# taz.de -- Mamdanis Wahlversprechen: Kostenlose Kinderbetreuung in New York
       
       > Der zukünftige Bürgermeister Zohran Mamdani hat nichts Geringeres
       > versprochen. Die Wirtschaft der Stadt soll es auch ankurbeln. Was sind
       > die Pläne?
       
 (IMG) Bild: Kinderbetreuung war im Wahlkampf ein wichtiges Thema: Zohran Mamdani besucht eine Kindertagesstätte in New York City
       
       Der neue Bürgermeister von New York, der selbsternannte demokratische
       Sozialist Zohran Mamdani, versprach im Wahlkampf, das [1][Leben für die
       Menschen in der Großstadt günstiger und einfacher] machen zu wollen. Eines
       seiner Versprechen war es, dass jedes Kind im Alter zwischen sechs Wochen
       und fünf Jahren einen kostenlosen Kitaplatz in New York erhalten würde.
       Mamdani, der am 1. Januar offiziell sein neues Amt aufgenommen hat, muss
       jetzt liefern. Doch die Aufgabe wird nicht einfach, und die Erwartungen
       sind hoch.
       
       „Es ist eine fast schon schizophrene Zeit, denn einerseits existiert nach
       Mamdanis Sieg eine unglaubliche Begeisterung, andererseits gibt es aber so
       viele Schwierigkeiten im Bereich der Kinderbetreuung, die die Umsetzung des
       Wahlversprechens deutlich erschweren werden“, sagte Gregory Brender von der
       Organisation Day Care Council of New York, die Hunderte
       Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt vertritt, zur taz.
       
       Brender hat als Leiter für Politik und Innovationen einen guten Überblick
       über das derzeitige Kinderbetreuungssystem in der Metropole mit mehr als 8
       Millionen Einwohnern und die politischen und finanziellen Hürden, die
       Mamdani erwarten werden. Die größten Probleme im System sind ein Mangel an
       Betreuungsplätzen, fehlende Kinderpädagogen:innen sowie die enorm
       hohen Kosten für Familien.
       
       In New York zahlen Familien [2][im Durchschnitt 26.000 Dollar pro Jahr] für
       einen Kinderbetreuungsplatz. Im Vergleich zum Rest des Landes sind die
       Kosten in New York damit fast doppelt so hoch. Laut einer Studie der
       Vereinigung Child Care Aware of America’s lag der Landesdurchschnitt im
       Jahr 2024 bei 13.128 Dollar pro Jahr.
       
       ## Zu wenige Plätze
       
       Viele US-Familien können sich aufgrund dieser hohen Kosten eine
       Kinderbetreuung gar nicht leisten. Welche finanzielle Belastung die
       Kinderbetreuung darstellt, zeigt sich auch, wenn man sich vor Augen führt,
       dass in 41 Bundesstaaten sowie in der US-Hauptstadt Washington die
       jährlichen Kosten für Kinderbetreuung höher sind als die Studiengebühren an
       den dortigen staatlichen Universitäten.
       
       Es gibt in New York bereits ein kostenloses, von der Stadt finanziertes
       Betreuungsprogramm für Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren. Auch
       bietet die Stadt für Familien mit geringem Einkommen Hilfsprogramme an.
       Doch wie eine Untersuchung gezeigt hat, gibt es einfach nicht genug
       Betreuungsplätze in diesen Programmen, und die Hilfsprogramme werden nur
       von etwa 29 Prozent der Bezugsberechtigten genützt.
       
       Die Folge ist, dass Familien andere Lösungen finden müssen. Sei es durch
       Unterstützung von Familienangehörigen oder dass ein Elternteil, meistens
       sind es Mütter, entscheidet, für die ersten Jahre mit den Kindern zu Hause
       zu bleiben.
       
       Eine kostenlose und für alle New Yorker zugängliche Kinderbetreuung hätte
       daher nicht nur positive Effekte für Familien, sondern auch für die
       US-Wirtschaft. Eine kostenlose Kinderbetreuung würde laut einer
       Untersuchung der Stadt das Gesamteinkommen von Familien in ganz New York um
       1,9 Milliarden Dollar steigern.
       
       ## Unterstützt von armen und reichen Familien
       
       Gleichzeitig könnten Firmen aufgrund der gesteigerten Produktivität etwa
       900 Millionen Dollar mehr erwirtschaften. All dies sind weitere Gründe,
       warum der Ruf nach kostenlosen Betreuungsplätzen bei New Yorker Wählern
       Anklang fand.
       
       „Was die Wahlkampfkampagne von Zohran Mamdani eindrucksvoll gezeigt hat,
       ist die breite Unterstützung für qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in
       allen Stadtteilen. Es war ein regelrechter Aufruf zum Handeln. Man hörte
       die Menschen überall in New York danach rufen, von den reichsten bis zu den
       ärmsten Vierteln“, sagte Tara Gardner, die Leiterin des Day Care Council of
       New York.
       
       Die Organisation, die es seit 1948 gibt, vertritt die Anliegen von knapp
       300 Kinderbetreuungseinrichtungen in allen fünf Stadtvierteln New Yorks.
       Mamdani will auf diesen Erfahrungsschatz setzten und ernannte Gardner zum
       Mitglied seines „Transition-Teams“.
       
