# taz.de -- Kulturmanagerin über Fastenbrechen: „Den eigenen Horizont öffnen“
       
       > Der Hamburger Verein „Welcome Dinner“ bringt eigentlich Menschen mit und
       > ohne Fluchtgeschichte an Esstischen zusammen. Nun lädt er zum
       > Fastenbrechen.
       
 (IMG) Bild: Soll Menschen zusammenbringen: Gemeinsames Fastenbrechen, hier unter freiem Himmel in einer Einkaufsstraße in Köln
       
       taz: Was genau ist Iftar im [1][Ramadan]? 
       
       Kristina Timmermann: Im Monat Ramadan wird ja zwischen Sonnenaufgang und
       Sonnenuntergang nicht gegessen und nicht getrunken. Beim Sonnenuntergang
       wird dann das Fasten gebrochen und das eben oft gemeinsam. Ich faste selbst
       nicht, aber ich habe gehört, dass das gemeinsame Essen oft im Kreise der
       Familie oder mit Freund*innen zelebriert wird. Und das ist eben der
       Iftar.
       
       taz: Der Verein „Welcome Dinner“, für den Sie aktiv sind, lädt mit anderen
       Initiativen auch in diesem Jahr zum gemeinsamen Ramadan-Dinner ein. Was
       wird es zu essen geben? 
       
       Timmermann: Das Essen bringen die Menschen vom Ehil-Kulturverein mit, denn
       wir haben das Glück, das die uns bei dieser gemischten Veranstaltung quasi
       einladen. Es gibt meist ein typisches Reisgericht und geschmorte und
       eingelegte Gerichte, wie zum Beispiel gefüllte Auberginen. Es gibt auch
       immer ein veganes Gericht und eins mit Fleisch. Zum Nachtisch gibt es Kokos
       oder Baklava. Und was ganz wichtig ist: die Dattel. Mit der wird oft das
       Fasten gebrochen und dazu gibt es eine Linsensuppe.
       
       taz: Wer kommt zu diesem gemeinsamen Fastenbrechen? 
       
       Timmermann: Diese Veranstaltung ist eine Kooperation von drei Vereinen und
       meisten ist die eine Hälfte der Menschen muslimisch und die andere nicht.
       Es entsteht ein total schönes Miteinander und Menschen kommen ins Gespräch.
       Wir haben jetzt auch das Glück, dass der Sonnenuntergang so früh ist. Vor
       zwei Jahren, als wir die Veranstaltung hier im „HausDrei“ das erste Mal
       gemacht haben, war Ramadan noch vor der Zeitumstellung. Das war dann schon
       sehr spät und ich glaube die Menschen hatten vor allem mit dem Durst zu
       kämpfen. Aber es ist eigentlich so, dass sich vorher viele Gespräche
       ergeben und man dann gar nicht so sehr ans Essen denkt.
       
       taz: Wird sich zum Sonnenuntergang um 17.34 Uhr auf das Büffet gestürzt? 
       
       Timmermann: Ja, tatsächlich. Zehn Minuten vorher wird das warme Essen auf
       die Tische gestellt. Vorher stehen da nur die eingelegten Sachen und
       Wasser. Dann kommt ein Imam, der spricht ein Gebet und bricht das Fasten.
       
       taz: Seit 2015 bringt der Hamburger [2][Verein Welcome Dinner] Menschen mit
       und ohne Fluchterfahrung an Esstischen zusammen. Ist es was Besonderes,
       wenn Menschen gemeinsam das Fasten brechen? 
       
       Timmermann: Wir machen das Welcome Dinner generell, um Menschen
       zusammenzubringen, die sich vielleicht auf der Straße erstmal nicht
       kennenlernen würden. Es geht darum, Menschen in Kontakt zu bringen,
       Begegnungen zu ermöglichen und in den Austausch zu kommen. Es ist bei
       solchen Veranstaltungen total wichtig, andere Perspektiven einzunehmen, das
       Leben durch die Augen anderer Menschen zu sehen und neue Dinge zu lernen,
       etwa über eine Religion, die einem nicht vertraut ist, von der man nur
       Sachen aus den Medien hört. Es geht darum, gute Erfahrungen zu machen,
       nette Menschen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu öffnen für mehr
       Verständnis untereinander.
       
       taz: Welche Botschaft möchten Sie Menschen mitgeben, die vielleicht zögern,
       an einem solchen Event teilzunehmen? 
       
       Timmermann: Solche Veranstaltungen, wo Menschen mit unterschiedlichen
       Hintergründen und Geschichten zusammenkommen, sind immer eine Bereicherung.
       Es haben sich schon so viele Freundschaften aus solchen Begegnungen
       entwickelt. Es ist total herzlich und gemeinschaftlich. Viele wechseln von
       Tisch zu Tisch, und die meisten Menschen, die zu so einer Veranstaltung
       kommen, sind sehr offen und haben Lust was Neues zu lernen. Im Idealfall
       bringt man diese Offenheit natürlich auch selber mit.
       
       19 Feb 2026
       
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