# taz.de -- Honduras unter Präsident Asfura: Justiz im Dienste der Eliten
       
       > Seit rund sechs Monaten ist Asfura Präsident von Honduras und seine
       > Bilanz ist verheerend. Die Gewalt nimmt zu und es kehren korrupte
       > Strukturen zurück.
       
 (IMG) Bild: International unterwegs: Honduras’ Präsident Nasry Asfura bei einem Besuch in Kyjiw im Juni
       
       Die Rückkehr von Amilcar Ardón Soriano, Führungsfigur des Drogenkartells
       Hermanos AA, ist für Lesly Frazier ein Paradebeispiel. Am 25. August flog
       Ardón Soriano unter dem Beifall vieler Zuschauer per Hubschrauber in El
       Paraíso Copán, an der Grenze zu Guatemala, ein.
       
       „Es war die inszenierte Rückkehr eines Kartell-Capos, dem niemand etwas
       anhaben will“, so die Journalistin von Radio Progreso. Der Sender gehört zu
       den unbequemen Medien in Honduras, wurde von den Jesuiten gegründet und ist
       finanziell unabhängig. Im Gegensatz zu vielen anderen Medien.
       
       Im Januar wurde [1][Präsident Nasry Asfura] vereidigt. Der Politiker der
       nationalen Partei, von Donald Trump im Wahlkampf protegiert und nur unter
       dubiosen Auszählungspannen gewählt, regiert das mittelamerikanische Land
       mit rund elf Millionen Einwohnern in Kooperation mit seinem Parteikollegen
       Tomás Zambrano.
       
       Zambrano, Parlamentspräsident, ist erst vor wenigen Tagen vom 5.
       [2][Treffen des Foro Madrid], dem von der spanischen Partei Vox initiierten
       antikommunistischen Netzwerk mit lateinamerikanischer Ausrichtung, aus
       Chile zurückgekehrt. Gemeinsam haben die beiden die Weichen zurück in die
       Vergangenheit gestellt. Sie arbeiten im Dienste der erzkonservativen
       politisch-ökonomischen Elite.
       
       ## Rückkehr zu korrupten neoliberalen Strukturen
       
       Erst im Juni wurden verschiedene Gesetze verabschiedet, die die Förderung
       des agroindustriellen Sektors vorsehen, den Tourismus betreffen, den
       Bergbau und den Energiesektor. Alle stehen im nationalen Interesse. Diese
       Gesetze schüren die bestehenden Landkonflikte und kriminalisieren den
       Protest gegen Landnahme, so Frazier. Das bestätigt auch
       Menschenrechtsanwältin Reina Rivera Joya, die lange für die schwedische
       Nichtregierungsorganisation Diakonia arbeitete.
       
       Sie verweist auf das Massaker von Rigores. Am 21. Mai wurden in der
       Gemeinde im Aguán-Tal im Norden des Landes 20 Menschen, allesamt
       Kleinbauern, darunter drei Kinder, auf dem Weg zu einer Palmölplantage
       erschossen. Hintergrund sei, so sagen lokale Bauernorganisationen, dass es
       Ansprüche von Großgrundbesitzern auf die Flächen von kleineren
       Genossenschaften, Kleinbauern und Bauerkooperativen gäbe.n
       
       Die Ermittlungen der nationalen Behörden haben bisher nichts ergeben. Das
       ist typisch für das Land, in dem die Zahl der Morde, der Massaker und
       Femizide steil nach oben geht. „1.272 Morde, mehr als 60 Massaker und 190
       Femizide sind seit dem 1. Januar registriert worden“, sagt Lesly Frazier.
       Sie vermutet, dass es etliche gezielte Morde im Kontext der Rückkehr von
       Drogen-Capos wie Ardón Soriano, aber auch von [3][Ex-Präsident Juan Orlando
       Hernández] gab.
       
       Der von Trump begnadigte und von einem US-Gericht wegen Drogenschmuggels zu
       45 Jahren verurteilte Hernández kam Ende Juli zurück nach Tegucigalpa. Dort
       wurde er in dem einzigen Verfahren, welches die Justiz gegen ihn
       angestrengt hat, wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder, Anfang September
       freigesprochen.
       
       Weitere Ermittlungen erwarten Experten wie Rivera Joya oder Anwalt Joaquín
       Mejía nicht. Letzterer ist Analyst des jesuitischen Forschungszentrums Eric
       SJ aus El Progreso. „Wir haben in Honduras schon lange keine unabhängige
       Justiz mehr, wir haben eine selektive im Dienste der Eliten“, kritisiert
       der Anwalt deutlich. Das bestätigt auch die repräsentative jährliche
       Umfrage von Eric SJ aus dem Juni, die der Regierung ein mieses Zeugnis
       ausstellt. Sie agiere wie früher, im Dienste von Großgrundbesitzern und
       Eliten. Mehr als achtzig Prozent der Befragten sprechen sich für eine
       internationale Justizkommission aus, um Korruption und Straflosigkeit zu
       bekämpfen.
       
       ## Drängt Hernández wieder an die Macht?
       
       Doch die wird es unter der politischen Doppelspitze Asfura/Zambrano kaum
       geben. Zumal viele glauben, dass Hernández wieder an die Macht drängen
       könnte. Für Rivera Joya ist es er, der am besten vernetzt ist. Zudem könne
       es durchaus sein, dass er mit geheimen Aufträgen aus den USA gekommen sei.
       
       Das ist nicht unwahrscheinlich, denn in Honduras existieren mehrere
       Sonderzonen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung, in denen
       internationales Kapital libertäre Sonderrechte genießt – wie eine Art Staat
       im Staat. Dieses Modell, von Hernández 2013 unter Verletzung der Verfassung
       durchgesetzt, könnte auf Interesse im Trump-Umfeld stoßen, heißt es.
       
       „Fakt ist hingegen, dass die Rückkehr zu autoritären und korrupten
       Strukturen nach der vierjährigen Pause unter der linken Präsidentin Xiomara
       Castro weit gediehen ist“, sagt Lesly Frazier. Die Perspektiven für die
       Bevölkerung in Honduras sind bescheiden.
       
       15 Sep 2026
       
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