# taz.de -- Meinungsfreiheit in Honduras: Droht der Rückfall in die Autokratie?
> Seit einem halben Jahr ist Nasry Asfura Präsident von Honduras. Aus
> Perspektive der Pressefreiheit fällt die Bilanz seiner Amtszeit
> verheerend aus.
(IMG) Bild: Der seit Januar amtierende Präsident Nasry Asfura im Interview
Amada Ponce ist erbost. „Gegen ICN läuft eine Kampagne der Einschüchterung,
darauf machen wir nicht zum ersten Mal aufmerksam“, so die Journalistin aus
Tegucigalpa. Ponce ist Direktorin der honduranischen Medienorganisation
C-Libre. Erst vor wenigen Tagen hat sie auf die Repression gegen den
TV-Kanal ICN und dessen Webportal aufmerksam gemacht.
Vergangene Woche hat C-Libre seine aktuelle Studie zu Pressefreiheit in
Honduras vorgestellt. Darin war auch ICN, ein 2023 gegründeter Fernsehkanal
mit dazugehörigem Inforportal, auf dem immer wieder regierungskritische
Berichte erscheinen, ein Thema.
ICN war bereits 2025 der damaligen Regierung der linken Präsidentin Xiomara
Castro ein Dorn im Auge. Ricardo Salgado, damaliger Minister für
strategische Planung, war wiederholt mit diffamierenden Ausfällen gegen das
Medium und auch gegen Redakteur:innen aufgefallen. „Wir haben schon
damals kritisiert, dass der Mechanismus zum Schutz von Journalist:innen,
von queeren Menschen, Umweltaktivist:innen und anderen nicht aktiv
geworden ist“, erklärt Amada Ponce. Sie hat vergangene Woche erneut an die
Verantwortlichen hinter dem 2015 eingerichteten „Nationalen
Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidiger:innen, Anwält:innen,
Journalist:innen und Justizmitarbeiter:innen“ appelliert.
Bisher ohne Erfolg. Das ärgert die Frau, die 2023 und 2024 eine der
Berater:innen des im Menschenrechtssekretariat angesiedelten
Mechanismus war. Der galt schon damals als ineffektiv. Ponce sowie ihre
Kollegin Dina Meza, Journalistin und engagierte Aktivistin für die
Pressefreiheit, hatten versucht, das politische Instrument mit Beratung und
Analyse zu verbessern. Erfolglos, wie das Kapitel über den
Schutzmechanismus im aktuellen Bericht von C-Libre zeigt.
## „In Honduras haben wir keine unabhängige Justiz“
Demnach sind in den vergangenen zehn Jahren 13 Menschen ermordet worden,
obwohl sie unter dem Schutz des Mechanismus standen. „Darunter zwei
Journalisten. Allerdings ist auch der Umweltaktivist Juan López aus der
Region Guapinol bei Tocoa für uns ein solcher, denn er war für mehrere
Medien aktiv“, so Amada Ponce. López wurde im September 2024 von
Auftragskillern in Tocoa auf offener Straße erschossen.
13 Fälle, die dazu beitragen, dass Ponce und etliche andere
Aktivist:innen der Zivilgesellschaft wenig Vertrauen in die staatlichen
Institutionen von Honduras haben. Dazu trägt bei, dass laut der Studie mit
dem Titel „Pluralismus, Erinnerung und Justiz“ nur ein Bruchteil der
Delikte gegen Journalist:innen geahndet werden. „Auf 86 Prozent unserer
Appelle, Hilferufe und Anzeigen nach Diffamierungen, Stigmatisierung oder
Gewaltandrohung durch staatliche Funktionäre wurde überhaupt nicht
reagiert, nur auf 14 Prozent gab es eine formale Reaktion. Oft eine formale
Erklärung, ein Statement des beschuldigten Funktionärs oder der
Funktionärin, aber kaum mehr“, kritisiert Ponce, die den Bericht mit einem
Team von Kolleg:innen verfasst hat.
