# taz.de -- Kriminalität rund um den Görli: Was geben diese Zahlen her?
> Die Grünen haben Kriminalitätsstatistiken für die Kieze am Görlitzer Park
> angefordert. Belegen sie, dass die nächtliche Schließung die Umgebung
> unter Druck setzt?
(IMG) Bild: Die besten Zäune sind nachweislich die mit riesigen Löchern – sowohl in der Planung als auch in der Ausführung und Genehmigung
Von März bis Mai war der Park zu. Zwischen 22 und 6 Uhr durfte niemand den
Görli in Kreuzberg betreten, an den Toren des vom schwarz-roten Senat
errichteten Zauns wachte Security. Dann entschied das Berliner
Verwaltungsgericht: So nicht. Die Entscheidung, der so beliebten wie
umstrittenen Grünanlage Öffnungszeiten zu verpassen, habe der
Landesregierung nicht zugestanden. Die legte Beschwerde ein, das
Oberverwaltungsgericht prüft noch immer – und der Görli steht seitdem
wieder Tag und Nacht allen offen.
Den GegnerInnen von Zaun und Schließzeiten gibt das die Gelegenheit für
eine erste Auswertung: Ist in den drei Monaten im Frühjahr eingetreten,
wovor sie und viele AnwohnerInnen gewarnt haben – die Verdrängung von
Problemen aus dem Park in die umliegenden Kieze? Haben die Riegel vor den
Parktoren die Lage in dem von der Polizei definierten
„kriminalitätsbelasteten Ort (kbO) Görlitzer Park/Wrangelkiez“ nur noch
verschlimmert?
Der Grünen-Abgeordnete Vasili Franco hat eine Anfrage an den Senat
gestellt, Überschrift: „Straftaten im und um den Görlitzer Park – Was hat
der Zaun gebracht?“
Die Antwort der Senatsinnenverwaltung liegt der taz vor. Für Franco steht
nach Sichtung der darin enthaltenen umfangreichen Polizeistatistiken fest:
„Der Görli-Zaun ist in jeder Hinsicht gescheitert. Millionen wurden aus dem
Fenster geschmissen, ohne auch nur einen einzigen positiven Effekt auf die
Kriminalität vorzuweisen.“
## „Rückgang nicht mal im geschlossenen Park“
Tatsächlich lässt sich ein Rückgang der Kriminalität im kbO in den drei
Monaten der Schließung nicht feststellen. Im Sozialraum rund um den Park –
Wrangelkiez, Reichenberger Kiez und Alt-Treptow – sind in den Monaten mit
nächtlicher Schließung die Fälle von Körperverletzung um 15 Prozent
gestiegen, die von gefährlicher Körperverletzung um 47 Prozent, die von
Nötigung, Freiheitsberaubung und Bedrohung um 34 Prozent und die von Raub
um 33 Prozent. Bei Delikten mit Drogenbezug sei es ein Plus von 27 Prozent.
Franco vergleicht dafür den Durchschnitt der drei Monate, in denen der Park
nachts geschlossen wurde, mit dem Durchschnitt der fünf Monate Januar,
Februar, Juni, Juli und August. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass
es im Januar und Februar im kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez durchschnittlich
10,5 Fälle gefährlicher Körperverletzung im öffentlichen Raum gab, während
der drei Schließmonate 22 und in den drei Folgemonaten immer noch 21 Fälle.
Sprich: Im eisigen Winter 2026 kam es nachvollziehbarerweise zu weniger
solcher Delikte – und seitdem der Park nachts wieder geöffnet ist, hat die
Zahl gegenüber den Monaten mit Schließzeit kaum abgenommen.
Auch auf die Gegenüberstellung der Monate März–Mai in diesem Jahr mit
demselben Zeitraum 2025 – diese Zahlen hatte die Innenverwaltung schon auf
Anfrage von Niklas Schrader (Linke) im August veröffentlicht – ergibt kein
eindeutiges Bild. Laut Francos Rechnung sind demnach in den Monaten mit
nächtlicher Schließung die Straftaten in den Kiezen rund um den Park
gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent gestiegen.
Andererseits lässt sich ebenso herauslesen, dass die Zahl gefährlicher
Körperverletzungen zumindest in den Nachtzeiten während der Monate der
Schließung leicht abgenommen hat, von 25 auf 21. Gleichzeitig gab es in
jenen Monaten tagsüber mehr Straftaten im Umfeld – ein Ergebnis, das sich
nicht ohne Weiteres erschließt.
Solche Beispiele zeigen: Statistiken haben es in sich und hängen von
Faktoren ab, die nicht immer offensichtlich sind. Dazu können in diesem
Fall auch ein erhöhter Verfolgungsdruck oder eine stärkere
Meldebereitschaft gehören. Manchmal ist es auch einfach die kleine Fallzahl
bestimmter Delikte, bei der eine überschaubare Veränderung die Prozente
besonders kräftig nach oben – oder unten – schießen lässt.
Um die Frage, ob eine Schließung des Görli den Druck auf die umliegenden
Kieze nachhaltig verstärkt, anhand von Zahlen zu beantworten, bräuchte es
wohl einen längeren Beobachtungszeitraum. Gleiches gilt allerdings für die
Senatsseite: Dass der Zaun seit seiner Fertigstellung irgendetwas
verbessert haben sollte, geben die vorliegenden Daten schon gar nicht her.
15 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
## TAGS
(DIR) Görlitzer Park
(DIR) Kleinkriminalität
(DIR) Berlin-Kreuzberg
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