       Doch bei so vielen Baustellen im Bereich der Kinderbetreuung ist die Frage,
       wo man ansetzen soll. Da es hier um die Betreuung und den Schutz von
       Kindern geht, will man weder die Ausbildungsanforderungen für Betreuer und
       Betreuerinnen herunterschrauben, noch die Verordnungen zum Betreiben von
       Betreuungseinrichtungen lockern.
       
       ## Bundesstaat New York will mitmachen
       
       Zudem hat der künftige [3][Bürgermeister auch zeitlichen Druck, seine Pläne
       umzusetzen]. Mamdanis Plan in seiner jetzigen Form würde mehr als 6
       Milliarden Dollar verschlingen. Wie dies finanziert werden soll, ist noch
       unklar.
       
       Die demokratische Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochul,
       die im November zur Wiederwahl steht, hat angekündigt, die
       Kinderbetreuungspläne von Mamdani zu unterstützen: „Er und ich hatten
       bereits viele Gespräche, unter vier Augen und mit unseren Mitarbeitern, um
       etwas Vernünftiges in die Wege zu leiten: eine allgemeine Kinderbetreuung“,
       sagte die Gouverneurin in einer lokalen Radiosendung am Sonntag.
       
       Zur Finanzierung der Kinderbetreuung und anderer Programme hatte Mamdani
       vorgeschlagen, die Topverdiener der Stadt sowie Unternehmen mit höheren
       Steuersätzen zur Kasse zu bitten. Dies soll insgesamt 9 Milliarden Dollar
       in die Kassen spülen. Um die Steuern anzuheben, braucht es jedoch die
       Zustimmung der Landesregierung. Diese hält sich bislang bedeckt.
       
       Für jeden lizenzierten Betreuungsplatz, der in New York zur Verfügung
       steht, gibt es mehr als zwei Kinder, die diesen bräuchten. Außerdem gehört
       Kinderbetreuung trotz der wichtigen gesellschaftlichen Funktion zu den
       schwächer bezahlten Jobs in der Stadt.
       
       ## Grundlagen schaffen
       
       Genau hier wollen Organisationen und Aktivisten im ersten Jahr der
       Mamdani-Regierung ansetzten. „Die derzeitig bestehenden Strukturen müssen
       gestärkt und stabilisiert werden, denn man kann nicht auf etwas aufbauen,
       das so zerbrechlich ist“, sagte Gardner im Gespräch mit der taz.
       
       Konkret fordert sie eine bessere Bezahlung und verbesserte
       Arbeitsbedingungen. „Ohne diese Dinge wird es nicht funktionieren. Die
       Nachfrage für Kinderbetreuung wird vorhanden sein, aber es wird nicht
       genügend Angebote geben, um sie zu decken“, fügte sie hinzu.
       
       Auch andere Programme, wie mehr Unterstützung bei der Wohnungssuche oder
       der Finanzierung der Ausbildung, würden laut Gardner dazu beitragen, dass
       der Mangel an Kinderbetreuer:innen in der Stadt in Zukunft reduziert
       werden könnte und jedes der etwa 500.000 Kinder unter fünf Jahren in der
       Stadt einen Betreuungsplatz erhält.
       
       Laut Gardners Organisationen braucht es zusätzliche 30.000
       Pädagogen:innen in der Stadt, um den Bedarf zu decken. Um dies
       umzusetzen, fordert das Bündnis Empire State Campaign for Child Care im
       Bundesstaat New York die Schaffung eines Vergütungsprogramms für die
       Kinderbetreuer in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar.
       
       Ohne signifikante Investitionen von Stadt, Land und Bund sind diese
       ambitionierten Ziele kaum zu erreichen. „Wir brauchen nachhaltige
       Investitionen in allen Bereichen des Lebens der Menschen“, sagte Shoshana
       Hershkowitz, Wahlkampfleiterin der Empire State Campaign for Child Care,
       zur taz.
       
       ## Steuererhöhungen sind ein Muss
       
       Für die Stadt wie auch für das Bundesland wird es kaum möglich sein, diese
       Investitionen ohne Steuererhöhungen zu stemmen. Doch der Wahlsieg von
       Mamdani im vergangenen November sowie Hochuls bevorstehende Wiederwahl
       geben Hoffnung, dass Steuererhöhungen zur Finanzierung von
       Gesellschaftsprojekten wie eben Kinderbetreuung durchgesetzt werden können.
       
       „Wir brechen nicht gleich in Panik aus, nur weil wir das Wort
       Steuererhöhung hören. Im Moment gibt es viel Unterstützung dafür. Es gibt
       viel Unterstützung für die Erzielung angemessener Einnahmen, ohne die
       arbeitende Bevölkerung stärker zu belasten, sondern Wege zu finden,
       Unternehmen und extrem reiche Einzelpersonen höher zu besteuern“, sagte die
       Vorsitzende der Alliance for Quality Education (Allianz für
       Bildungsqualität), Marina Marcou-O’Malley.
       
       Gerade in einer Zeit, in der die Trump-Regierung aufgrund von
       Betrugsvorwürfen die Zahlung von Kinderbetreuungsgeldern an die einzelnen
       Bundesstaaten vorläufig gestoppt hat, braucht es starke Landes- und
       Kommunalpolitik, um das Leben der Menschen zu verbessern.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /US-Politologe-ueber-Zohran-Mamdani/!6138515
 (DIR) [2] https://comptroller.nyc.gov/reports/child-care-affordability-and-the-benefits-of-universal-provision/
 (DIR) [3] /Buergermeisterwahl-in-New-York/!6138516
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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