# taz.de -- VVN-BdA und Gemeinnützigkeit: Wer hat was gegen Antifaschismus?
> Die Attacken des Berliner Finanzamts auf die VVN-BdA löst viel
> Solidarität aus. Ungeklärt ist, ob CDU-Kandidat und Finanzsenator Stefan
> Evers etwas damit zu tun hat.
(IMG) Bild: Wahlkämpfer Stefan Evers (CDU) räumt auf – vielleicht ein bisschen zu viel?
Seit die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA erneut auf dem Spiel steht, reißt die
Solidarität mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der
Antifaschist:innen nicht ab. Fast 50.000 Menschen haben inzwischen
eine Petition mit dem Titel [1][„Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben“]
unterschrieben, die der Verein, unterstützt von Campact, vor knapp zwei
Wochen gestartet hat.
Die VVN-BdA ist die älteste antifaschistische Organisation der
Bundesrepublik. Anfang September wandte sich die Vereinigung [2][an die
Öffentlichkeit], weil ihr das Berliner Finanzamt eine „unzulässige
politische Betätigung“ vorwirft und ihre Gemeinnützigkeit infrage stellt.
Explizit bezieht sich die Behörde dabei auf die „aktuelle Kampagne zum
AfD-Verbot“ der VVN-BdA. Ein Entzug der Gemeinnützigkeit würde wohl
erhebliche Steuernachzahlungen bedeuten und die Arbeitsfähigkeit der
Vereinigung infrage stellen.
Seither haben sich zahlreiche Organisationen solidarisiert, etwa [3][die
Allianz „Rechtssicherheit für politische Willensbildung“,] ein
Zusammenschluss aus 230 zivilgesellschaftlichen Initiativen, sowie [4][der
Holocaust-Überlebende Ernst Grube], der auch im Präsidium der
Lagergemeinschaft Dachau sitzt. „Dass rechtsradikale Presse solches
Vorgehen von Finanzbehörden lauthals fordert, ist Teil deren
Hasspropaganda; dass das Finanzamt Berlin das befolgt, ist ein Skandal“,
schreibt Grube in seinem Statement.
Der 93-jährige jüdische Überlebende des Ghettos Theresienstadt bezog sich
damit auf eine wochenlange Kampagne von Rechtsaußenmedien wie Apollo News
im Vorfeld der Widersetzen-Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag im Juli,
die der VVN-BdA unter anderem vorwarf, das Spendenkonto von Widersetzen zu
verwalten. Der VVN-BdA zufolge wurde das Finanzamt aus diesem Umfeld mit
Anfragen bombardiert – und hat dann offenbar die Arbeit aufgenommen.
## Welche Rolle hatte Stefan Evers?
Ungeklärt bleibt dabei die Rolle von Stefan Evers, dem Spitzenkandidaten
der CDU für die Wahlen am Sonntag. Evers ist als amtierender Finanzsenator
für die Steuerbehörde politisch verantwortlich. Die Welt hatte Anfang Juli
unter Verweis auf eine Quelle in der Finanzverwaltung berichtet, Evers
Verwaltung habe die Sonderprüfung bei der Steuerbehörde „veranlasst“.
Seit Bekanntwerden dieser Vorwürfe verwiesen Evers Pressesprecher sowie die
Pressestelle der Senatsfinanzverwaltung gegenüber der taz auf das
Steuergeheimnis, weshalb sich weder Evers noch die Behörde überhaupt zu dem
Fall äußern könnten. Am Mittwoch nun dementierte Evers erstmals die
Vorwürfe, es habe eine politische Weisung an die Finanzämter gegeben. „Das
ist völliger Quatsch“, sagte er am Rande eines „Bürgergrillens“ im
Stadtrandviertel Bohnsdorf der taz.
Er werde vom Finanzamt über Steuerfälle von besonderer Bedeutung
informiert. „Doch ich werde einen Teufel tun, mich in die Arbeit der
Finanzämter einzumischen“, so Evers. Diese würden in Deutschland „aus gutem
Grund nicht politisch geführt“. Er habe „vollstes Vertrauen“, dass im
Finanzamt stets der Grundsatz „gleiches Recht für alle“ gelte und dass die
Beamt:innen „bei ihrer Arbeit keine politischen Motive verfolgen“, sagte
er.
In der Welt hieß es dagegen, es gebe „innerhalb der Berliner
Landesregierung“ starke Zweifel an der Gemeinnützigkeit der VVN-BdA – diese
Formulierung wies offenkundig auf Stefan Evers hin. Tatsächlich sind
Finanzbehörden zur Gleichbehandlung verpflichtet, weshalb sie nicht aus
politischen Motiven tätig werden dürfen. Eine Einmischung wäre daher für
Evers rechtlich heikel.
## Solidarität auch in der Politik
Auch für die Grünen sind noch nicht alle Fragen geklärt – und auf sie wäre
Evers bei einer möglichen Koalitionsbildung angewiesen. Ario Mirzaie,
Parteisprecher für den Kampf gegen Rechtsextremismus, sagte der taz, die
CDU und Evers hätten „in der Vergangenheit immer wieder ein problematisches
Verhältnis zur Zivilgesellschaft offenbart“, etwa in der Fördergeldaffäre
oder beim Umgang mit der rassistischen Hetzkampagne gegen das Schwimmevent
des Vereins Eoto und der Volksbühne.
Evers müsse deshalb „erklären, ob in der Sache Einfluss auf die Arbeit des
Finanzamtes genommen wurde oder nicht“, so Mirzaie. Klar sei, dass
Antifaschismus kein Steuerrisiko sein dürfe – und dass man der VVN-BdA
nicht vorwerfen könne, für ein AfD-Verbot einzutreten. „In der
Auseinandersetzung mit rechtsextremen Parteien kann es keine Neutralität
geben“, so Mirzaie. Zwei SPD-Fraktionssprecher ließen eine Anfrage der taz
unbeantwortet.
In der VVN-BdA lässt man sich derweil nicht unterkriegen. „Wir wollen den
Druck erhöhen“, sagte Cornelia Kerth zur taz, die Bundessprecherin der
VVN-BdA. Über den „sehr schnellen Zuspruch“, den die Solidaritätspetition
erzielt habe, sei man „sehr erfreut“. In dieser Zeit der Wahlerfolge der
AfD und zunehmender Anfeindungen von radikal Konservativen auf
zivilgesellschaftliche Initiativen sei die Reaktion mehr als bloße
Symbolik, erklärte sie. Und betonte, dass das Finanzamt sich „zum
Erfüllungsgehilfen im AfD-Umfeld“ mache.
Nun wolle man noch stärker darauf hinarbeiten, in der gesellschaftlichen
Mitte Unterstützung zu gewinnen. Kerth erinnert daran, dass sich die
VVN-BdA in der Bundesrepublik behaupten müsse, seit die Vereinigung 1947
von Auschwitzüberlebenden und Widerstandskämpfer:innen gegründet
wurde. Das sei auch „ein Auftrag“.
17 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://weact.campact.de/petitions/antifaschismus-muss-gemeinnutzig-bleiben
(DIR) [2] /Nach-Blockaden-gegen-AfD-in-Erfurt/!6209014
(DIR) [3] https://www.zivilgesellschaft-ist-gemeinnuetzig.de/ueber-uns/
(DIR) [4] https://vvn-bda.de/im-besten-sinn-gemeinnuetzig-erklaerung-von-ernst-grube-zum-angedrohten-entzug-der-gemeinnuetzigkeit-der-vvn-bda/
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
(DIR) Andreas Speit
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