# taz.de -- Konzept für den Görlitzer Park: „Orte für Konsum und Hilfe schaffen“
       
       > Das Bündnis Görli zaunfrei hat ein eigenes Konzept erarbeitet, wie die
       > Problem mit Drogenkonsum und Obdachlosigkeit in den Griff zu bekommen
       > sind.
       
 (IMG) Bild: Was tun, wenn der Park auf bleibt?
       
       taz: Herr Kiefer, [1][das Bündnis Görli zaunfrei hat ein Konzeptpapier
       vorgelegt], wie mit den Herausforderungen im Zusammenhang mit Drogenkonsum
       und Obdachlosigkeit im Görlitzer Park umgegangen werden sollte. Wer steht
       dahinter und wie wurde es erarbeitet? 
       
       David Kiefer: Initiiert wurde das aus dem Bündnis Görli zaunfrei heraus.
       Wir haben schon vor ungefähr einem Jahr angefangen, uns damit
       auseinanderzusetzen, weil wir gemerkt haben, dass es angesichts der
       sozialen Konflikte im öffentlichen Raum mit den bestehenden Angeboten so
       nicht weitergehen kann. Wir haben dann eine Arbeitsgruppe gebildet und uns
       im Rahmen einer Beteiligung mit den sozialen Trägern rund um den Görli und
       AnwohnerInnen zusammengesetzt und ausgetauscht. Das war im Mai, damals
       waren an die 70 Leute beteiligt, das war sehr interessant und fruchtbar.
       Diese Impulse sind jetzt in das Konzept eingeflossen.
       
       taz: Wurden auch Obdachlose oder DrogenkonsumentInnen gefragt? 
       
       Kiefer: Wir sind als Menschen, die hier wohnen – und manche von uns auch
       beruflich – im regelmäßigen Austausch mit Leuten, die davon betroffen sind,
       auch solchen, die konsumieren. In diesem Rahmen kriegen wir natürlich mit,
       was deren Probleme sind. Wir haben auch wissenschaftliche Untersuchungen
       wie die Berliner Crack-Studie einbezogen, die im Juni veröffentlicht wurde.
       Die stellt tatsächlich ganz ähnliche Forderungen auf wie wir.
       
       taz: Kurz gefasst könnte man sagen: Das Bündnis sieht eine Notwendigkeit,
       diese sozialen Probleme zu bewältigen, [2][aber eben nicht durch Repression
       oder Abschließen]? 
       
       Kiefer: Die Crack-Studie sagt klipp und klar, dass repressive Maßnahmen
       nicht funktionieren, und das haben ja alle Versuche der letzten 15 Jahre
       gezeigt. Die Null-Toleranz-Strategie von CDU-Senator Frank Henkel hat erst
       dafür gesorgt, dass die Probleme aus dem Park in die umliegenden Kieze
       verlagert wurden. Es gab die „Task Force Görli“ mit dem Ordnungs- und
       Grünflächenamt, es gibt die „Brennpunkt- und Präsenzeinheit“ der Polizei,
       das alles funktioniert nicht. Wir haben im Rahmen des Prozesses
       festgestellt, dass vor allem abends und nachts eine Versorgungslücke
       besteht. Auch an Feiertagen oder an Wochenenden reicht das vorhandene
       Versorgungsangebot, das tatsächlich schon relativ umfangreich ist, einfach
       nicht aus. Es geht nun einerseits darum, dass sich diese Angebote besser
       abstimmen, aber auch um eine Ergänzung durch weitere Optionen.
       
       taz: Das Konzept kombiniert Street- oder „Parkwork“ mit dem Angebot von
       Ruhe-, Rückzugs- und Aufenthaltsorten, wo Beratung und medizinische
       Versorgung stattfinden soll. Auch Konsum soll dort möglich sein. 
       
