# taz.de -- 25 Jahre nach 9/11: Rudy Giuliani nimmt es persönlich
       
       > Der frühere New Yorker Bürgermeister stört sich an der Anwesenheit des
       > aktuellen Stadtoberhaupts Zohran Mamdani beim Gedenkakt an diesem
       > Freitag.
       
 (IMG) Bild: Gedenken an die Anschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center: Eine Lichtinstallation über Manhattan am 9. September
       
       Wenn am Freitag am Ground Zero New York zum 25. Jahrestag von 9/11 der
       Opfer des Terroranschlags gedacht wird, wird sich auch [1][Bürgermeister
       Zohran Mamdani] selbstbewusst unter die Honoratioren mischen. Zu ihnen
       gehören die ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Barack
       Obama aber auch Mamdanis Vorgänger Michael Bloomberg und Rudy Giuliani.
       
       Insbesondere Giuliani gefällt die Anwesenheit Mamdanis jedoch gar nicht.
       Der Mann, der zum Zeitpunkt des Attentats die Stadt regierte und sich einen
       Namen als „Amerikas Bürgermeister“ machte, gehörte in der vergangenen Woche
       zu den lautstärksten Kritikern von Mamdanis Anwesenheit bei dem Festakt.
       „Dass er da ist, beleidigt mich persönlich“, sagte Giuliani dem
       Trump-nahen, rechten Propagandasender Newsmax.
       
       Giulianis Vorbehalte hängten sich, wie die von zahlreichen
       Mamdani-Kritikern, an der Personalie von Ramzi Kassem auf, dem leitenden
       Justiziar von Mamdanis Regierung. Der Juraprofessor an der
       Columbia-Universität und ehemalige Rechtsberater von Joe Biden in
       Einwanderungsfragen hatte sich nach 9/11 gegen die pauschale
       Strafverfolgung und Kriminalisierung von Muslimen stark gemacht. Dabei
       verteidigte er auch Insassen des Strafgefangenenlagers Guantánamo, das
       Kassem für illegal hält.
       
       Besonderen Anstoß nahmen die Kritiker Mamdanis, zu denen auch der ehemalige
       Gouverneur von New Jersey, George Pataki, gehört, an dem Umstand, dass
       Kassem unter anderem Ahmed al-Darbi, ein Al-Qaida-Mitglied, verteidigt
       hatte. Der hatte gestanden, 2002 an dem Bombenanschlag auf einen
       französischen Öltanker beteiligt gewesen zu sein.
       
       Giuliani ging in seiner Tirade gegen Mamdani auf Newsmax aber noch weiter
       und attackierte dessen Glauben. „Der Islam ist nicht irgendeine Religion“,
       behauptete er. „Die bekommen vom ersten Tag an beigebracht, dass sie uns
       alle vernichten und beherrschen sollen.“
       
       ## Kein Kommentar
       
       [2][Mamdani] würdigte die Bemerkungen Giulianis keines Kommentars. Giuliani
       ist tief gesunken, seit er in den Jahren nach 9/11 als amerikanischer Held
       gefeiert wurde. Er hatte die Stadt mit innerer Ruhe und klarem Kopf durch
       die Krise rund um 9/11 gesteuert. Seine Popularität, so glaubte er, werde
       ihn automatisch zu einem Spitzenkandidaten für die Präsidentschaft machen.
       
       Nach seinem frühen Ausscheiden 2008 verfiel er jedoch in eine tiefe
       Depression und rang mit Alkoholproblemen. Seine Probleme wurden noch
       schlimmer, als er sein eigenes politisches Schicksal an das von Donald
       Trump knüpfte. Er tat sich bereits im Wahlkampf 2016 als übereifriger
       Unterstützer des Präsidenten hervor, als dessen sexistische Kommentare ans
       Licht kamen.
       
       Nach der Wahlniederlage Trumps 2020 war er einer der lautstärksten
       Vertreter der These, die Wahl sei gestohlen worden. Giuliani ging sogar so
       weit, zwei Wahlhelferinnen direkt der Manipulation zu beschuldigen. Sie
       verklagten ihn erfolgreich auf 148 Millionen Dollar Schadensersatz. Danach
       musste Giuliani Privatinsolvenz anmelden und seine Immobilien verkaufen.
       
       ## Schlechte Luftqualität
       
       Giulianis Offensive ist nicht zuletzt eine Reaktion auf das, was er
       zweifellos als Angriff auf seine Person durch Mamdani ansieht. Mamdani
       veröffentlichte in der vergangenen Woche 170.000 Dokumente. Sie belegen,
       dass die Luftqualität im unteren Manhattan lange nach dem Attentat weitaus
       schlechter war, als die damals Verantwortlichen das behauptet hatten.
       Giuliani hatte Anwohner unmittelbar nach dem Anschlag wieder in das Areal
       gelassen, Arbeiter am Ground Zero waren ungeschützt.
       
       Die Dokumente sind für viele Anwohner und Rettungskräfte eine verspätete
       Genugtuung. Sie mussten zum Teil einen langen, harten politischen Kampf um
       Entschädigung und Versorgung wegen schwerer gesundheitlicher Spätfolgen
       führen.
       
       Zu seinem Besuch der Gedenkveranstaltung am Freitag sagte Mamdani
       selbstbewusst: „Ich bin stolz, der Bürgermeister dieser Stadt zu sein. Ich
       liebe diese Stadt. Ich liebe dieses Land. Ich möchte, dass es in dieser
       Woche um die Menschen geht, die einen geliebten Angehörigen während der
       grauenhaften Anschläge vor 25 Jahren verloren haben, und um die vielen
       Helfer, die ihr Leben riskiert haben.“
       
       Mamdani hatte sich vorher in Interviews häufig gegen eine pauschale
       Assoziation von Muslimen mit islamistischem Terror ausgesprochen. Seine
       Wahl war nicht zuletzt auch ein Zeichen dafür, dass die Stadt New York
       weitestgehend gegen eine weit verbreitete Islamophobie immun ist.
       
       10 Sep 2026
       
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