# taz.de -- Wegen Zusammenarbeit mit Rosatom: Klage gegen Ausbau von Brennelementefabrik
> Umweltverbände befürchten Spionage und Sabotage durch den russischen
> Staatskonzern. Die EU klammert die Atombranche von Sanktionen gegen
> Russland aus.
(IMG) Bild: Schon 2024 wird gegen den Ausbau der Lingener Brennelementefabrik und zum möglichen Einstieg von Rosatom demonstriert
Der mit dem Einstieg Russlands verbundene Ausbau der nuklearen
Brennelementefabrik im emsländischen Lingen wird ein Fall für die Justiz.
Der Umweltverband BUND und weitere Initiativen haben beim Niedersächsischen
Oberverwaltungsgericht (OVG) [1][Klage gegen das Land Niedersachsen
eingereicht]. Sie richtet sich gegen die im Juli von Landesumweltminister
Christian Meyer (Grüne) erteilte Genehmigung zur Fertigung von Brennstäben
für Atomkraftwerke russischer beziehungsweise sowjetischer Bauart
[2][mithilfe des russischen Staatskonzerns Rosatom]. Das OVG bestätigte der
taz den Eingang der Klage.
Russland setze seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort und in
Deutschland mehrten sich gefährliche Sabotageversuche, begründet der
BUND-Vorsitzende Olaf Bandt den Widerstand seines Verbandes gegen das
Vorhaben. Während die Europäische Union versuche, die russische
Schattenflotte zu stoppen, erhalte gleichzeitig Rosatom in Lingen Zugriff
auf kritische Infrastruktur.
Da in Lingen sowohl die Fertigung als auch Teile der Qualitätskontrolle mit
von Rosatom gelieferten Maschinen erfolgten, könnten Produktion und
Überprüfung manipuliert werden. Das werfe schwerwiegende sicherheits- und
außenpolitische Fragen auf. „Atomare Infrastruktur in Deutschland darf
nicht zum Einfallstor für russische Staatsinteressen werden“, sagt Bandt.
„Jede Atomkooperation zementiert die Abhängigkeit von Russland weiter.“
Aus Sicht des Klagebündnisses entspricht das Verfahren zur
Umweltverträglichkeitsprüfung zudem nicht den rechtlichen Anforderungen.
Die Vorprüfung sei „lückenhaft“ gewesen und habe auf veralteten Unterlagen
basiert, erklärt die niedersächsische BUND-Landesvorsitzende Susanne
Gerstner. Zudem sei die Rosatom-Beteiligung in den Antragsunterlagen nicht
vollständig offengelegt worden. Damit habe der französische Betreiber der
Brennelementefabrik gegen geltendes Recht verstoßen und der Öffentlichkeit
wichtige Informationen vorenthalten.
## Auflagen für Rosatom reichen den Klägern nicht
Die mit der Genehmigung verbundenen Auflagen – etwa ein grundsätzliches
Betretungsverbot der Fabrik für Rosatom-Mitarbeitende – sorgen nach Ansicht
der Kläger weder für wirksamen Schutz noch lösten sie das grundlegende
Problem der Kooperation mit Rosatom. „Wie sollen Auflagen
Sicherheitsbedenken ausräumen, wenn der Partner selbst das Problem ist?“,
fragt Bettina Ackermann von der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt.
Die Brennelementefabrik in Lingen wird von ANF betrieben, einer
100-prozentigen Tochtergesellschaft der französischen Framatome GmbH. Die
Anlage ist bereits mehr als 45 Jahre alt und verfügt – wie die
Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau – ungeachtet des deutschen
Atomausstiegs über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Beide Anlagen
verarbeiten auch aus Russland geliefertes Uran.
Das Klagebündnis sieht die Kooperation der Brennelementefabrik mit Rosatom
als weiteren Beleg der atomaren Abhängigkeit Europas von Russland:
[3][Trotz 21 Sanktionspaketen gegen das Land] gebe es bis heute keine
Sanktionen im Atombereich.
11 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bund-niedersachsen.de/service/presse/detail/news/bund-klagt-gegen-russische-atomproduktion-in-niedersachsen/
(DIR) [2] /Atomindustrie-unter-russischem-Einfluss/!6160616
(DIR) [3] /Sanktionen-gegen-Russland/!6209415
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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Macron.