# taz.de -- Meerenge Bab al-Mandab: Huthis verschärfen die Ölkrise
> Die jemenitische Miliz hat die Meerenge Bab al-Mandab unter ihre
> Kontrolle gebracht. Das schränkt den Welthandel mit Öl weiter ein. Eine
> Lösung scheint nicht in Sicht.
(IMG) Bild: Schon länger umkämpft: die Meerenge Bab al-Mandab auf einem Wandgemälde in Jemens Hauptstadt Sanaa im März 2025
Die Angriffe der vom Iran unterstützten [1][jemenitischen Huthi-Rebellen]
auf eine wichtige saudische Pipeline und die Besetzung der Inseln an der
Meerenge Bab al-Mandab lassen die Ölpreise weltweit wieder deutlich
steigen. Denn die für den Welthandel wichtige Meerenge, die den Golf von
Aden mit dem Roten Meer verbindet, war eine seit dem Irankrieg ausgebaute
Umgehung der weitgehend gesperrten Straße von Hormus im Persischen Golf.
Auch wenn am Sonntag der Ölpreis wieder etwas nachgab, scheint er sich
jetzt oberhalb der 100-Dollar-Marke pro Barrel (je 159 Liter) festzusetzen.
Denn die Internationale Energieagentur (IEA) hat gerade ihre Prognose für
das weltweite Ölangebot im Jahr 2026 um weitere 1,4 Millionen Barrel pro
Tag nach unten korrigiert. Sie rechnet nun mit einem Einbruch des
Ölangebots um 5,7 Millionen Barrel täglich, da sich die Erholung am Golf
nun auf 2027 verschieben werde.
Verschärft wurde die Lage durch den sich ausweitenden Bürgerkrieg im Jemen:
Dort setzt die mit Iran verbündete Huthi-Miliz ihren Vormarsch fort und
verschärft ihre Angriffe auf Saudi-Arabien. Die von Riad unterstützten
jemenitischen Regierungstruppen meldeten am Sonntag Angriffe auf
Huthi-Stellungen im Südwesten des Jemen. Huthi-Militärsprecher Jahja Saree
schrieb hingegen am Sonntag im Onlinedienst X, die Miliz habe den
Armeestützpunkt Scharurah im Süden Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen
angegriffen.
Die Huthis kontrollieren bereits weite Teile Jemens, darunter die
Hauptstadt Sanaa. Zuletzt hatten die sich selbst „Helfer Allahs“ nennenden
schiitischen Rebellen strategisch wichtige Inseln am Bab al-Mandab besetzt
und [2][den Hafen von Mokka am Roten Meer eingenommen]. Dadurch können
saudische Tanker nicht mehr sicher in den Golf von Aden und damit weiter
nach Indien oder China fahren.
## Meerenge Bab al-Mandab war Alternativroute für die geschlossene Straße
von Hormus
Diese Route hatte der weltgrößte Ölkonzern Saudi-Aramco nach der Schließung
der Straße von Hormus durch Iran ausgeweitet. Dazu wurde die 1982 erbaute
East-West-Pipeline vermehrt genutzt: Hatte das Königreich bisher durch
diese Ost-West-Route den Westteil des Landes mit täglich 2 Millionen Barrel
Rohöl aus dem ölreichen Osten versorgt, so wurden seit der Schließung der
Straße von Hormus weitere 5 Millionen Barrel pro Tag zum Hafen Yanbu
gepumpt; zur Verschiffung vom Roten Meer aus. 70 Prozent seiner Exporte
hatte Aramco so [3][umgeleitet].
Nach Angriffen am Wochenende wurde der Betrieb der Pipeline eingestellt.
Das saudische Rohölangebot brach bereits Ende August auf nur noch 6
Millionen Barrel pro Tag ein – den niedrigsten Stand seit mehr als drei
Jahrzehnten. Die IEA sieht dramatische Folgen: „Die Ölexporte aus den
Golfstaaten lagen im August bei etwa 13 Millionen Barrel pro Tag – nur etwa
die Hälfte des Vorkriegsniveaus“, heißt es in ihrem jüngsten Marktbericht.
IEA-Direktor Fatih Birol sprach bereits vor der De-facto-Schließung des
Roten Meeres zumindest für saudische Tanker von der „größten
Energiesicherheitskrise, die die Welt jemals erlebt hat“. Iran und seine
Verbündeten haben nun Kontrolle über zwei der wichtigsten Handelsengpässe
der Welt. Die Belastung für die Weltwirtschaft, die auf die
Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs nun folgt, dürfte sich laut
Energiefachleuten weiter verschärfen.
Rebecca Babin, eine der führenden Ölanalystinnen der Welt von der
Investmentgesellschaft CIBC Private Wealth, erklärte, die Schließung der
Straße von Hormus sei „bereits eine beispiellose Versorgungsstörung“
gewesen. „Doch die Preise blieben erstaunlich stabil, weil der Markt
Umgehungslösungen fand – etwa durch Umleitung von Öl durch das Rote Meer
und Bab al-Mandab.“
## Ölindustrie bereitet sich auf jahrelangen Krieg vor
Nun ist auch der Bab al-Mandab zumindest für den weltgrößten Ölexporteur
dicht. Und die Ölindustrie bereitet sich auf einen jahrelangen Krieg
zwischen den USA und Iran vor, mit Ölpreisen, die voraussichtlich länger
auf hohem Niveau bleiben werden. Zudem trägt nicht nur der hohe Preis für
Rohöl allein dazu bei, sondern unter anderem auch Frachtkosten für den
Transport von Rohöl und Versicherungskosten.
Es gibt nur zwei Hoffnungen: Die IEA rechnet damit, dass der weltweite
Ölverbrauch in diesem Jahr um 2,5 Millionen Barrel täglich sinken wird. Und
China könnte seinen Öldurst möglicherweise noch schneller eindämmen als
geplant, unter anderem, indem es sein Ziel von 70 Prozent Elektroautos
bereits vor 2030 erreichen könnte. Im August waren bereits 65 Prozent der
in der Volksrepublik verkauften Autos elektrisch.
Bab al-Mandab ist 26 Kilometer breit und wird täglich von Tankern mit 6,2
Millionen Barrel Öl und Raffinerieprodukten durchfahren (sowie von etwa 80
Prozent des nach Norden in Richtung Europa transportierten
Flüssigerdgases). Durch die Straße von Hormus kamen ohne Sperrung etwa ein
Viertel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen.
13 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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