# taz.de -- EU-Beitrittskandidat Montenegro: Die orthodoxe Kirche wurde zum Handlanger der Politik
       
       > Das Westbalkanland Montenegro will bald in die EU. Eine Debatte über die
       > Anteilnahme beim Begräbnis des Kriegsverbrechers Mladić kommt da zur
       > Unzeit.
       
 (IMG) Bild: Mischt posthum auch die exjugoslawische Republik Montenegro auf: der kürzlich verstorbene Ratko Mladić
       
       Halleluja, so viel Aufmerksamkeit und Anteilnahme hätte Ratko Mladić wohl
       gefallen. Der kürzlich verstorbene bosnisch-serbische Ex-General und von
       einem internationalen Gericht rechtskräftig verurteilte Kriegsverbrecher
       mischt posthum auch die exjugoslawische Republik Montenegro auf.
       
       Ausgerechnet ein [1][hochrangiger Würdenträger der in Montenegro sehr
       einflussreichen Serbisch-Orthodoxen Kirche konnte das (Weih-) Wasser nicht
       halten und lobpreiste bei einem Gottesdienst Mladić], den viele Menschen
       immer noch als „serbischen Helden“ verklären. Jetzt ermittelt die
       Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Podgorica gegen den Gottesmann – wegen
       Aufstachelung zu nationalem, rassischem und religiösem Hass.
       
       Die Vorwürfe und Anschuldigungen sind alles andere als abwegig. Denn Mladić
       wird auch die Verantwortung für das Massaker in Srebrenica zugeschrieben.
       Dort wurden im Juli 1995 über 8.000 muslimische Jungen und Männer
       kaltblütig abgeschlachtet – eines der monströsesten Verbrechen seit dem
       Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit
       diesem und anderen Gräueltaten während der Jugoslawienkriege steht – nicht
       nur in Serbien – bis heute aus.
       
       Doch das Problem geht weitaus tiefer. Viele orthodoxe Kirchen sind zu
       Handlangern einer nationalistischen und menschenverachtenden Politik ihrer
       jeweiligen Regierungen geworden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die
       [2][Russisch-Orthodoxe Kirche] unter ihrem Oberhaupt Kirill, die auch zu
       ihrem serbischen „Ableger“ engste Beziehungen unterhält.
       
       Der Moskauer Patriarch unterstützt vorbehaltlos Wladimir Putins
       völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Auslöschung eines
       Volkes im Namen den Herrn und in der Priesterrobe – noch Fragen? Eben.
       
       Für Montenegro, seit 2017 Mitglied der Nato, kommt die Auseinandersetzung
       über Mladić und sein „Erbe“ zur Unzeit. Das Land mit knapp 630.000
       Einwohner*innen schickt sich an, möglichst schon 2028 Mitglied der
       Europäischen Union zu werden.
       
       [3][Die Chancen auf einen baldigen Beitritt des Musterschülers und
       „Frontrunners“ auf dem Westbalkan stehen nicht schlecht,] allein beim
       wichtigen Kapitel „Justiz“ hapert es noch.
       
       Dummerweise ist die Causa Mladić auch in der Politik angekommen. Ein
       Parlamentsabgeordneter sowie der Präsident der Volksvertretung konnten
       ebenfalls nicht umhin, Mladić ihren Respekt und ihre Ehrerbietung zu
       zollen. Entsprechende Rücktrittsforderungen sowie Strafanzeigen sind
       mittlerweile anhängig. Wie das Ergebnis lauten wird, ist derzeit noch nicht
       abzusehen. Eines jedoch steht fest: Brüssel wird und muss die weitere
       Entwicklung genau beobachten. Wegsehen gilt nicht, zumal ja auch noch
       andere Kandidaten aus der Region in der Warteschleife stehen.
       
       Wie heißt es immer so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Glaube
       vielleicht auch.
       
       12 Sep 2026
       
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