       Kiefer: Die Leute müssen ja irgendwohin. Das hat auch die Schließung
       gezeigt: Den Park dicht zu machen, ändert gar nichts an der Situation und
       geht an der Problematik vorbei. Das merken wir auch gerade wieder in der
       kalten Jahreszeit. Im Sommer gibt es noch Nischen, am Kanal oder anderswo,
       aber alle Lücken werden langsam, aber sicher zugebaut, und es gibt immer
       weniger informelle Räume. Was dazu führt, dass die Personen sich verstärkt
       im öffentlichen Raum treffen. Wir wollen Orte schaffen, wo sie sich
       aufhalten und im günstigsten Fall auch konsumieren können und an die
       Hilfsangebote angedockt sind.
       
       taz: Soll das ein zentraler Ort im Park sein? 
       
       Kiefer: Nein, das muss auch gar nicht im Görli sein. Es gibt in Berlin ja
       mehrere Orte, wo die Problematiken mit Crack und Obdachlosigkeit präsent
       sind. Eine zentrale Einrichtung nur im oder am Görli zu schaffen, wäre
       nicht sinnvoll, es kann ja auch nicht sein, dass dann alle zum Görli
       kommen. Wir denken an eine dezentrale Umsetzung in ganz Berlin.
       
       taz: Ein Vorschlag ist auch, dass Mikrohandel von Drogen im Park toleriert
       werden soll – kann Berlin so etwas im Alleingang tun? 
       
       Kiefer: Wir meinen damit nicht den Mikrohandel im Park, sondern in den
       Hilfseinrichtungen. Wie das funktionieren kann, müssen die Verantwortlichen
       entscheiden, aber wenn das gewollt ist, ist das auch möglich. [3][Das
       klassische Problem beim Crack] ist, dass nach dem Konsumieren eine sehr
       starke Depression und ein Verlangen nach erneutem Konsum einsetzt, und wenn
       die Leute es irgendwo kaufen, wird es meist vor Ort konsumiert. In Zürich
       sind in den Hilfseinrichtungen Mikrohandel für den unmittelbaren
       Eigenbedarf und Konsum erlaubt. In Köln wird das gerade unter einem
       SPD-Oberbürgermeister umgesetzt, auch Bremen strebt so etwas an. Wo ein
       Wille ist, ist auch ein Weg.
       
       taz: Was soll nach Ihrer Vorstellung die Rolle der Polizei sein? 
       
       Kiefer: Die sollen ihren Job machen, aber es ergäbe keinen Sinn, wenn sie
       in solchen Einrichtungen präsent wären. Wo sich Polizei aufhält, hält sich
       natürlich keine Drogenszene auf, das funktioniert nicht. Wenn sie aufgrund
       irgendwelcher Bedürfnisse aus einer Einrichtung heraus gerufen werden, ist
       es natürlich sinnvoll, dass sie da hinfahren.
       
       taz: Sie haben für den Görli überschlagen, dass nach einer Anfangsinvention
       von 220.000 Euro für die Infrastruktur nur rund 670.000 Euro im Jahr für
       Personal und Sachmittel fällig würden. 
       
       Kiefer: Wir haben uns einfach angesehen, was Container und Ausstattung
       kosten, und was die Personalmittel nach TVÖD oder Mindestlohn wären.
       Natürlich ist das ein bisschen modellhaft am Reißbrett entstanden – man
       wird sich angucken müssen, was die tatsächlichen Bedarfe sind, wie viel
       Platz und wie viel Personal man braucht. Es müssen ja auch keine Container
       sein, es gibt auch bezirks- oder landeseigene Immobilien, die vielleicht in
       Frage kommen. Uns ging es darum zu zeigen, dass man auch mit relativ
       kleinen Summen etwas schaffen kann.
       
       taz: Hoffen Sie, dass das Thema in den Koalitionsverhandlungen eine Rolle
       spielt? 
       
       Kiefer: Wir werden dafür sorgen. Wir haben ja nicht nur die Presse über
       unser Konzept informiert, sondern sind auch auf die politische
       Verantwortlichen im Bezirk und auf Landesebene zugegangen. Mit denen werden
       wir in den Austausch gehen.
       
       6 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wrangelkiezunited.site36.net/files/2026/10/Goerli-to-th-Future-Zukunft-statt-Zaun.pdf
 (DIR) [2] /Beschluss-des-Verwaltungsgerichts/!6183188
 (DIR) [3] /Drogenpolitik-im-Wahlkampf/!6209465
       
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