# taz.de -- Religion in Montenegro: Stoßgebete für Ratko Mladić
> Ein montenegrinischer Staatsanwalt ermittelt gegen einen Bischof der
> Serbisch-Orthodoxen Kirche. Er hatte dem Kriegsverbrecher Ratko Mladić
> gehuldigt.
(IMG) Bild: Serbisch-orthodoxe Priester während der Beisetzung des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladić
Das Ableben des ehemaligen bosnisch-serbischen Generals und rechtskräftig
verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić nebst den Trauerfeierlichkeiten
in der serbischen Hauptstadt Belgrad ziehen international weitere
politische Kreise. Nach Brüssel jetzt auch in Montenegro.
Am vergangenen Dienstag leitete die Oberstaatsanwaltschaft in der
montenegrinischen Hauptstadt Podgorica strafrechtliche Ermittlungen gegen
den Metropoliten der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Bischof Metodije, ein. Dem
Oberhirten der Diözese Budimlja und Nikšić wird Aufstachelung zu
nationalem, rassistischem und religiösem Hass vorgeworfen.
Anlass waren Ausführungen Metodijes im Kloster Piva am 28. August und damit
einen Tag nach Mladićs Tod. Das Volk habe in Mladić „all jene wunderbaren
und heiligen Eigenschaften serbischer Krieger und Ritter erkannt. Möge die
allerheiligste Gottesmutter (…) auch die Seele des berühmten Generals Ratko
in die Schar der heiligen serbischen Ritter erheben“, sagte Metodije. Nach
der Liturgie vermeldete die Website der Diözese Budimlja und Nikšić, dass
eine Gedenkfeier für „den kürzlich verstorbenen Diener Gottes, General
Ratko Mladić“, abgehalten worden sei.
Mladić war während des Bosnienkrieges (1992–1995) Kommandeur der
bosnisch-serbischen Streitkräfte und unter anderem auch für das Massaker
von Srebrenica im Juli 1995 verantwortlich. Mehr als 8.000 muslimische
Jungen und Männer wurden ermordet. 2017 verurteilte der Internationale
Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) Mladić wegen
Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu
lebenslanger Haft. 2021 wurde das Urteil von einem Berufungsgericht
bestätigt.
## Keine Frage der Auslegung
Strafanzeige gegen Metodije gestellt hatten fünf
Nichtregierungsorganisationen in der Kleinstadt Rožaje. Zur Begründung hieß
es, bei Srebrenica handele es sich nicht um eine Frage politischer oder
nationaler Auslegung. Der Völkermord sei eine gerichtlich festgestellte
Tatsache. Die Staatsanwaltschaft sei verpflichtet, (…) zu prüfen, ob die
betreffenden öffentlichen Äußerungen die Tatbestandsmerkmale einer Straftat
gemäß Artikel 370 des Strafgesetzbuches von Montenegro erfüllen. Besagter
Artikel regelt die Haftung für die öffentliche Billigung oder grobe
Verharmlosung von Völkermord und anderen internationalen Verbrechen.
Metodije lobpreist nicht zum ersten Mal „verdiente“ Militärs. Im
vergangenen Jahr betete er für Pavle Đurišić, seines Zeichens Kommandeur
monarchistisch-nationalserbischer Tschetnik-Verbände im Zweiten Weltkrieg.
Zwei diesbezügliche Strafanzeigen wies die Staatsanwaltschaft in Bijelo
Polje unlängst jedoch ab.
In Montenegro, einem Land mit knapp 630.000 Einwohner*innen, sind 72
Prozent der Bevölkerung orthodoxen Glaubens. Davon gehören 90 Prozent der
Serbisch-Orthodoxen Kirche an, die traditionell enge Beziehungen zur
Russisch-Orthodoxen Kirche unterhält. Deren Moskauer Vorsteher, Patriarch
Kyrill, unterstützt Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Kräften.
Die Nachwehen im Fall Mladić bekommt auch der Präsident des Parlaments,
Andrija Mandić zu spüren. Mandić, Vorsitzender der Partei Nova srpska
demokratija (Neue serbische Demokratie, NSD) hatte sich öffentlich in
Beileidsbekundungen für Mladić ergangenen. Die wichtigste Oppositionspartei
Demokratische Partei der Sozialisten Montenegros (DPS) forderte jetzt
Mandićs Absetzung.
Aus nachvollziehbaren Gründen: [1][Montenegros Regierung strebt möglichst
schon 2028 einen Beitritt zur EU an]. Da kommen derartige Kontroversen
äußerst ungelegen. Auch wenn noch unklar ist, zu welchem Ergebnis die
Staatsanwaltschaft in Podgorica kommen wird, fest steht: Die Entscheidung
dürfte in den nächsten EU-Fortschrittsbericht eingehen.
10 Sep 2026
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(DIR) Barbara Oertel
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