung. In den Kantinen
Tierprodukte anzubieten und damit zusätzlich zu subventionieren, wäre
kontraproduktiv. Im aktuellen Konzept steht als Ziel
[1][„pflanzenbasiert“], es ist von einer Mindestquote pflanzlicher
Lebensmittel die Rede. Bei einer Pilot-Kiezkantine im August in Kreuzberg
kam das vegetarisch-vegane Angebot gut an.
Noch besser wäre ein komplett pflanzliches Angebot. Angesichts der
[2][tierproduktlastigen Durchschnittsernährung] braucht es den Ausgleich
mit gesundem Gemüse und Hülsenfrüchten. Ob und wie die Kiezkantinen
Realität werden, zeigt sich erst nach der Wahl am 20. September. Gelingt
das Projekt, könnte es über Berlin hinaus strahlen: Die Probleme, auf die
es antwortet, gibt es überall.
14 Sep 2026
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(DIR) Friederike Schmitz
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