# taz.de -- Debatte um Spritpreise: Deutschland mietet sich arm
> Bei hohen Spritpreisen wird die Politik sofort aktiv. Doch bei den hohen
> Mieten wäre ein entschiedenes Vorgehen viel, viel wichtiger.
(IMG) Bild: Gefangen in der Mietenfalle: Hohe Mieten sind längst kein Problem mehr nur der Großstädte, sondern auch der ländlichen Gebiete
Die deutsche Politik ist in Aufruhr. Wegen der [1][hohen Spritpreise].
Expert:innen befürchten, dass der Preis für einen Liter Sprit auf über 3
Euro klettern könnte. Forderungen nach einem Spritpreisdeckel wurden längst
laut. Am Dienstagmorgen titelte der Spiegel „Deutschland tankt sich arm“.
Am Dienstagmittag stellte Bundeskanzler Friedrich Merz bereits Entlastungen
in Aussicht, und sogar CSU-Chef Markus Söder ist bereit, über eine
Übergewinnsteuer nachzudenken.
Über diesen eiligen Tatendrang lässt sich staunen. Oder auch den Kopf
schütteln.
Denn Deutschland mietet sich wesentlich ärmer, als es sich arm tankt.
[2][Die hohen Mieten sind hierzulande der zentrale Treiber für den realen
Wohlstandsverlust], der seit Jahrzehnten vonstattengeht, und für eine
stetig wachsende Vermögensungleichheit.
Laut einer Berechnung des Ifo-Instituts aus dem vergangenen Jahr sind seit
2013 die Neuvertragsmieten in den Großstädten Berlin, Hamburg, München,
Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf um 75 Prozent gestiegen –
also dort, wo die Mieten schon damals hoch waren. In den untersuchten
Städten müssen einkommensschwächere Haushalte oder Singles inzwischen fast
die Hälfte ihres Einkommens für die Miete ausgeben.
Hohe Mieten und Immobilienpreise sind aber längst kein Problem mehr nur der
Großstädte, sondern auch der ländlichen Gebiete. Eine Analyse des
Bundesbauministeriums bezogen auf Niedersachsen zeigt, dass auch im
ländlichen Raum die Angebotsmieten seit 2021 über 10 Prozent angezogen
haben. Bezahlbare Mieten sind also bei Weitem keine Klientelpolitik für
Großstädter.
## Deutschland hat EU-weit die höchste Mietquote
Zumal sich eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe anbahnt. Denn
Deutschland ist ein Mieterland, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der
Deutschen muss Miete zahlen, die Wohneigentumsquote ist mit 43,5 Prozent
auf einem historischen Tiefstand, wie eine am Montag veröffentlichte Studie
des Pestel-Instituts zeigte. Deutschland, die größte Volkswirtschaft der
EU, ist damit der Mitgliedstaat mit der höchsten Mietquote. Bei den 25- bis
45-Jährigen wohnen fast 75 Prozent zur Miete.
Eine hohe Mietquote treibt die Mietpreise zusätzlich nach oben. Gleich aus
mehreren Gründen: Wer hohe Mieten zahlen muss, ist eher gewillt, zu kaufen,
die Nachfrage für Kaufimmobilien steigt und damit die Preise, ergo sinkt
die Möglichkeit für viele, sich etwas zu kaufen, sie bleiben also
gezwungen, hohe Mieten zu zahlen. Zugleich können für Immobilien, mit denen
hohe Mieten eingenommen werden können, höhere Kaufpreise verlangt werden.
Und wer dann einen hohen Kaufpreis für eine Wohnung zahlt, die er vermieten
will, verlangt wiederum hohe Mieten, damit es sich rentiert.
All das erhöht also die Mieten. Was Menschen wiederum erschwert oder
verunmöglicht, selbst Eigenkapital für einen Immobilienkauf anzusparen oder
etwas fürs Alter zurückzulegen. Nur: Das Rentenniveau hierzulande reicht
nicht für hohe Mietzahlungen im Alter. Schon heute ist Altersarmut ein
großes Problem, bei zukünftigen Generationen wird sie jedoch ins
Unermessliche steigen, wenn die Politik das Mietenproblem nicht in den
Griff bekommt.
## Auch hohe Mieten sind schlecht für die Wirtschaft
Klar, hohe Benzinpreise sind schlecht für die Wirtschaft und treiben die
Preise für alles nach oben. Hohe Mieten aber ebenso. Sie gehen mit hohen
Gewerbemieten einher, die auf die Preise umgelegt werden. Sie machen
Unternehmensgründungen risikoreicher. Der Arbeitsmarkt erlahmt, weil
Menschen nicht mehr umziehen können. Und sie haben weniger Geld zur
Verfügung, andere Geschäftsfelder können also weniger einnehmen. [3][Der
kürzlich veröffentlichte Report des Mieterbundes] zeigte, dass viele
Mieter:innen mittlerweile sogar an Essenziellem, wie gesunde
Lebensmittel oder Gesundheitskosten, sparen müssen – eine desaströse
Entwicklung.
Warum dann also keinen, analog zum Tankrabatt, [4][bundesweiten
Mietpreisdeckel]? Warum keine Steuererleichterungen oder Hilfszahlungen für
Neupreis-Mietende? Keine Übergewinnsteuer für Vermieter:innen, die mehr
kassieren, als die Mietpreisbremse hergeben würde?
Mit dem Blick auf die Debatte um die hohen Benzinpreise zeigt sich: Die
Politik könnte einiges tun, wenn sie denn nur wollte.
16 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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