# taz.de -- Bundeshaushalt 2027: Tschüss, Feminismus!
> Nach einer Analyse im Auftrag der Entwicklungsorganisation Oxfam könnten
> Mittel für Geschlechtergerechtigkeit bis 2027 um 1,8 Milliarden Euro
> sinken.
(IMG) Bild: Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für Teilhabe – aber sie ist nicht überall möglich: Motorradfahrerin in Burkina Faso
Einen [1][feministischen Reflex] sollte es geben, Geschlechtergerechtigkeit
immer mitgedacht werden – das war der Anspruch einer feministischen Außen-
und Entwicklungspolitik, die die damaligen Ministerinnen Annalena Baerbock
(Grüne) und Svenja Schulze (SPD) 2023 gemeinsam ausriefen. Eine Analyse der
entwicklungspolitischen Beratungsfirma SEEK im Auftrag von Oxfam zeigt nun:
Die Kürzungen in diesen Bereichen haben die Ziele unterlaufen.
Sie seien „so dramatisch, dass selbst ein Zuwachs an Projekten, die
Geschlechtergerechtigkeit als Haupt- oder Nebenziel haben, die Einschnitte
in der Finanzierung nicht ausgleichen könnte“, erklärt Pia Schwertner, die
bei Oxfam zu Geschlechtergerechtigkeit arbeitet. Derzeit wird [2][der neue
Bundeshaushalt 2027 verhandelt]. Und wieder soll beim Etat des
Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) um 6 Prozent, bei der humanitären
Hilfe, die das Auswärtige Amt finanziert, um 2 Prozent gekürzt werden.
Von 2023 bis 2027 stünden somit bis zu 1,8 Milliarden Euro weniger für
Geschlechtergerechtigkeit zur Verfügung, wird in der Analyse vorgerechnet.
„Damit entspricht das Finanzierungsniveau dem von 2019 – lange bevor in
Deutschland überhaupt über feministische Entwicklungspolitik diskutiert
wurde“, sagt Schwertner.
Diese Berechnung ist nicht ganz einfach, weil offizielle Zahlen, die den
Anteil der Finanzierung für Projekte, die Geschlechtergerechtigkeit zum
Haupt- oder Nebenziel ausweisen, nur bis 2024 vorliegen. Die
Analyst*innen arbeiten darum mit Projektionen. Für 2024 zeigen die
Zahlen, dass Deutschland seine Zielvorgaben eingelöst hat, damit aber nur
auf Rang zehn der Geberländer landete, wenn es um den Anteil der
Finanzierung von Geschlechtergerechtigkeit am Gesamtbudget geht.
## Außenministerium beendet Feminismus
2023 setzte sich das BMZ zum Ziel, dass 93 Prozent der neu zugesagten
Projektmittel einen Bezug zu Geschlechtergerechtigkeit aufweisen sollten,
bei 8 Prozent sollte sie das Hauptziel sein. Auch das Auswärtige Amt hatte
konkrete Finanzierungsvorgaben.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte die feministische Außenpolitik
mit Amtsantritt offiziell für beendet. Referenzen dazu sind entsprechend
gestrichen. Auch eine Handreichung zu Gender in der humanitären Hilfe ist
auf der Website mittlerweile gelöscht. Das BMZ hält offiziell zwar an
feministischen Zielen fest, hat aber kein Finanzierungsziel festgelegt. Ein
gleichnamiges Referat wurde aufgelöst.
Auch [3][im Reformplan des BMZ] fehle eine systematische Verankerung
feministischer Ziele, sagt Schwertner. Die Auswirkungen der Reformen lassen
sich noch nicht abzeichnen. Doch die Prioritäten haben sich offiziell
verschoben: Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen stehen im Fokus,
zukünftig sollen weniger Themen und weniger Länder gefördert werden.
Die Kürzungen im Bereich Geschlechtergerechtigkeit passen sich ein in einen
Hintergrund massiver globaler Kürzungen von Entwicklungsgeldern und den
[4][Backlash gegenüber Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechten], etwa
wenn es um reproduktive Gesundheit geht. Laut [5][einer aktuellen Umfrage
von UN Women] unter 855 Frauenrechtsorganisationen in Krisenregionen
weltweit, gaben 2 von 5 an, innerhalb des nächsten Jahres vorübergehend
oder dauerhaft schließen zu müssen.
Schwertner fordert die Bundesregierung auf, beim Haushalt 2027
nachzusteuern. Es brauche konkrete und überprüfbare Finanzierungsziele,
sagt sie. „Vor allem zivilgesellschaftliche Akteure im Globalen Süden
müssen gestärkt und unterstützt werden.“
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aussen--und-Entwicklungspolitik/!6064732
(DIR) [2] /Bundeshaushalt-fuer-2027/!6211410
(DIR) [3] /Deutsche-Entwicklungspolitik/!6144929
(DIR) [4] /Globale-Knebelregel/!6157884
(DIR) [5] https://reliefweb.int/report/world/beyond-breaking-point-continuing-impact-funding-cuts-womens-organizations-humanitarian-settings
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
## TAGS
(DIR) Entwicklungspolitik
(DIR) Humanitäre Hilfe
(DIR) Frauenrechte
(DIR) Haushalt
(DIR) Oxfam
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kriege und Konflikte: Humanitäre Helfer*innen unter Beschuss
Hunderte Mitarbeitende von Hilfsorganisationen wurden 2025 getötet, viele
weitere wurden verletzt. Caritas fordert Hilfe von Bundesregierung und EU.
(DIR) UN-Forscherin über Entwicklungsziele: „Ungleichheit zerstört den Sozialvertrag“
Es gibt auch Erfolge bei der sonst enttäuschenden Umsetzung der UN-Agenda
2030 für eine gerechtere Welt, sagt Magdalena Sepúlveda Carmona.
(DIR) Globale Knebelregel: Wie die USA Frauen*rechte weltweit beschneiden
Heute tritt die „Global Gag Rule“ in Kraft. Sie verbietet Förderung von
Organisationen, die sich für Diversität, Queere- und Frauenrechte
einsetzen.