# taz.de -- Kampagnenorganisation The Republic: Populismus als Ausweg
       
       > Um die rechte Mitte zu stärken, setzt die Berlin Campaign Conference auf
       > Ideen aus Trumps Amerika. Die Abgrenzung nach rechts außen bleibt
       > unscharf.
       
 (IMG) Bild: Empfiehlt den Konservativen Populismus als „Format“: JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius, hier bei einer Preisverleihung 2024
       
       850 Euro kostete das Ticket, kaufen konnte man es nur mit einem
       Zugangscode, und so war der luxuriöse Saal des Berliner Marriott-Hotels am
       Ende nicht voll. Kurz bevor die CDU in Sachsen-Anhalt eine historische
       Niederlage gegen die Rechtsextremen einfuhr, hatte der konservative
       Thinktank The Republic in der vergangenen Woche zum dritten Mal zu seiner
       Berlin Campaign Conference (BCC) eingeladen.
       
       Mit Kampagnen gegen „Gender-Wahnsinn“, Wokeness und den „Linksdrift“ war
       die unionsnahe Kampagnenplattform 2021 von Armin Petschner-Multari, einem
       ehemaligen Social-Media-Strategen der CSU, angetreten. In diesem Jahr
       wollte sie mit der BCC Berlin als Drehscheibe die globale
       Mitte-rechts-Bewegung stärken. Im Mittelpunkt standen die Krise der CDU und
       der Aufstieg der AfD.
       
       „Druck von den Rechtsextremen und der progressiven Linken“ würden die
       politische Landschaft tiefgreifend verändern, hieß es in der Einladung. Wie
       könne da die rechte Mitte „wettbewerbsfähig bleiben und zugleich ihre
       Kernprinzipien und Identität wahren?“ Die BCC-Organisatoren sahen die
       Antwort vor allem darin, US-amerikanische Methoden nach Deutschland zu
       importieren.
       
       Ein Kommunikationsberater aus den USA erinnerte daran, dass heute nicht
       Daten die Wähler bewegen würden, „sondern Narrative“. Berater stellten
       erfolgreiche Wahlkampagnen von Politikern der Republikanischen Partei vor.
       Clara von Nathusius, politische Influencerin und Schatzmeisterin der Jungen
       Union, empfahl den Konservativen Populismus. Der sei „keine Sünde, sondern
       ein Format“, wusste von Nathusius. Menschen würden heute Personen und
       Bewegungen folgen – das zeige der Erfolg der MAGA-Bewegung in den USA. „Die
       Menschen haben nicht für die Republikaner gestimmt, sondern für Trump.“ Die
       CDU müsse eine Bewegung schaffen und „Stabilität wieder sexy machen“.
       
       ## Zohran Mamdanis Populismus ist böse
       
       Or Yissachar-Veres vom Israel Defense and Security Forum (IDSF), einer
       Vereinigung israelischer Ex-Militärs, sprach über eine „Rot-grüne Allianz“,
       in der sich Progressive und Islamisten zusammentäten. Westliche Linke
       würden versuchen, mit antiisraelischer Rhetorik und der Hinwendung zu
       Minderheiten Wähler für sich zu gewinnen. Ein Beispiel sei der New Yorker
       Bürgermeister Zohran Mamdani, der die palästinensische Sache
       opportunistisch instrumentalisiere, so Yissachar-Veres.
       
       Auch der als moderater Merkelianer geltende Ex-Minister Peter Altmaier
       verwies in seiner Eröffnungsrede auf die USA. Er sei ein „großer Verfechter
       der deutsch-amerikanischen Freundschaft“, so Altmaier. „Wir verdanken den
       USA sehr viel.“ Aber er sei nicht davon überzeugt, dass das MAGA-Konzept
       funktionieren werde. „Wenn man sagt ‚America first‘ und Steuern erhebt und
       Zölle erhöht, um dem eigenen Land zu nützen, ohne die berechtigten
       Interessen anderer zu berücksichtigen – warum sollten andere dann
       Verbündete sein und mit einem zusammenarbeiten?“
       
       Der rechte Populismus sei heute ein globales Phänomen, sagte Altmaier – von
       der Tea Party und MAGA in den USA über Le Pen in Frankreich bis hin zu
       Reform UK und PiS in Polen. Für ihn seien rechte Positionen legitim, doch
       Extremismus dürfe „innerhalb einer Partei niemals toleriert werden“.
       
       Die Frage, wo diese Trennlinie in dem Milieu zu ziehen ist, das The
       Republic anspricht, wird nicht klar beantwortet. Das
       Mitte-rechts-Selbstverständnis wird betont. Unterstützt wird die BCC von
       der CDU-nahen Union Stiftung und der von George H. W. Bush und Margaret
       Thatcher mitgegründeten International Democracy Union (IDU), die sich
       selbst als globale Allianz der Mitte-rechts-Parteien bezeichnet. Doch 2024
       listete die Berlin Campaign Conference auch die Heritage Foundation aus den
       USA als Unterstützerin auf. Die ist Schöpferin von „Project 2025“, das als
       Strategiehandbuch für Donald Trumps zweite Amtszeit gilt.
       
       An Trump erinnerte auch die Art und Weise, wie auf der BCC bisweilen über
       die Medien gesprochen wurde: „Die Presse ist eine Nervensäge“, sagte einer
       der Redner. Entsprechend lag einer der Schwerpunkte für das Programm auf
       Rezepten für erfolgreiche politische Kampagnen mit sozialen Medien und KI.
       
       ## Geeint gegen die Migration
       
       Attila Kovács, Gründer des Budapester Analysesunternehmens Eulytix,
       präsentierte eine Untersuchung von Daten zu Gesetzesänderungen im
       EU‑Parlament. Die Rechte sei polarisiert, sagte Kovács. Themen wie
       Migration und Israel würden konservative EVP und die drei radikaleren
       Fraktionen wie ECR als rechtes Lager einen. „Rechte Parteien in der EU sind
       eher bereit, bei migrationsbezogenen Themen zusammenzuarbeiten und
       gemeinsam abzustimmen“, so Kovács. Umweltfragen oder die Haltung zu Ungarn
       hingegen würden das rechte Lager spalten.
       
       10 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andrea Dip
       
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