# taz.de -- Benzingeld aufs Konto: Wie der Staat uns Geld zahlen kann
       
       > Seit Jahren wird über einen Auszahlungsmechanismus an Bürgerinnen und
       > Bürger geredet. Theoretisch ist der laut Ministerium fertig. Praktisch
       > fehlt aber noch etwas.
       
 (IMG) Bild: Geld verbrennen führt direkt in die Fossilbrennstoffhölle
       
       Seit Jahren geistert die Idee durch die Bundespolitik: Alle Bürger:innen
       könnten eine Entschädigung für hohe Energiekosten vom Staat erhalten.
       Jetzt, [1][wegen des teuren Benzins], ist der Vorschlag wieder en vogue.
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) spricht sich dafür aus,
       auch die Grünen, Umweltverbände und Ökonomen. Sollten Regierung und
       Bundestag das jetzt schnell beschließen, dauerte es aber wohl noch Monate,
       bis ein paar hundert Euro auf den privaten Konten einträfen.
       
       Die Vorbereitungen schreiten gemächlich voran, seit ein FDP-Politiker
       namens [2][Christian Lindner] Finanzminister der Ampelregierung war. Damals
       wurde über ein [3][Klimageld] diskutiert, eine sozial ausgerichtete
       Entschädigung für den steigenden Kohlendioxidpreis auf fossile Brennstoffe.
       
       Mittlerweile sei das technische Verfahren startklar, [4][sagt das
       SPD-geführte Finanzministerium.] Das Bundeszentralamt für Steuern verfügt
       über die Steuer-Identifikationsnummern aller Bürger:innen und kann mit
       ihnen die individuellen Kontonummern (IBAN) verknüpfen. Diese liegen jedoch
       meist gut gehütet bei den Finanzämtern der Bundesländer. Nur über ein
       Fünftel der IBANs verfügt das Zentralamt bis jetzt selbst.
       
       „Kein Problem“, heißt es im Finanzministerium. Die Leute wüssten sowieso
       selbst am besten, welche ihrer diversen Kontonummern die geeignete sei. Sie
       sollten ihre IBANs deshalb bitte ans Zentralamt melden – zum Beispiel mit
       Hilfe ihrer Bank oder per [5][Elster-Steuer-App]. Allerdings existiert noch
       keine Hotline, die entsprechende Fragen beantworten oder Hilfe leisten
       könnte. Und ein Gesetz für die Auszahlung hat der Bundestag auch noch nicht
       verabschiedet. Nächste Woche fließt also garantiert kein Geld.
       
       Wohlgemerkt geht es erst einmal darum, dass alle einen identischen Betrag
       von beispielsweise 250 Euro erhalten. Doch Wirtschaftsministerin Reiche
       möchte das Benzingeld lieber nur denen überweisen, die niedrige Einkommen
       erwirtschaften, es also wirklich brauchen. Auch die Grünen schlagen eine
       „sozial gestaffelte“ Auszahlung vor. Damit wird die Sache allerdings ein
       bisschen komplizierter.
       
       „Dafür sind umfassende Informationen über die Einkommensverhältnisse von
       Bürgerinnen und Bürgern notwendig, die nur den Steuerverwaltungen der
       Länder vorliegen“, gibt das Haus von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zu
       bedenken. Wie die Angaben zum Zentralamt für Steuern kommen, ist praktisch
       noch nicht geklärt. Und es braucht ein weiteres Gesetz, das der Bundestag
       ebenfalls nicht morgen beschließen wird.
       
       Derweil bekräftigte Reiche ihren Vorschlag von Direktauszahlungen zum
       Anfang des kommenden Jahres, wenn der Mechanismus „bis dahin hoffentlich“
       einsatzfähig sei. Subtext: Der SPD-Kollege Finanzminister solle sich
       beeilen. Gesetzentwürfe der Regierungsfraktionen sind freilich ebenso wenig
       bekannt. Auf den Nägeln zu brennen scheint das Problem der Koalition nicht.
       
       17 Sep 2026
       
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