Straflosigkeit ist das zentrale Problem in Honduras. Angriffe auf
Reporter:innen werden de facto kaum geahndet. Von 115 seit 2001
erfassten Morden an Berichterstatter:innen ist kaum ein Fall
aufgeklärt worden, so Ponce. Die Justiz in Honduras agiere nicht
transparent und immer wieder selektiv, so die Journalistin, die wenig
Hoffnung hat, dass sich unter der Regierung des seit Januar amtierenden
Präsidenten Nasry Asfura daran etwas ändern wird.
Dafür gibt es mehrere Gründe, so Experten wie der Menschenrechtsanwalt
Joaquín Mejía vom jesuitischen Forschungszentrum ERIC-SJ in El Progreso.
„In Honduras haben wir keine unabhängige, sondern eine selektive Justiz.
Das wollte Xiomara Castro durch die Einführung einer UN-Kommission gegen
Straflosigkeit und Korruption (CICIH) zwar ändern, aber das Parlament hat
ihr eine Mehrheit verweigert. Unter Nasry Asfura wird es dazu kaum kommen“,
so Mejía.
## Kommt der Ex-Präsident zurück?
Asfura habe, so kritisieren Mejía und Ponce, unabhängig voneinander mehrere
Gesetze erlassen, die Handhaben gegen die Zivilgesellschaft genauso wie
Journalist:innen bieten. Darunter das Gesetz zur Förderung der
agroindustriellen Landwirtschaft, welches Spielräume bietet, Proteste in
kleinen Gruppen zu kriminalisieren. Das widerspricht dem in der Verfassung
fixierten Recht auf Protest, erklärt Mejía klipp und klar.
Doch aus dem Minsterio Público, vergleichbar mit der
Generalstaatsanwaltschaft, war dazu kein kritisches Wort zu hören. Das ist
typisch und sorgt dafür, dass Amada Ponce angesichts der Rückkehr von
Ex-Präsident Juan Orlando Hernández (2014–2022) aus den USA alles andere
als positive Vorahnungen hat.
Hernández, der in Honduras nur „JOH“ genannt wird, hat Honduras acht Jahre
lang autoritär regiert, wurde entgegen den Verfassungsbestimmungen 2017 mit
Duldung der USA wiedergewählt. Eigentlich wurde JOH von einem New Yorker
Gericht zu einer Haftstrafe von 45 Jahren verurteilt, weil er laut Gericht
der Kopf eines Drogenkartells gewesen sein soll, das rund 400 Tonnen Kokain
durch Honduras gen USA schmuggelte. Für Donald Trump war das Verfahren
gegen den honduranischen Strippenzieher, der sich zwischen 2014 und 2022
auf die Armee und die Militärpolizei stützte, „unfair“. Er begnadigte JOH
am 1. Dezember vergangenen Jahres.
Ob Juan Orlando Hernández, der seit dem 26. Juli wieder in Honduras ist,
mit Aufträgen zurück nach Honduras kam, wie viele in Honduras glauben, ist
unklar. Klar ist jedoch, dass die Justiz trotz aller Beweise gegen den
58-Jährigen bisher kein Ermittlungsverfahren wegen der Drogendelikte
angestrebt hat. Allein ein Korruptionsverfahren ist gegen den
Ex-Präsidenten anhängig. Der Haftbefehl wurde jedoch annulliert, weil sich
Hernández der Justiz stellte. Nur wenige im Land glauben, dass der gut
vernetzte Ex-Präsident wirklich etwas zu befürchten hat.
Auch Amada Ponce befürchtet eher, dass Hernández wieder ins Machtzentrum zu
Präsident Nasry Asfura und Parlamentspräsident Tomás Zambrano rücken
könnte. Sie erinnert sich noch genau daran, wie die großen Medien des
Landes ab 2014 mit geschalteter staatlicher Werbung auf Regierungskurs
gebracht wurden. „Nur wer spurte, bekam Anzeigen und damit Geld“, so Ponce.
Das könnte sich wiederholen, glaubt die Direktorin der von europäischen
Spenden abhängigen Medienorganisation C-Libre – ein bedrohliches Szenario
für die freie Berichterstattung in Honduras.
24 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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(DIR) Juan Orlando Hernández
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(DIR) Lateinamerika
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