# taz.de -- Jahrestag in Honduras: Warum Berta Cáceres ermordet wurde
> Vor zehn Jahren wurde die honduranische Umweltaktivistin Berta Cáceres
> getötet. Mutmaßliche Hintermänner des Auftragsmordes sind bis heute
> straffrei.
(IMG) Bild: Auf einem neuen Geldschein in Honduras ist Berta Cáceres mittlerweile verewigt
Zehn Jahre ist es her, dass [1][Berta Cáceres ermordet] wurde. Am 2. März
2016 drangen Auftragskiller nachts in ihr Haus ein und erschossen die
honduranische Menschenrechts- und Umweltaktivistin.
Knapp 10 Jahre später, Mitte Januar 2026, stellte die von der
Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IAKMR) zur Untersuchung
des Mordes eingesetzte „[2][Interdisziplinäre Gruppe unabhängiger
Expert*innen“ (GIEI]) feierlich mit honduranischen
Regierungsvertreter*innen in Tegucigalpa ihren Bericht vor: Es sei
ein vorhersehbarer und vermeidbarer Mord gewesen.
Anfang 2025 hatten sich Honduras, die AKMR und die Familie Cáceres darauf
geeinigt, die GIEI mit der Untersuchung zu beauftragen. Elf Monate lang
wertete die Expertengruppe mehr als ein Terabyte an Ermittlungs-, Gerichts-
und Sachverständigenakten, Finanzinformationen und mehr als 540 Gigabyte an
Telefonüberwachungsdaten inklusive Chats aus.
Dies zeigte bisher nicht bekannte finanzielle Verbindungen auf, die den
Mord an Berta Cáceres ermöglichten.
## Widerstand gegen ein Wasserkraftwerk
Die bekannte Feministin organisierte als Anführerin der indigenen
Lenca-Organisation COPINH in Honduras den Widerstand gegen das
Wasserkraftwerk Agua Zarca, das das Konsortium DESA (Desarrollos
Energéticos) auf Lenca-Gemeindeland am für Lenca als heilig geltenden Fluss
Gualcarque errichten sollte.
Kollektive Landrechte spielten in Honduras bei der Durchsetzung von
Großprojekten keine Rolle, egal ob für Bergbau, Tourismus oder
Agrarindustrie. Menschen wie Berta Cáceres, die diese Rechte einklagten,
galten als Störenfriede, die „à la hondurena“ – auf honduranische Art –
ausgeschaltet wurden. So wurden in Honduras laut Global Witness zwischen
2010 bis 2015 über 120 Aktivist*innen getötet.
Für den Mord an C[3][á]ceres, so die GIEI, sei eine Struktur geschaffen
worden: Auftragskiller, Mittelsmänner mit militärischer Ausbildung und
Erfahrungen im Sicherheitsbereich, Mitarbeiter und Führungskräfte des
Unternehmens DESA. Staatliche Akteure und internationale Finanziers hätten
diese Struktur geduldet und unterstützt. Durch die Auswertung von Chats und
Telefondaten konnte die GIEI Geldbewegungen nachzeichnen, die die
Auszahlung von umgerechnet rund 25.000 Dollar in drei Schecks an die
verurteilten Auftragsmörder aufzeigen.
## Mit Projektmitteln finanziert
Der Mord, so die GIEI, sei mit Projektmitteln aus dem
DESA-Wasserkraftprojekt Agua Zarca finanziert worden. Explizit benennt GIEI
die Zentralamerikanische Bank für wirtschaftliche Integration BCIE und die
Entwicklungsbank der Niederlande FMO. Beide Banken hätten laut GIEI den
Kreditvertrag für DESA unterzeichnet, „obwohl sie über die durch das
Projekt bereits ausgelöste Gewalt und das Fehlen eines gültigen vorherigen
Konsultationsverfahrens informiert waren“.
Eine Anfrage an die BCIE zum GIEI-Bericht blieb bisher unbeantwortet. Die
FMO, die im Juli 2017 aus dem Projekt Agua Zarca ausgestiegen war, sagte
zum Bericht, dass sie die wichtige Arbeit der GIEI Honduras respektiere und
die Einrichtung eines Berta-Cáceres-Entschädigungsfonds unterstütze. Man
sei bestrebt,„Möglichkeiten zu finden, wie wir zu einem solchen Programm
beitragen können“.
Drei Kinder von Berta Cáceres hatten 2022 bei der Generalstaatsanwaltschaft
der Niederlande Strafanzeige gegen die FMO und drei ehemalige Direktoren
gestellt, was allerdings bis heute nicht aufgegriffen wurde.
## Staatliche Verschleierung
In Honduras hatten Ermittler und Medien den Mord an Cáceres zunächst als
Eifersuchtstat dargestellt, um, so GIEI, „das Verbrechen zu entpolitisieren
und auf den privaten Bereich zu reduzieren, um seine wahre Ursache zu
verschleiern“. Als einen Hauptverantwortlichen für diese
Verschleierungstaktik nennt die GIEI aufgrund der Chatauswertungen den
damaligen Sicherheitsminister Julián Pacheco Tinoco.
Dass die Ermittlungen dann ausgeweitet wurden, ist den Angehörigen von
Berta Cáceres, der Organisation COPINH und deren internationalen
Unterstützern zu verdanken. Sie führten zur Verhaftung von neun Personen,
darunter bezahlte Auftragskiller, Militärangehörige, der Sicherheitschef
und später auch der Exekutivpräsident von DESA. Vier Auftragskiller und
vier Hintermänner der Tat wurden zu Haftstrafen zwischen 22 und 50 Jahren
verurteilt.
Zu den DESA-Mehrheitsaktionären gehören mehrere Angehörige der
einflussreichen honduranischen Unternehmerfamilie Atala. Zu ihrem Imperium
gehören unter anderem Banken, Immobilien und der Erstligafußballclub
Motagua. Vier Familienmitglieder – Pedro, José und Jacobo Atala Zablah
sowie Daniel Atala Midence – gehörten dem DESA-Vorstand an.
Pedro Atala Zablah, so der GIEI-Bericht, drängte wiederholt darauf,
„extreme Maßnahmen zu ergreifen, um die Führungsrolle von Berta Cáceres zu
beenden“. Er habe auch „entweder sie oder wir“ gesagt.
Daniel Atala Midence war im Wasserkraftkonsortium für Finanzen zuständig,
Der GIEI-Bericht konstatiert, dass er bereits in frühen Phasen des
Konflikts seine Bereitschaft bekundet habe, „Gewalt als Mittel zur
Konfliktlösung einzusetzen“ („Ich werde einen Scharfschützen engagieren“).
Im Dezember 2023 wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Seither gilt er als
untergetaucht.
Berta Cáceres Porträt [4][ziert seit Anfang 2026 den honduranischen
200-Lempira-Schein]. Aber der Fall ist nicht abgeschlossen, solange die
Auftraggeber auf freiem Fuß sind. Für COPINH ist es auch nicht
nachvollziehbar, dass die widerrechtlich erteilte Konzession für das
Projekt Agua Zarca nicht zurückgenommen wurde.
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mord-an-honduranischer-Aktivistin/!5284024
(DIR) [2] https://www.gieihonduras.org/home
(DIR) [3] /Mord-an-honduranischer-Aktivistin/!5284024
(DIR) [4] https://banknotenews.com/?p=49326
## AUTOREN
(DIR) Erika Harzer
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