# taz.de -- Ölkrise durch Irankrieg: Merz will Autofahrer entlasten
> Wegen der hohen Spritpreise verspricht der Kanzler Entlastungen. Eine
> Übergewinnsteuer oder eine Wiederbelebung des 9-Euro-Tickets lehnt die
> CDU ab.
(IMG) Bild: Die Spritpreise an deutschen Tankstellen sind zuletzt immer weiter gestiegen
Friedrich Merz will Autofahrer:innen an der Zapfsäule entlasten. Vor
allem für Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen seien, sei „eine
Belastungsgrenze erreicht“, sagte der Bundeskanzler am Dienstag bei einer
Veranstaltung des Außenhandelsverbands BGA in Berlin. „Ich bin der Meinung,
dass wir handeln müssen.“
Wie genau er handeln will, konnte der CDU-Politiker am Dienstag noch nicht
sagen. Das „genaue Instrumentarium“ werde noch ausgelotet, innerhalb der
Bundesregierung und mit den Bundesländern. „Sehr bald“, versprach der
Kanzler, gebe es einen Vorschlag.
Die Spritpreise an deutschen Tankstellen sind zuletzt immer weiter
gestiegen. Laut ADAC kostete ein Liter der Superbenzinsorte E10 am Montag
im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,286 Euro – mehr als je zuvor und gut 1
Cent mehr als am Vortag. Der Preis für einen Liter Diesel lag bei 2,412
Euro, nur wenige Cent unter dem bisherigen Höchstwert.
Der Hintergrund: Seit die Regierungen der USA und Israels im Februar Krieg
gegen das iranische Regime begonnen haben, steht der Weltmarkt für Rohöl
unter Druck. Die Straße von Hormus, wichtiger Seeweg für Öl- und
Gastransporte von den Golfstaaten aus, ist seither praktisch blockiert. Wie
viele Tanker und Frachter die Meerenge täglich passieren können, ist
unklar; kürzlich vermeldete die Weltschifffahrtsorganisation IMO, dass noch
immer rund 400 Schiffe im Persischen Golf feststecken.
## Mineralölkonzerne nutzen die Krise
Iranische Streitkräfte greifen immer wieder Energieinfrastruktur in den
Golfstaaten an, US-Militär wiederum zerstörte erst vor wenigen Tagen fünf
iranische Öltanker. Eine weitere wichtige Transportroute, die [1][Meerenge
Bab al-Mandab] im Roten Meer, wird seit der vergangenen Woche offenbar von
der Huthi-Miliz in Jemen kontrolliert.
Die Folge: Weltweit ist weniger Rohöl verfügbar, was den Ölpreis in die
Höhe treibt. Weil Deutschland Öl und Flüssiggas vor allem aus anderen
Weltregionen bezieht, sind die fossilen Treibstoffe hier bisher zwar nicht
knapp, wohl aber teurer geworden. Das trifft nicht nur private
Autofahrer:innen, sondern auch Transporteure in der Industrie.
Mineralölkonzerne nutzen die Krise und verteuern Benzin und Diesel
zusätzlich – [2][laut der Umweltorganisation Greenpeace] strichen die
Konzerne auf dem deutschen Tankstellenmarkt etwa im Juli 976 Millionen Euro
zusätzliche Gewinne ein, mehr als je zuvor.
Wirtschaftsvertreter:innen und Boulevardmedien werfen derweil auch
dem Staat immer wieder vor, an der Krise zu verdienen. Das stimme jedoch
nicht, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministers Lars Klingbeil (SPD) am
Montag: Die Energiesteuer, die der Bund zum Beispiel beim Verkauf von
Benzin und Diesel einnimmt, liege fix bei 65,45 Cent pro Liter bei Benzin
und 47,04 Cent pro Liter bei Diesel, unabhängig vom Verkaufspreis.
Die Mehrwertsteuer werde prozentual erhoben, die Einnahmen daraus steigen
also theoretisch mit höheren Preisen. Allerdings [3][sank im ersten
Halbjahr dieses Jahres besonders der Dieselabsatz], vermutlich gerade wegen
der höheren Preise – die geringere Verkaufsmenge habe die potenziell
zusätzlichen Steuereinnahmen wettgemacht.
## Klingbeil will Übergewinnsteuer
„Der Impuls, die Menschen bei steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten,
ist richtig“, sagte nun Lena Donat, Mobilitätsexpertin bei Greenpeace,
nachdem Bundeskanzler Merz Entlastungen versprochen hatte. „Pauschale
Steuersenkungen aber wären der falsche Weg.“ Donat schlägt vor, die
Übergewinne der Ölkonzerne abzuschöpfen und damit beispielsweise den Preis
des Deutschlandtickets wieder auf 9 Euro zu senken. „Das entlastet
Haushalte spürbar und senkt zudem den Spritverbrauch.“
Finanzminister Klingbeil will sich auf EU-Ebene für eine Übergewinnsteuer
starkmachen. Bislang lehnt die Union den Vorschlag allerdings weitgehend
ab. Genauso wehrt sie sich bisher gegen einen Spritpreisdeckel, wie es ihn
etwa in Belgien gibt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)
forderte am Dienstag: Der Staat solle auf der Grundlage des Rohölpreises
sowie der Transport- und Vertriebskosten einen Höchstpreis für Kraftstoff
festlegen und so die Kosten für Abnehmer:innen deckeln.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will hingegen besonders
betroffene Menschen gezielt mit Direktzahlungen entlasten – überraschend
angesichts der Tatsache, dass die CDU stets gegen das Klimageld, einen
Vorschlag der Ampelregierung mit ähnlicher Wirkung, gewettert hatte. So
hält nun auch Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung, „gezielte Entlastungen etwa über ein Mobilitätsgeld
oder ein Klimageld“ für sinnvoll.
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Meerenge-Bab-al-Mandab/!6212764
(DIR) [2] https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/oelausstieg/krieg-im-iran-teure-benzinpreise-uebergewinne-der-oelkonzerne
(DIR) [3] https://www.agora-energiewende.de/daten-tools/halbjahresbilanz-2026-deutschlands-treibhausgasemissionen-und-die-folgen-der-energiepreiskrise#c2942
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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