# taz.de -- Repressionen im Iran: Auf der Welle des Krieges reiten
> Im Konflikt zwischen Iran und den USA gibt es weiter keine Lösung – das
> iranische Regime geht derweil repressiver gegen
> Regimekritiker:innen vor.
(IMG) Bild: Weltweit fordern Regimegegner:innen ein Ende der Repressionen, auch hier bei der Fußball WM 2026
Über sechs Monate sind seit dem Beginn des Konflikts zwischen Iran und den
USA vergangen – ein Krieg, von dem viele erwarteten, er würde innerhalb
weniger Tage mit dem Sturz des iranischen Regimes enden. Doch eine im Juni
vereinbarte Waffenruhe ist längst gescheitert, die Kämpfe eskalieren wieder
– und mit ihnen verschlechtert sich die Situation der politischen
Gefangenen.
Ein ehemaliger politischer Gefangener, der in Iran lebt und hier Amir
genannt wird, erklärt gegenüber der taz: „Der Krieg hat sich direkt auf die
Zahl der Neuzugänge in den Gefängnissen ausgewirkt. Allein heute gab es im
Gefängnis von Maschhad vier neue politische Gefangene, deren Fälle direkt
mit dem Krieg zusammenhängen.“
Laut Amir wurden diese Personen wegen geringfügiger Anlässe festgenommen,
etwa wegen des Teilens von Instagram-Stories zum Thema Krieg. „Diesen
Menschen wird monatelang jeglicher Kontakt zur Außenwelt verwehrt, und ihre
Verfahren werden nicht bearbeitet.“
Einst, während des Krieges zwischen Iran und Irak in den 1980er-Jahren,
erklärte Ruhollah Khomeini, der erste Oberste Führer des Regimes: „Der
Krieg ist ein Segen.“ Viele Oppositionskräfte deuteten diesen Satz als
Zeugnis dafür, dass der Krieg als Instrument dient, um innere Kritiker zu
unterdrücken. Profitiert das Regime in Iran nun erneut von diesem „Segen“?
## „Schwerwiegendste Welle von Hinrichtungen“
Der Druck des Regimes auf die Bevölkerung in Iran hat tatsächlich drastisch
zugenommen. Die Repressionen treffen vor allem politische Gefangene und
Regimekritiker:innen. Menschenrechtsorganisationen berichten täglich über
neue Festnahmen. Die Verhängung von langen Haftstrafen und Todesurteilen
ist spürbar gestiegen, während sich die alltäglichen Lebensbedingungen
politischer Gefangener weiter verschlechtert haben.
Ahmad-Reza Radan, Kommandeur der Polizeikräfte in Iran, gab am 17. April
bekannt, dass [1][innerhalb von drei Kriegsmonaten 6.500 iranische
Staatsbürger:innen festgenommen] worden seien. Er bezeichnete diese
Personen als „Landesverräter:innen und Spion:innen“.
Nach Angaben der in Iran ansässigen Organisation Iran Human Rights wurden
allein im Jahr 2026 in Iran bis Ende August 532 Menschen hingerichtet,
darunter 71 Personen wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit der nationalen
Sicherheit. Die Organisation führte diese Entwicklung direkt auf den
Kriegsausbruch zurück und sprach von der „schwerwiegendsten Welle von
Hinrichtungen aus politischen und sicherheitsbezogenen Gründen in den
letzten drei Jahrzehnten“.
Das [2][Regime in Iran] hat stets versucht, die Hinrichtung von Gefangenen
als Mittel zur Verbreitung von Angst und Schrecken in der Bevölkerung –
insbesondere unter den politischen Gefangenen – einzusetzen. Die
Hinrichtungswelle stieg mit dem Beginn der [3][„Frau, Leben,
Freiheit“-Bewegung] vor vier Jahren sprunghaft an und hielt bis zu den
Protesten Anfang 2026 an. Doch der Krieg hat nun dazu geführt, dass die
Zahl der Exekutionen erneut massiv angestiegen ist.
## Haftbedingungen haben sich verschärft
Esmail Abdi, ehemaliger politischer Gefangener und Gewerkschaftsaktivist
der Lehrerbewegung, sagt der taz: „Berichte dokumentieren Kontaktsperren zu
Familien, Verlegungen an unbekannte Orte, Verweigerung medizinischer
Versorgung, Einschränkungen bei Besuchsrechten und eine Verschärfung des
Repressionsdrucks. Gleichzeitig haben willkürliche Festnahmen, unfaire
Prozesse und die Verhängung sowie Vollstreckung harter Strafen –
einschließlich der Todesstrafe – massiv zugenommen.“
Amir, der bereits vor Kriegsbeginn inhaftiert war, berichtet von den
direkten Folgen des Konflikts im Gefängnisalltag. Seit Kriegsbeginn
verzögern sich Gerichtsverfahren, während politische Gefangene verstärkt
unter Druck geraten. Mitgefangene machen sie zunehmend für den Krieg und
ihre eigenen Probleme verantwortlich.
Zudem haben sich die Haftbedingungen weiter verschärft: Viele Bedienstete
blieben nach dem Angriff auf das Evin-Gefängnis aus Angst der Arbeit fern,
die medizinische Versorgung wurde erschwert und die Lebensmittelpreise
stiegen. In Ghezelhesar dürfen Gefangene nur wenige Minuten pro Woche mit
ihren Familien telefonieren. Kritische Äußerungen können zum Entzug des
Telefonrechts oder zur Einzelhaft führen.
Während sich die Bedingungen für politische Gefangene in Iran im Schatten
des Krieges von Tag zu Tag verschlechtern, zeigt das iranische Regime eine
unentschuldbare Härte bei der Unterdrückung politischer Gefangener.
Gleichzeitig lassen die USA und Israel bis heute keinen Plan erkennen, wie
dieser Krieg beendet werden soll. Vor diesem Hintergrund steht zu
befürchten, dass iranischen Bürger:innen unter dem Vorwurf von
„Landesverrat und Spionage“ noch mehr Festnahmen, härtere Urteile und
weitere Hinrichtungen bevorstehen.
14 Sep 2026
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