# taz.de -- Nach Insolvenz von Hamburger Importeur: Genossen in Honduras bleiben auf Kaffee-Schulden sitzen
> Unter der Pleite der Hamburger Firma Benecke Coffee leiden Kleinbauern in
> Honduras. Sie haben Kaffee geliefert, aber kein Geld dafür bekommen.
(IMG) Bild: Viel Arbeit, am Ende kein Geld: Trocknen von Kaffeebohnen bei der Genossenschaft Comsa in Honduras
Admiralitätsstraße Nummer 10. „Benecke Coffee“ sowie „Rehm & Co.“ steht auf
dem Schild vor dem modernen Bürohaus. Nicht mehr lange, denn der 1995
gegründete Kaffeeimporteur ist insolvent. Derzeit wickelt
Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann das Unternehmen ab und hat Teile davon,
wie die Tochterfirma Rehm & Co., bereits veräußert, um die Ansprüche der
Gläubiger so weit wie möglich zu befriedigen.
Darauf hofft Rodolfo Peñalba, langjähriger Geschäftsführer von der
Genossenschaft Comsa aus Honduras, die zu den Lieferanten von Benecke
gehört und in den letzten 20 Jahren Hunderte Container mit Kaffeebohnen aus
der Anbauregion Marcala nach Hamburg verschifft hat. Die letzten zwölf
Container, die Comsa im September 2025 auf den Weg nach Hamburg brachte,
sind jedoch bis heute nicht bezahlt.
„Benecke schuldet uns etwas mehr als 2,6 Millionen US-Dollar für diese
Lieferung, die wir komplett vorfinanziert haben“, sagt Peñalba. Er ist
einer der Initiatoren der innovativen Genossenschaft mit rund 1.500
Mitgliederfamilien, die Biokaffee en gros anbaut, eine Anlage für die
Produktion von Biodünger und ein Recyclingsystem aufgebaut hat, aber auch
eine eigene Schule.
Die Fair-Trade- und biozertifizierte Genossenschaft gehört zu den zehn
großen Playern auf dem Kaffeemarkt in Honduras und exportiert mehrere
Hunderte Container mit aromatischen Bohnen pro Jahr. Etliche davon gehen
nach Deutschland und Benecke zählte mit rund achtzig Containern pro Jahr zu
den großen Abnehmern des von Comsa gelieferten Spezialitätenkaffees.
Dabei hat die Genossenschaft den Ankauf und die Verarbeitung des Kaffees in
aller Regel vorfinanziert – bis die Container aus dem Hafen von Cortés auf
dem Weg nach Hamburg waren. Das ist typisch in der Branche: Die Bauern, oft
in Genossenschaften zusammengeschlossen, tragen das finanzielle Risiko von
Ernte, Verarbeitung und Versand der Kaffeebohnen und nehmen dafür bei den
Banken im Heimatland oder bei internationalen Banken Kredite für die
Finanzierung auf. Dafür bürgen sie oft mit ihren Anlagen, im Zweifel auch
mit den Anbauflächen.
„Neokoloniale Strukturen“ im Kaffeehandel
Das seien neokoloniale Strukturen, kritisieren kleine, direkt importierende
Röstereien von Spezialitätenkaffee wie das [1][Coffee Collective aus
Kopenhagen] oder [2][Quijote-Kaffee aus Hamburg-Rothenburgsort]. Beide
überweisen den Genossenschaften, mit denen sie oft über zehn und mehr Jahre
zusammenarbeiten, sechzig Prozent des Bestellwertes vorab, sodass die
Genossenschaften ihren Bauern den Kaffee bei Anlieferung bezahlen können.
„Doch das ist atypisch im Kaffeemarkt, selbst im Fair-Trade-Segment alles
andere als Usus“, sagt Andreas Felsen von Quijote-Kaffee. Weniger als ein
Prozent des weltweit gehandelten Kaffees wird so fair importiert.
Für die kleinen und größeren Kaffee-Genossenschaften sei das ein Problem,
denn sie bezahlten die Bauern bei Erhalt der Kaffeebohnen, sagt Rodolfo
Peñalba von Comsa. Ihm sitzt seit Oktober 2025 die Bank im Nacken, die den
Kredit gewährt hat, um die Lieferung an Benecke vorzufinanzieren. Die
Genossenschaft müsse nicht nur für die Zinsen des aufgenommenen Kredites
aufkommen, bislang sind rund 400.000 Euro aufgelaufen. Schlimmer noch: „In
den Augen der Bank sind wir nicht mehr kreditwürdig“, sagt Peñalba.
„Deshalb haben wir Schwierigkeiten, die kommende Ernte zu finanzieren.“
Ähnlich geht es zwei anderen Genossenschaften aus Honduras und mindestens
vier weiteren aus Peru, die an Benecke Coffee geliefert haben, aber nicht
bezahlt wurden.
Das weiß auch Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann. Seit Februar ist er
damit beschäftigt festzustellen, wie hoch die Insolvenzmasse ist, die zudem
durch die Verkäufe von Lagerbeständen, Tochterunternehmen von Benecke
Coffee wie Rehm & Co. deutlich erhöht wurde. „Das ist eine relativ
untypische Insolvenz“, sagt Brinkmann, „weil im Verhältnis zu den
angemeldeten Forderungen ungewöhnlich viel Insolvenzmasse vorhanden ist.“
In den beiden vergangenen Wochen wurde bereits Geld an Kaffeelieferanten
überwiesen, die ihre Ware unter Eigentumsvorbehalt geliefert hatten. Eine
entsprechende Klausel ist zwar in den standardisierten Kaffeeverträgen
meist enthalten, doch erst bei der Überprüfung der Verträge stellte sich
heraus, dass zumindest theoretisch alle Benecke-Lieferanten Anspruch auf
Zahlungen haben. Jedoch nur, wenn „ihr“ Kaffee bei Insolvenzbeginn Anfang
Februar noch im Lager war.
Das war bei fast allen Lieferanten der Fall. Auch Comsa kann Geld vom
Insolvenzverwalter erwarten. „Wir haben diese Woche bereits 1,6 Millionen
US-Dollar an Insolvenzgläubiger in Peru und Honduras angewiesen“, so
Brinkmann auf Anfrage der taz.
Aber nur etwa die Hälfte aller Ansprüche sind durch die Insolvenzmasse
abgedeckt. Die Kaffeelieferanten werden erhebliche Summen abschreiben und
auch die Kreditzinsen tragen müssen.
„Für uns ist das eine bittere Erfahrung und aus unsere Perspektive wird der
europäische Markt immer komplizierter“, sagt Rodolfo Peñalba. „Auf der
einen Seite müssen wir en détail nachweisen, dass wir [3][umweltfreundlich
und ohne Einsatz von Pestiziden produzieren], auf der anderen haben wir
keinerlei Sicherheiten, tragen das gesamte Risiko.“ Daher prüfe Comsa, ob
andere Weltregionen bessere oder zumindest einfachere Konditionen bieten.
1 Sep 2026
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(DIR) Knut Henkel
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