# taz.de -- Zuwanderung von Fachkräften: Verlorene Zeit
       
       > Deutschland braucht dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Selbst die
       > Bundesregierung beteuert das oft – aber sie tut nichts dafür.
       
 (IMG) Bild: Auch im Rettungsdienst herrscht in Deutschland Fachkräftemangel
       
       Bei manchen Texten weiß man als Redakteur schon vorher, dass nur wenige
       Leute sie lesen werden. Alle Berichte, Analysen und Kommentare, die mit
       Fachkräftemigration zu tun haben, sind dafür ganz heiße Kandidaten. Wenn
       Sie das hier lesen, dann sind Sie also etwas ganz Besonderes!
       
       Aber im Ernst: Es ist verständlich, dass die Aufmerksamkeit der breiten
       Massen nicht auf der Einwanderung von Fachkräften liegt. Am Ende geht es um
       bürokratische Abläufe, Visaregelungen, Agenturen. Nicht so sexy, finden
       viele Leute – und das ist okay. Überhaupt nicht okay ist dagegen, dass auch
       die Bundesregierung sich nicht für das Thema interessiert. Denn
       Fachkräfteeinwanderung ist wichtig. Für die deutschen [1][Unternehmen etwa,
       die dringend qualifizierte Arbeitskräfte suchen.] Für die deutschen
       Sozialsysteme, die neue Beitragszahlende brauchen, es werden ja immer
       weniger Kinder in Deutschland geboren. Und natürlich besonders für die
       Menschen selbst, die kommen und sich hier ein Leben aufbauen (wollen).
       
       Aber [2][Schwarz-Rot scheint kaum Ambitionen zu haben, daran etwas zu
       ändern,] obwohl Wirtschaftswachstum und funktionierende Sozialsysteme der
       Regierung Merz doch angeblich ein Herzensanliegen sind. Wo die
       Ampelkoalition wenigstens noch kleinere Reformen in dem Bereich angepackt
       hat, etwa das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, [3][tut Schwarz-Rot fast
       nichts.] Gerade einmal Eckpunkte hat das Arbeits- und Sozialministerium
       bisher vorgelegt für die geplante Work-and-Stay-Agentur, die die
       Anwerbeprozesse beschleunigen und vereinfachen soll.
       
       Weitere Ziele haben sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag nicht
       einmal gesetzt. Und die Anwerbung von Arbeitskräften aus den Staaten des
       westlichen Balkans haben sie zuletzt sogar wieder deutlich stärker
       begrenzt. Dass sich an dieser Gleichgültigkeit der Regierung noch etwas
       ändert, darf man hoffen, muss es aber bezweifeln. Wenn es so weitergeht,
       dürfte das Vermächtnis dieser Bundesregierung in der Fachkräftepolitik vor
       allem in einem bestehen: verlorener Zeit.
       
       16 Sep 2026
       
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