# taz.de -- Kriege und Konflikte: Humanitäre Helfer*innen unter Beschuss
       
       > Hunderte Mitarbeitende von Hilfsorganisationen wurden 2025 getötet, viele
       > weitere wurden verletzt. Caritas fordert Hilfe von Bundesregierung und
       > EU.
       
 (IMG) Bild: Mehr als die Hälfte der Todesfälle ereignete sich 2025 im Gazastreifen
       
       350 humanitäre Helferinnen und Helfer sind nach [1][Angaben der Aid Worker
       Security Database] der internationalen Forschungsgruppe Humanitarian
       Outcomes im vergangenen Jahr getötet worden. Zudem wurden 322 Personen
       verwundet, 235 durch nicht-staatliche Akteure entführt und 280 festgenommen
       oder verhaftet. Das sind Zahlen, die Mitarbeitende der britischen Datenbank
       verifizieren konnten. Die Angriffe auf Hilfskräfte sind demnach auf einem
       Höchststand.
       
       Die Hilfsorganisation Caritas international fordert die Bundesregierung und
       die EU in einem Statement vom Freitag auf, „den Schutz humanitärer Helfer
       in internationalen Gesprächen konsequenter einzufordern und Verstöße gegen
       das humanitäre Völkerrecht nicht folgenlos zu lassen“.
       
       Auch die Caritas ist von den Angriffen auf Hilfskräfte betroffen. Ende Juli
       sei eine Caritas-Mitarbeiterin bei einem russischen Raketenangriff in der
       Ukraine gestorben, berichtet die Hilfsorganisation. Im Sudan sei im Juni
       ein Mitarbeiter einer Partnerorganisation bei einem bewaffneten Überfall
       auf ein Lagerhaus getötet worden. Und im Südlibanon sei wenige Tage zuvor
       ein Caritas-Hilfskonvoi „zwischen die Fronten“ geraten.
       
       „Humanitäres Völkerrecht ist keine unverbindliche Empfehlung“, mahnt Oliver
       Müller, Leiter von Caritas international. „Zivile Einrichtungen,
       Hilfslager, Krankenhäuser und humanitäre Transporte müssen geschützt
       werden.“
       
       ## 2024 war das bislang tödlichste Jahr
       
       Laut der Aid Worker Security Database war 2024 mit 387 getöteten
       Helfer*innen das bislang tödlichste Jahr. Seit dem Jahr 2023 sind die
       Angriffe auf Hilfskräfte rasant gestiegen. Zwischen 2016 und 2022 waren
       jährlich zwischen 113 und 141 getötete Helfer*innen gemeldet worden.
       Mehr als die Hälfte der Todesfälle ereignete sich 2025 im Gazastreifen, 71
       Hilfskräfte wurden [2][in Sudan] getötet. Besonders hoch war die Zahl auch
       in Südsudan und in der [3][Demokratischen Republik Kongo].
       
       Auch die Koalition zum Schutz der Gesundheit in Konflikten, bestehend aus
       wissenschaftlichen Instituten und Zivilorganisationen, verzeichnete 2024
       einen Höhepunkt von Angriffen auf das Gesundheitswesen in den letzten zehn
       Jahren. 2025 sind die Zahlen leicht gesunken, aber der Trend bleibt laut
       der Koalition bestehen.
       
       [4][Der aktuelle Bericht] dokumentiert 2.546 Vorfälle von Gewalt gegen das
       Gesundheitswesen in 21 Ländern, darunter 790 beschädigte oder zerstörte
       Krankenhäuser und 455 getötete Gesundheitsfachkräfte. 218 Mitarbeitende
       wurden entführt und 263 festgenommen. Laut Bericht sind für zwei Drittel
       aller Vorfälle staatliche Akteure verantwortlich.
       
       „Trotz klarer Verbote im humanitären Völkerrecht ist Gewalt gegen das
       Gesundheitswesen zu einem Merkmal moderner Konflikte geworden“, heißt es im
       Bericht.
       
       Auch Ärzte ohne Grenzen [5][warnen vor einem Trend]. „Die Konfliktparteien
       haben die Argumentation von ‚versehentlichen Angriffen‘ hin zu einer
       Rechtfertigung verlagert, wonach medizinische Einrichtungen und humanitäres
       Personal ihren Schutz nach dem humanitären Völkerrecht ‚verloren‘ hätten“,
       warnte Erik Laan von Ärzte ohne Grenzen schon zu Beginn des Jahres. „Diese
       Verlagerung spiegelt oft wider, dass militärische Notwendigkeit Vorrang vor
       der Verpflichtung zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Minderung ziviler
       Schäden hat.“
       
       Infolgedessen habe sich die Verantwortungslast verschoben, erklärt die
       Organisation. „Anstatt automatisch als Zivilisten und damit als geschützt
       zu gelten, müssen Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen nun nachweisen,
       dass sie keine militärischen Ziele sind“.
       
       ## Appell an israelische Regierung
       
       Erst Ende Juli appellierte die Organisation erneut an die israelische
       Regierung, den orthopädischen Chirurg von Ärzte ohne Grenzen, Dr. Mohammed
       Obeid, sowie den Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses in Gaza, [6][Dr.
       Hussam Abu Safiya], jeweils aus der Einzelhaft zu entlassen. Seit
       eineinhalb Jahren gibt es keine Anklage. Die „Berichte über Folter reihen
       sich ein in ein entsetzliches Muster, wonach die israelischen Behörden
       medizinisches Personal in ganz Palästina festnehmen und gezielt ins Visier
       nehmen“, so der Appell.
       
       Nach Angaben von der Menschenrechtsorganisation [7][Healthcare Workers
       Watch] werden 95 palästinensische medizinische Fachkräfte von den
       israelischen Behörden seit Oktober 2023 festgehalten. Über 1.700
       Mitarbeiter des Gesundheitswesens wurden getötet.
       
       14 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://humanitarianoutcomes.org/sites/default/files/2026-07/HO_AWSD_2026_Figures.pdf
 (DIR) [2] /Humanitaere-Hilfe-fuer-Sudan/!6178555
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Demokratische-Republik-Kongo/!t5007877
 (DIR) [4] https://www.insecurityinsight.org/wp-content/uploads/2026/04/2025-SHCC-Annual-Report.pdf
 (DIR) [5] https://www.msf.org/attacks-medical-care-armed-conflict-reach-record-levels
 (DIR) [6] /Palaestinensischer-Arzt-in-Haft/!6193677
 (DIR) [7] https://healthcareworkerswatch.org/publications/reports/the-killing-detention-and-torture-of-healthcare-workers-in-gaza/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leila van Rinsum
       
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